Diesel-Urteil zeigt negative Folgen im Markt

Interesse am Selbstzünder geht nochmals zurück

| Autor: Andreas Grimm

(Foto: Achter)

Die Dieselnachfrage bleibt zumindest kurz nach dem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts, das den Weg frei machte für Dieselfahrverbote, im Sturzflug. Nach Angaben des Neuwagen-Vermittlers Meinauto.de erreichte der Anteil von Fahrzeugkonfigurationen mit Dieselmotor auf dem Portal mit 17,8 Prozent einen Allzeit-Tiefststand seit Beginn der entsprechenden Auswertungen des Unternehmens.

Zum Vergleich: Im Sommer 2015 suchten noch 43 Prozent der Nutzer einen Neuwagen mit Dieselmotor. Zum Jahreswechsel 2016/17 waren es immerhin noch 33 Prozent, zum Jahreswechsel 2017/18 waren es dann knapp 25 Prozent. Der jüngste Absturz zeige nun, dass selbst „Kaufinteressenten, die bisher noch nicht verunsichert waren, nun auch Abstand vom Kauf eines Diesel-Pkw nehmen“, interpretiert Alexander Bugge, Geschäftsführer von Meinauto.de, die Zahlen.

Zu beachten ist sicherlich, dass eine Analyse des Kundenverhaltens kurz nach dem Urteil von kurzfristigen Effekten beeinflusst wird und nicht strikt repräsentativ ist. Die Tendenz des weiter abnehmenden Diesel-Interesses ist dennoch spürbar. Das zeigt sich nicht zuletzt bei einer Analyse nach dem Wohnort der Nutzer. So brach die Diesel-Nachfrage in Köln, Berlin, Hamburg, München, Stuttgart und Düsseldorf – den Städten mit drohenden Fahrverboten – auf durchschnittlich 13,35 Prozent ein.

Fahrer und Fuhrparkmanager lehnen Urteil ab

Verschärft wird die Diesel-Zurückhaltung im Privatmarkt durch eine wachsende Skepsis unter Fuhrparkmanagern und Firmenwagenfahrern. In einer Online-Umfrage der Marktforschung Dataforce äußerten 70 Prozent von 300 Teilnehmern die Erwartung, dass Fahrverbote kommen werden. 69 Prozent der Befragten gehen von einem weiteren Rückgang der Diesel-Neuzulassungen aus. Das Diesel-Urteil selbst bewerteten 72 Prozent negativ („gar nicht gut“ oder „weniger gut“).

Allerdings steht auch diese Umfrage unter dem Vorbehalt möglicher Schnellschüsse. Schließlich hat das Leipziger Urteil Fahrverbote für Diesel-Neuwagen explizit ausgeschlossen. Interessanterweise sind die Fuhrparkmanager besonders skeptisch. Unter ihnen ist die Erwartung, dass Fahrverbote kommen werden, überdurchschnittlich hoch.

Das Urteil als Katalysator für den Umstieg auf umweltfreundliche Technologien erwartet aber nur eine Minderheit der Befragten. Immerhin noch 44 Prozent gehen von Neuanschaffungen im Fuhrpark aus, ein Viertel der Befragten (26 %) kann sich einen Umstieg auf umweltfreundliche Technologien vorstellen, doch nur 11 Prozent sehen im Umstieg auf öffentliche Verkehrsmittel eine realistische Option.

DAT sieht Probleme im freien Handel

Unter diesen Umständen verwundert es nicht, wenn Jens Nietzschmann, Geschäftsführer der Deutschen Automobil Treuhand (DAT) in einem am Freitag veröffentlichten Statement zu dem Ergebnis kommt, dass das Diesel-Urteil „derzeit nur Verlierer kennt – mit Ausnahme vielleicht der Gebrauchtwagenhändler im Ausland“. Betroffen von der aktuellen Entwicklung ist aus seiner Sicht an vorderster Front der Handel, „der nicht durch Abwarten auf eine vielleicht milde Auslegung der Fahrverbotsoptionen durch die Städte und Gemeinden hoffen“ kann.

Aus Nietzschmanns Sicht wird ein nochmaliger Druck auf die Preise für gebrauchte Dieselfahrzeuge die Notwendigkeit erhöhen, dass die Hersteller und Importeure ihre Unterstützungsmaßnahmen für ihre Handelsorganisationen ausbauen. Schlechter steht es aus seiner Sicht um den freien Handel. Diesen Betrieben „bleibt wohl nichts anderes übrig, als weitere Wertberichtigungen bei ihren Diesel-Beständen vorzunehmen.

Seriöse Zahlen zur Wertentwicklung der Diesel-Gebrauchtwagen kann die DAT erst in einigen Wochen vorlegen, wenn genügend Transaktionen als Bewertungsgrundlage vorliegen. Doch schon vor dem Dieselurteil hatte der Wert von gebrauchten Diesel-Pkw 4,6 Prozentpunkte unter dem Wert vergleichbarer dreijähriger Benziner gelegen. Zu beachten ist aus Sicht der DAT, dass die gebrauchten Diesel aufgrund der gesunkenen Angebotspreise für Kunden im Ausland attraktiver werden. Generell sieht die DAT zudem den Dieselantrieb für Vielfahrer weiterhin als einzig sinnvolle Wahl an.

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