Dieselgate: Die Luft für Audi bei 3-Liter-Motoren wird dünner

Autor Christoph Seyerlein

Die erfolgreichen Abgas-Klagen von Kunden, die einen Audi mit 3-Liter-Diesel fahren, der die Euro-6-Norm erfüllen soll, häufen sich. Setzt sich die Entwicklung fort, könnte sie für den gesamten Volkswagen-Konzern zum Problem werden.

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Auch um 3-Liter-TDI-Motoren der Euro-6-Norm von Audi gibt es zunehmend Ärger.
Auch um 3-Liter-TDI-Motoren der Euro-6-Norm von Audi gibt es zunehmend Ärger.
(Bild: Audi)

Ende 2018 startete Audi im Zuge der Abgas-Affäre auch für Fahrzeuge mit V6 3-Liter-Motoren aus den Baujahren 2008 bis 2018 einen Rückruf. Dabei sollte ein Software-Update eine unerlaubte Prüfstandserkennung eliminieren. Inzwischen mehren sich allerdings die Urteile, die betroffenen Kunden, die das nicht akzeptieren, Recht geben.

Bereits im Mai hatten die Landgerichte Frankfurt am Main (Az.: 2-30 0 334/19) und Offenburg (Az.: 4 O 106/19) Klägern Schadenersatz zugesprochen, da Audi aus Sicht der Richter die Kunden sittenwidrig geschädigt habe. Vergangene Woche sprach nun auch das Landgericht Nürnberg-Fürth ein ähnliches Urteil (Az.: 4 O 219/20).

Geklagt hatte in diesem Fall der Fahrer eines Audi Q7 mit 3-Liter-Dieselmotor (EA 897, Euro 6). Als er im September 2019 per Schreiben vom Hersteller dazu aufgefordert wurde, am „Rückruf 23X6“ teilzunehmen und ein Software-Update aufspielen zu lassen, weigerte sich der Kunde und klagte. Da Audi einen außergerichtlichen Vergleich ablehnte, landete der Fall vor Gericht. Die Anwälte des Audi-Fahrers beriefen sich in ihren Ausführungen darauf, dass die haftungsbegründenden Tatsachen die gleichen seien wie bei den Fällen mit dem Euro-5-Dieselmotor EA189, der im Zentrum der Diesel-Affäre steht.

Dieser Argumentation folgte auch das Gericht. Es stellte fest, dass „im Gegensatz zu zahlreichen anderen Fällen der Vortrag der Klagepartei hinreichend substantiiert erfolgt“ sei. Audi wiederum habe die Vorwürfe in der Folge nicht ausreichend bestreiten können.

Über 76.000 Euro Schadenersatz

Laut Urteil muss der Hersteller dem Kläger nun Schadenersatz in Höhe von 76.526,18 Euro zahlen. Im Gegenzug gibt dieser seinen Audi Q7 zurück. Dabei wurde nach aktueller Rechtsprechung des BGH vom Kaufpreis in Höhe von 84.157,59 Euro eine Nutzungsentschädigung von 7.631,41 Euro abgezogen.

Sollten sich die erfolgreichen Klagen gegen Audi bei 3-Liter-Dieseln häufen und auch in höherer Instanz Bestand haben, könnte das auch für den gesamten Volkswagen-Konzern Folgen haben. Motoren der Bauart EA 897 kommen auch in VW- und Porsche-Modellen zum Einsatz.

Zudem droht dem Konzern auch bei Fahrzeugen mit Benzin-Motoren zunehmend Ärger. Ein Gutachten des Landgerichts Offenburg erhärtete zuletzt den Verdacht, dass Audi auch bei Autos mit Otto-Motor illegale Prüfstandserkennungen eingesetzt haben könnte. Wenig später erstattete Porsche wegen einer ähnlichen Thematik Selbstanzeige beim Kraftfahrt-Bundesamt.

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