Verlust Dividende bei Continental soll ausfallen

Autor / Redakteur: dpa / Andreas Wehner

Der Zulieferer hat vor allem im zweiten und dritten Quartal hohe Verluste eingefahren und ein negatives Konzernergebnis festgestellt. Daher gibt es für die Conti-Aktionäre in diesem Jahr nichts.

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Continental fährt einen harten Sparkurs.
Continental fährt einen harten Sparkurs.
(Bild: Marcus Prell)

Wegen der schwierigen Geschäftslage sollen die Aktionäre von Continental für das Corona-Jahr 2020 keine Dividende erhalten. Der Autozulieferer und Reifenhersteller stellte nach Prüfung der Bücher ein negatives Konzernergebnis fest. Daher werde man der Ende April anstehenden Hauptversammlung den Verzicht auf eine Ausschüttung vorschlagen, hieß es am Freitagabend vom Dax-Konzern in Hannover.

Für das Jahr davor hatte es noch 3 Euro je Anteilsschein gegeben, trotz ebenfalls roter Zahlen. Finanzvorstand Wolfgang Schäfer hatte bereits im vergangenen November angedeutet, dass eine Wende zum Gewinn nicht mehr gelingen könnte.

Zugeständnis vor dem Hintergrund der Entlassungen

Die Conti-Aktie verlor kurz nach Handelsbeginn am Montag um rund 4 Prozent. Die Entscheidung sei wohl auch im Lichte der bedeutenden Umbaumaßnahmen im Konzern zu sehen, die auch Fabrikschließungen beinhalten, schrieb Jefferies-Analyst Sascha Gommel. Das Management um den neuen Conti-Chef Nikolai Setzer und die Großaktionäre der Industriellenfamilie Schaeffler sähen die Dividendenstreichung wahrscheinlich als Zugeständnis vor dem Hintergrund der Entlassungen. An der Finanzkraft des Konzerns habe es aber wohl kaum gelegen.

Das Conti-Papier hatte in den vergangenen Monaten wie die Branche insgesamt deutlich zulegen können: War es Ende Oktober noch um die 90 Euro wert, stand der Kurs zum Xetra-Schluss vor dem Wochenende bei gut 120 Euro. Continental hat einige schwere Jahre hinter sich.

Bereits 2018 hinterließ der US-chinesische Handelsstreit seine Spuren beim weltweit zweitgrößten Autozulieferer, später kamen hausgemachte Probleme und weitere Marktschwächen hinzu, bevor die Corona-Krise einschlug. Anfang 2018 war die Aktie auf ihrem Rekordhoch über 257 Euro noch gut doppelt so viel wert wie derzeit.

Angesichts der Konjunkturkrise und abnehmenden Verkäufe in der Pandemie war zumindest eine verringerte Gewinnbeteiligung der Eigentümer ohnehin absehbar gewesen, Analysten hatten im Schnitt mit rund 2 Euro Ausschüttung gerechnet. Conti hatte in der jüngeren Vergangenheit mitunter mehr gezahlt als in der Dividendenpolitik vorgesehen - für 2019 hatte es schließlich trotz eines Jahresverlusts eine Ausschüttung gegeben. An der grundsätzlichen, mittelfristig ausgerichteten Dividendenpolitik einer Ausschüttung von 15 bis 30 Prozent des Konzerngewinns halte das Unternehmen weiter fest, teilte Conti mit.

Hohe Verluste im zweiten und dritten Quartal

Im zweiten und dritten Quartal 2020 hatte Conti unterm Strich hohe dreistellige Millionenverluste eingefahren. Das laufende Geschäft wurde im dritten Jahresviertel dann wieder stabiler. Doch der Strukturwandel und die trüben Aussichten für die weltweite Autoproduktion halten die Branche unter Druck.

Betriebsratschef Hasan Allak hatte mit Blick auf den internen Sparkurs einen Verzicht von den Aktionären verlangt und bereits vorgeschlagen, dass für 2020 gar keine Dividende ausgezahlt wird.„Die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer haben unter anderem mit der befristeten Aussetzung der Konzern-Erfolgsbeteiligung einen deutlichen Beitrag geleistet, um Kosten zu senken“, sagte er - „von den sehr schmerzvollen Jobverlusten ganz zu schweigen“. Andere Gruppen müssten ebenfalls „spürbare Beiträge leisten“. Conti steckt in einem komplexen Umbau zu mehr Elektronik, Sensorik und Software.

Größter Profiteur von Dividendenzahlungen bei Conti ist üblicherweise mit einem Aktienanteil von 46 Prozent die Industriellenfamilie Schaeffler, die auch den gleichnamigen Auto- und Industriezulieferer aus Herzogenaurach kontrolliert. Die Schaefflers sind seit einem missglückten Übernahmeversuch in der Finanzkrise 2008/2009 größter Aktionär von Conti.

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