Dieselkrise hinterlässt Totalschaden im Kfz-Gewerbe

Präsident Norren erwartet Dieseltalsohle 2018

| Autor: Christoph Baeuchle

Hans Werner Norren, Präsident des Kfz-Gewerbes in Rheinland-Pfalz, fürchtet herbe Einbußen für den Handel durch die Dieselkrise.
Hans Werner Norren, Präsident des Kfz-Gewerbes in Rheinland-Pfalz, fürchtet herbe Einbußen für den Handel durch die Dieselkrise. (Bild: Promotor)

Steigende Absatzzahlen lassen das Kfz-Gewerbe eigentlich jubeln. Aktuell ist das Gegenteil der Fall: Das Jahr 2018 werde noch härter für das rheinland-pfälzische Kfz-Gewerbe, als das Jahr 2017 gewesen sei, sagte Präsident Hans Werner Norren auf der Jahrespressekonferenz des Kfz-Gewerbes Rheinland-Pfalz. Schuld hat die landauf landab grassierende Dieselkrise. Während Norren vor zwei Jahren noch erwartete, dass Betrug und Schummelei der Hersteller nur einige Schrammen im Kfz-Gewerbe hinterlassen, weiß er heute: Es ist ein Totalschaden.

Die Verluste der Händler sind bereits immens, werden aber nach Einschätzung Norrens noch deutlich steigen: „Auf einen mittleren Betrieb kommen noch um die 50 Diesel-Pkws als Leasingfahrzeuge zu.“ Bei einem durchschnittlichen Fahrzeugwert von 15.000 bis 20.000 Euro seien bis zu eine Million Euro „in Fahrzeugen gebunden, die fast unverkäuflich die Lagerflächen besetzen“. Viele Betriebe könne dies finanziell in Schwierigkeiten bringen. Ford-Händler Norren hat selbst 13 ältere Diesel auf seinem Hof stehen.

Helfen kann aus Sicht des Landesverbands allenfalls die Nachrüstung von Euro-5-Dieseln. „Wir brauchen diese Nachrüstungen – und zwar schnell“, so Norren. „Nur dann werden sich die Werte einigermaßen erholen.“ Er forderte die Politik auf, rasch zu handeln. Und gibt sich zugleich sicher: „Die Nachrüstung wird kommen.“

Das Dieseldesaster zeigt sich nicht nur an den Restwerten, auch die Neuzulassungen verändern sich. Am Jahresanfang sank der Dieselanteil in Rheinland-Pfalz bei den Neuzulassungen auf 30 Prozent. Vor drei Jahren waren es zur Hochzeit noch rund 50 Prozent. Aus Sicht des Landesverbandspräsidenten dürfte der Diesel damit die Talsohle erreicht haben. „Im Lauf des Jahres schwankt der Anteil mal zwei Prozent hoch oder runter“, glaubt Norren, unterm Strich werde er aber nicht mehr tiefer fallen.

Stagnierender Umsatz bei sinkenden Gewinnen

Was das Dieseldesaster in den rheinland-pfälzischen Betrieben bewirkt hat, zeigte Geschäftsführer Jens Bleutge an einigen nackten Zahlen. Die rund 3.000 Autohäuser und Werkstätten lagen mit ihrem Umsatz von 7,7 Milliarden Euro quasi auf Vorjahresniveau (plus 0,3 Prozent). Dabei verzeichneten sie allerdings rückläufige Gewinne: Die durchschnittliche Rendite sank von 1,7 Prozent im Jahr 2016 auf 1,3 bis 1,6 Prozent im vergangenen Jahr.

„Das ist viel zu wenig, für große Rücklagen bleibt da schon gar nichts“, stellte Norren klar. Daraus ergeben sich keine guten Aussichten für das laufende Jahr. Auf eine Prognose für die nächsten Monate ließ sich der Präsident nicht ein. Stattdessen befürchtete er, dass „die Dieselleasingrückläufer einige Händler in existenzielle Bedrängnis bringen“.

Kommentare werden geladen....

Ihr Kommentar zum Thema

Der Kommentar wird durch einen Redakteur geprüft und in Kürze freigeschaltet.

Anonym mitdiskutieren oder einloggen Anmelden

Avatar
Zur Wahrung unserer Interessen speichern wir zusätzlich zu den o.g. Informationen die IP-Adresse. Dies dient ausschließlich dem Zweck, dass Sie als Urheber des Kommentars identifiziert werden können. Rechtliche Grundlage ist die Wahrung berechtigter Interessen gem. Art 6 Abs 1 lit. f) DSGVO.
  1. Avatar
    Avatar
    Bearbeitet von am
    Bearbeitet von am
    1. Avatar
      Avatar
      Bearbeitet von am
      Bearbeitet von am

Kommentare werden geladen....

Kommentar melden

Melden Sie diesen Kommentar, wenn dieser nicht den Richtlinien entspricht.

Kommentar Freigeben

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

Freigabe entfernen

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

copyright

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Infos finden Sie unter www.mycontentfactory.de (ID: 45189349 / Verbände)

Plus-Fachartikel

Die großen Autohändler 2018: Autohaus Rastetter

Die großen Autohändler 2018: Autohaus Rastetter

Knapp ein Jahrzehnt legte das Autohaus Rastetter eine erstaunliche Wachstumsentwicklung hin. Zuletzt musste die Gruppe jedoch einen empfindlichen Dämpfer hinnehmen. Jetzt blicken die Manager wieder nach vorn und wollen die Wende schaffen. lesen

Die großen Autohändler 2018: Autohaus Weeber

Die großen Autohändler 2018: Autohaus Weeber

Galt im Autohaus Weeber in Sachen Digitalisierung das Augenmerk bisher vor allem internen Prozessen rund um den Verkauf, verschiebt sich der Fokus jetzt: Nun soll es verstärkt um die Kundenkommunikation gehen – und um neue Berufsrollen. lesen