Diskussion um die Werkstattportale

Die Werkstattportale waren ein Schwerpunkt der Fachtagung Freie Werkstätten 2013. Längst nicht alle Kfz-Betriebe heißen die Entwicklung im Internet gut.

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(Foto: Bausewein)

„Unterschätzen Sie nicht die Entwicklung im Internet“, warnte Helmut Wolk, Geschäftsführer der Wolk Aftersales Experts GmbH, die über 360 Teilnehmer der diesjährigen Fachtagung Freie Werkstätten und Servicebetriebe. Kernthema der Veranstaltung im Würzburger Vogel Convention Center waren die sogenannten Werkstattportale. Diese Internet-Plattformen, über die sich Endverbraucher von Werkstätten konkrete Serviceleistungen anbieten lassen können, wühlen das Kfz-Gewerbe derzeit auf. Dabei ist die Anzahl der Befürworter ähnlich groß wie die Zahl derjenigen, die diese Form der Kundenakquise für ihr Unternehmen ablehnen. Letztere haben größte Bedenken, dass durch die Serviceportale dem Preisverfall im Aftersales Tür und Tor geöffnet wird.

Helmut Wolk hatte zu Beginn des Jahres die verschiedenen Portale analysiert. Seiner Meinung nach würden künftig immer mehr Verbraucher die Portale nutzen, um Servicedienstleistungen zu kaufen oder sich ein Angebot einzuholen. Es sei eine realistische Einschätzung, dass bis zum Jahr 2030 zwischen 20 und 25 Prozent des gesamten Aftersalesgeschäft online zustandekämen.

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Wolk verwies in diesem Zusammenhang auf den Reifenmarkt: „Zehn Prozent des gesamten Reifenumsatzes in Deutschland werden heute über Internetplattformen wie Delticom, Autoscout und Mobile.de generiert“, berichtete Wolk. Gleichzeitig empfahl er den anwesenden Betrieben, selektiv mit den Werkstattportalen umzugehen. „Das Geheimnis des Erfolgs wird sein, nicht das gesamte Werkstattdienstleistungsangebot in das Portal einzustellen“, erklärte Wolk. Werkstätten sollten nur mit den Bereichen ins Netz gehen, die sie verbessern wollten.

Differenzierte Sichtweise

Dem widersprach Bundesinnungsmeister Wilhelm Hülsdonk. Der ZDK-Vizepräsident glaubt nicht, dass sich einzelne Bereiche über das Internet ohne weiteres aktivieren lassen. Insgesamt zeigte sich Hülsdonk skeptisch gegenüber Werkstattportalen. Aber sie ließen sich nicht verhindern. Dies sei auch der Grund gewesen, warum die DAT, deren Gesellschafter der ZDK ist, das Werkstattportal Fairgarage übernommen habe. Es sei besser, selbst etwas zu machen und zu versuchen, den Markt im Sinne des Kfz-Gewerbes zu beeinflussen, als darauf zu warten, dass ohne dritte Anbieter nichts mehr geht, wie es bei Gebrauchtwagen der Fall ist.

Doch die Fachtagung setzte sich nicht allein theoretisch mit dem Thema auseinander. Frank Achenbach vom AD Autodienst Achenbach GmbH berichtete, wie erfolgreich die Zusammenarbeit mit einem Werkstattportal für sein Unternehmen sei. Er sprach von zwei bis drei neuen Kunden in der Woche. Im Gegensatz dazu berichtete Holger Winter von Auto Winter, dass ihm die Portale nichts eingebracht hätten. Die meisten Anfragen seien nicht sonderlich seriös und machten nur die Arbeit eines Angebots. Er habe nicht einen einzigen Auftrag generieren können.

Genauso kontrovers wie die beiden Werkstattbetreiber zeigten sich auch die Teilnehmer der Fachtagung in der anschließend von »kfz-betrieb«-Chefredakteur Wolfgang Michel geleiteten Diskussion. Dabei kamen auch Vertreter der Werkstattportale Fairgarge (Jens Nietzschmann) und Autoscout (Tanja Meffert) zu Wort. Beide legten größten Wert darauf, festzustellen, dass der Kunde im Internet nicht immer nach dem günstigsten Preis suche. Vielmehr seien Nähe und Qualität die ausschlaggebenden Parameter für einen Werkstattauftrag. Allerdings hat sich bisher nur Fairgarage getraut, den direkten Preisvergleich aus seinem Angebot zu entfernen.

»kfz-betrieb« wird in seiner Ausgabe 1/2-2014 den Servicemarkt in Deutschland beleuchten. Den Schwerpunkt werden dabei die Werkstattportale bilden. Denn ohne Zweifel wird das Internet das Verbraucherverhalten genauso nachhaltig verändern wie das Anbieterverhalten.

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Über den Autor

Dipl. Ing. (FH) Konrad Wenz

Dipl. Ing. (FH) Konrad Wenz

Chefredakteur, Redaktion »Fahrzeug+Karosserie«