Dieselnachrüstung: Was zu wissen und zu beachten ist

Bis zum 1. Januar will der Bund eine Nachrüstrichtlinie vorlegen

| Autor: Jan Rosenow

Alle Komponenten eines SCR-Systems müssen nachträglich im Fahrzeug untergebracht werden:

  • der SCR-Kat selbst,
  • die Einspritzeinheit für das Adblue,
  • der Adblue-Tank und
  • je nach System noch ein Heizkatalysator oder ein Ammoniak-Generator.

Wenn bereits eine Euro-6- oder US-Variante des jeweiligen Fahrzeugtyps mit SCR-Katalysator vorhanden ist, gestaltet sich der Einbau relativ einfach. Diesen Best Case repräsentiert im ADAC-Test der Fiat Ducato. Der Nachrüster HJS konnte sämtliche Komponenten des Euro-6-Ducato übernehmen; sogar die entsprechenden Halterungen und Freiräume waren im Testauto bereits vorhanden. Lediglich der Endschalldämpfer musste dem SCR-Kat weichen.

Etwas schwieriger war es beim VW T5. Hier griff Oberland Mangold beim Adblue-Tank und -Einspritzsystem auf Werksteile zurück, während die SCR-Kats sowie der Hydrolysereaktor Eigenentwicklungen waren.

Worst Case: So aufwendig wie ein Autogas-Umbau

Den Worst Case stellte der Opel Astra dar. Für dieses Modell musste Baumot die passenden Teile erst finden – der Vorratstank beispielsweise stammt von VW. Um ihn in der Reserveradmulde unterzubringen, waren Schweiß- und Blecharbeiten nötig. Eine zweite Herausforderung war es, das komplexe Nachrüstsystem mit seinem externen Hydrolysereaktor im Fahrzeug unterzubringen, schließlich bietet ein vollgestopfter Kompaktwagen einfach weniger Platz als ein luftig aufgebauter Transporter. In einem solchen Fall dürften die Gesamtkosten den Zeitwert des Fahrzeugs wohl übersteigen. Der ADAC hat den Einbauaufwand mit dem einer Autogasanlage verglichen.

Video: Fakten zu Diesel und Nachrüstung Die Nachrüstung von Dieseln ist in aller Munde, doch welche Systeme gibt es, wie kommt es zu Emissionsproblemen, wie lassen sie sich in den Griff bekommen und welche Kosten entstehen.
Jan Rosenow, Ressortleiter Technik & Service, trägt die Fakten zusammen, informiert über Prozesse, Methoden und die Verfügbarkeit. Zum Video.

Der Heizkatalysator braucht viel Strom

Die Schadstoffminderung ist übrigens nicht das einzige Problem, das die Nachrüster lösen müssen. Eine große Herausforderung ist die Stromversorgung. Der SCR-Kat braucht eine Mindesttemperatur, damit das Adblue vollständig verdampft und die chemische Reaktion in Gang kommt. 200 Grad Celsius müssen es schon sein.

In der Erstausrüstung geschieht das durch Nacheinspritzung. Bei der Nachrüstung ist das nicht möglich, da die Anlage keinen Zugriff auf das Motorsteuergerät hat. Also bleibt nichts anderes übrig, als einen Heizkat einzubauen, der viel Strom frisst. Daraus resultiert letztlich auch der um wenige Prozent erhöhte Kraftstoffverbrauch nachgerüsteter Autos.

Bei leerem Adblue-Tank muss das Auto stehen bleiben

Ein zweites ungelöstes Problem ist das Sanktionsregime bei leerem Adblue-Tank. Serienautos warnen den Fahrer rechtzeitig und verweigern schlussendlich den Motorstart, wenn der Tank nicht gefüllt wird. Doch wie soll das bei Nachrüstsystemen funktionieren, die keinen Zugriff auf die Motorsteuerung haben? Hier wie an vielen anderen Stellen wird deutlich, dass die Autohersteller die Nachrüstung am besten selbst vornehmen sollten. Sie haben Zugriff auf die benötigten Teile und auf die Motorsteuerung. Doch nach wie vor weigern sich alle OEMs, hier mit eigenen Produkten aktiv zu werden.

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