Diesel-Preise liegen 15 Prozent unterm kalkulierten Restwert

Autor / Redakteur: Christoph Baeuchle / Andreas Grimm

Steigende Umsatz- und Absatzzahlen sprechen für einen guten Verlauf des Autojahres 2017. Doch hinter den Eckdaten verbergen sich auch in Baden-Württemberg die Diesel-Probleme. Ein erstes Warnzeichen ist die sinkende Rendite.

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Harry Brambach, Präsident des Kfz-Gewerbes Baden-Württemberg, beklagt einen Wertverlust der Diesel-Rückläufer von 15 Prozent.
Harry Brambach, Präsident des Kfz-Gewerbes Baden-Württemberg, beklagt einen Wertverlust der Diesel-Rückläufer von 15 Prozent.
(Bild: Rösch/ LV Baden-Württemberg)

Steigende Neuwagenabsätze und mehr Umsatz – die formale Bilanz des Kfz-Gewerbes Baden-Württemberg für 2017 liest sich auf den ersten Blick nicht schlecht. Der Gesamtumsatz stieg um 1,7 Prozent auf 31,6 Milliarden Euro. Dabei erzielten die schwäbischen Autohäuser und Werkstätten eine Durchschnittsrendite von 1,4 Prozent. Das sind allerdings 0,2 Punkte weniger als im Jahr 2016.

Zudem sind die Zahlen angesichts der aktuellen Entwicklungen nur zum Teil aussagekräftig: „Trotz der Diskussionen um Fahrverbote und Blaue Plaketten ist das Kfz-Gewerbe im vergangenen Jahr mit einem blauen Auge davongekommen“, sagte Harry Brambach, Präsident des Landesverbandes Baden-Württemberg. Jedoch schwindet jetzt seine Hoffnung, die teilweise „chaotische Diskussion“ zum Thema Diesel und Emissionen nicht mehr länger erleben zu müssen: „Da werden wir wohl in den nächsten Monaten nicht ganz davon abkommen.“

Äußerten sich zur Lage des Kfz-Gewerbes in Baden-Württemberg: (v.li.) Klaus Heschke, Pressesprecher des Landesverbandes Baden-Württemberg, Präsident Harry Brambach und Hauptgeschäftsführer Carsten Beuß.
Äußerten sich zur Lage des Kfz-Gewerbes in Baden-Württemberg: (v.li.) Klaus Heschke, Pressesprecher des Landesverbandes Baden-Württemberg, Präsident Harry Brambach und Hauptgeschäftsführer Carsten Beuß.
(Bild: Rösch / LV Baden-Württemberg)

Vor allem nach dem Urteil des Leipziger Bundesverwaltungsgerichts, das den Städten nun die Einführung von Fahrverboten ermöglicht, wird keine Ruhe einkehren. Das Urteil betrifft vor allem Stuttgart, aber auch andere Städte in Baden-Württemberg.

Die drohenden Fahrverbote haben die Situation im Handel ein weiteres Mal verschärft. Die Preise gebrauchter Diesel stehen weiter kräftig unter Druck. „Die Erlöse liegen rund 15 Prozent unter den kalkulierten Restwerten“, so Brambach. Tendenz weiter sinkend. Für größere Autohäuser summieren sich die Diesel-Verluste mittlerweile auf zweistellige Millionenbeträge.

Gegen diese Entwicklung hilft aus Sicht des Kfz-Gewerbes Baden-Württemberg nur, endlich Klarheit zu schaffen. „Die Regierung muss jetzt tun, wozu sie da ist: Festlegen, was mit den Dieselfahrzeugen passieren muss, damit wie versprochen Fahrverbote vermieden werden können“, betonte der Präsident. Drei Punkte seien wesentlich: gesetzliche und faktische Regelungen für Hardware-Nachrüstungen, deren Finanzierung sowie eine klare Übergangsregelung für Diesel-Euro-5 bis zur Lieferbarkeit der Nachrüstsätze. Brambach verwies auf die Erfahrungen mit der Partikelfilternachrüstung.

Nicht nur die Übergangsregelung, damals reichte schon die Filterbestellung für eine Ausnahmegenehmigung, könne der Orientierung dienen, sondern die gesamte Nachrüstung. Wie damals sieht Brambach erneut die Werkstätten auf mögliche Nachrüstungen vorbereitet. Dass dies möglich ist, hatte jüngst eine ADAC-Studie mit Beteiligung des Landesverbandes Baden-Württemberg unter Beweis gestellt. Zwischen sechs und 16 Stunden beträgt der Umrüstaufwand, am Ende stehen Nachrüstkosten zwischen 1.400 und 3.300 Euro.

Doch dafür müssen zunächst die Rahmenbedingungen geschaffen und die Nachrüstsätze produziert werden. „Das braucht etwas Zeit“, bestätigte Brambach. Nötig seien aber bei weitem keine zwei bis drei Jahre, wie sie Daimler-Chef Dieter Zetsche ins Spiel gebracht hatte. Würde die Regierung bis Herbst eine Nachrüstverordnung auf den Weg bringen, könnte in den folgenden sechs Monaten das Kraftfahrtbundesamt die Nachrüstsätze freigeben. „Wir könnten also mit der Nachrüstung 2019 beginnen.“ Zwölf Monate später sei ein Großteil der betroffenen Euro-5-Diesel nachgerüstet.

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