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Dieselnachrüstung: Weiterhin kaum Anträge bei Mercedes-Benz und VW

Autor: Jan Rosenow

Volkswagen hat nach eigenen Angaben erst 26 Nachrüstungen finanziell bezuschusst. Trotzdem sind manche Händler durchaus erfolgreich bei der Vermarktung.

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Einbau einer SCR-Anlage bei Tschirner & Fuchs: schon 28 Fahrzeuge nachgerüstet.
Einbau einer SCR-Anlage bei Tschirner & Fuchs: schon 28 Fahrzeuge nachgerüstet.
(Bild: Rosenow/»kfz-betrieb«)

Sowohl Mercedes-Benz als auch Volkswagen bezuschussen das Nachrüsten von Euro-5-Dieselfahrzeugen mit einem SCR-Katalysator mit jeweils 3.000 Euro – genug, um den größten Teil der Einbaukosten zu decken. Trotzdem bekommen die beiden Hersteller nach eigenen Aussagen kaum Anträge eingereicht.

Auf Anfrage von »kfz-betrieb« haben die beiden Unternehmen die Zahlen der bewilligten Förderanträge aus dem ersten Halbjahr mitgeteilt. Bei den Stuttgartern platzierten mittlerweile zwar rund 5.500 Kunden Vorprüfungen für einen Zuschuss auf der dafür aufgesetzten Website. Allerdings beantragten davon bis Ende Juni nur rund 400 nach Einbau eines Nachrüstprodukts auch tatsächlich das Geld. Drei Anträge wurden abgelehnt.

Lieferschwierigkeiten bei Katalysatorhersteller

Bei Volkswagen ist die Zahl noch einmal deutlich geringer. Mit Stand Ende Juni hat das Unternehmen 26 Hardwarenachrüstungen finanziell bezuschusst – 16 im Mai und 10 im Juni. Wie viele Voranfragen oder genehmigte, aber noch nicht ausgezahlte Anträge vorliegen, konnte das Unternehmen gegenüber »kfz-betrieb« nicht sagen.

Trotzdem gibt es Autohäuser im Volkswagen-Netz, die bei der Vermarktung der Dieselnachrüstung durchaus erfolgreich sind. Das Autohaus Tschirner & Fuchs in Ludwigsburg beispielsweise hat bereits 28 Anlagen eingebaut, der überwiegende Anteil davon waren Neoplus-Katalysatoren von Oberland-Mangold, die in eine bereits bestehende SCR-Anlage eingesetzt werden. Auch das Autozentrum Hagelauer in Heilbronn hat schon 26 verbindliche Anfragen von Kunden, konnte aber wegen Lieferschwierigkeiten noch nicht alle Aufträge abarbeiten.

Bremst der Zulassungsstopp in Stuttgart die Antragsteller aus?

Warum die Zahl der Auszahlungen immer noch deutlich geringer ist als die der bei den Händlern verbauten Anlagen, lässt sich bislang nicht klären. Bei VW vermutet man, dass die Kunden ihre Anträge nicht vollständig eingereicht haben könnten, weil die Eintragung der Katalysatoren in die Fahrzeugpapiere stockt. Die Kfz-Innung Region Stuttgart hatte ja auch jüngst einen „Zulassungsstopp“ bei der Zulassungsstelle Stuttgart beklagt. Die ist laut der Innung seit Monaten das Sorgenkind des Kraftfahrzeuggewerbes in der Region. Immer wieder ist es zu Stockungen gekommen.

„Dass eine Zulassungsstelle einen Zulassungsstopp verhängt, ist wohl ein einmaliger Vorgang“, sagt Innungsgeschäftsführer Christian Reher und fordert zusammen mit Obermeister Torsten Treiber, „dass dieser Stopp umgehend wieder aufgehoben wird. Es kann doch nicht sein, dass die Stadtverwaltung das erhoffte Anziehen der Konjunktur blockiert und die Existenz unserer Betriebe und der Arbeitsplätze gefährdet.“

Obermeister Treiber appelliert trotz dieser Schwierigkeiten an alle Kunden, die dafür infrage kommen, „die 3.000 Euro von Mercedes und VW zu nehmen und ihre Euro-5-Diesel nachzurüsten, um die Grenzwerte in Stuttgart möglichst schnell einzuhalten.“

Update: Nach Veröffentlichung des Artikels meldete Volkswagen neue Zahlen nach: Mit Stand zum 19. Juli seien 45 Anträge auf Bezuschussung bearbeitet und ausgezahlt worden, es befänden sich derzeit keine weiteren in Bearbeitung. Das Unternehmen erhält nach eigenen Angaben jeden Monat etwa 350 Anfragen zum Thema Hardwarenachrüstung, viele davon seien allerdings eher unspezifisch oder informativ.

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Über den Autor

 Jan Rosenow

Jan Rosenow

Ressortleiter Service & Technik, Vogel Communications Group