Corona-Pandemie „Dramatisches Infektionsgeschehen hat Folgen für die Betriebe“

Autor Doris Pfaff

Die aktuelle Entwicklung der Corona-Pandemie in Deutschland spitzt sich zu. Erste Länder bereiten sich auf Einschränkungen vor. Eine Einschätzung zur aktuellen Lage gibt Carsten Beuß, Hauptgeschäftsführer des Kfz-Gewerbes Baden-Württemberg.

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Carsten Beuß ist als Hauptgeschäftsführer des Kfz-Gewerbes Baden-Württemberg in vielen Gremien vertreten und kann deshalb die aktuellen Pläne der Landesregierung im Kampf gegen die Pandemie gut einschätzen.
Carsten Beuß ist als Hauptgeschäftsführer des Kfz-Gewerbes Baden-Württemberg in vielen Gremien vertreten und kann deshalb die aktuellen Pläne der Landesregierung im Kampf gegen die Pandemie gut einschätzen.
(Bild: Kfz-Baden-Württemberg)

Österreich beschließt den Lockdown für Ungeimpfte, Bundesgesundheitsminister Jens Spahn empfiehlt die Regel 2G+ bei Veranstaltungen und der Virologe Christian Drosten rät dringend zu Kontaktbeschränkungen. Die Pandemie befindet sich in der vierten Welle. Die Forderungen nach Einschränkungen und Maßnahmen werden wieder lauter.

Nächste Woche Donnerstag trifft sich erstmals wieder die Ministerpräsidentenkonferenz mit der Bundesregierung, um gemeinsame Schritte abzustimmen. Auch der Bundesrat will in einer Sondersitzung über die geplanten Änderungen am Bundesinfektionsschutzgesetz beraten, die das Bundeskabinett derzeit plant. Schon ab Samstag gibt es wieder kostenlose Corona-Tests. Bayern hat aufgrund der kritischen Lage im Bundesland bereits den Katastrophenfall ausgerufen.

Was diese Situation für den Autohandel bedeutet, ist aktuell nur schwer einzuschätzen. Carsten Beuß, Hauptgeschäftsführer des Kfz-Gewerbes Baden-Württemberg, beobachtet seit 20 Monaten die Entwicklungen der Pandemie und die Folgen für das Kfz-Gewerbe sehr genau. Im Interview erläutert er die aktuelle Lage.

Herr Beuß, auf Bundesebene tun sich die Politiker derzeit schwer, Aussagen zu weiteren Schritten zur Eindämmung der Pandemie zu treffen. Wie schätzen Sie die Lage ein?

Carsten Beuß: Wir haben derzeit eine sehr dynamische und dramatische Lage. In Baden-Württemberg laufen in den meisten Landkreisen die Krankenhäuser mit Covid-19-Patienten voll. Nächste Woche werden wir wohl die nächste Stufe, die Alarmstufe, erreichen. Experten schätzen, dass die Intensivbettenkapazität ab Mitte der Woche nicht mehr ausreicht. Deshalb verhandelt unsere Landesregierung bereits mit den nördlichen Bundesländern und Frankreich darüber, ob sie dann Intensivpatienten übernehmen können.

Einen Lockdown wird es nicht mehr geben, das haben die Spitzenpolitiker vor der Bundestagswahl versprochen. Ist das angesichts der aktuellen Entwicklung zu halten?

Beuß: Die Politik wird alles versuchen, einen weiteren Lockdown zu verhindern. Das heißt aber nicht, dass es nicht doch noch Einschränkungen und unter Umständen einen Lockdown für Ungeimpfte geben wird. Wir werden wohl mit weiteren Maßnahmen rechnen müssen, wenn die nächste Corona-Schutzverordnung von Baden-Württemberg kommt. Möglicherweise wird es dann für Ungeimpfte Ausgangsbeschränkungen geben.

Was bedeuten die bereits in Baden-Württemberg getroffenen Maßnahmen für das Kfz-Gewerbe?

Beuß: Die aktuellen Maßnahmen in der bestehenden Warnstufe belasten das Kfz-Gewerbe beziehungsweise den Einzelhandel nicht. Für Kunden gilt keine Testpflicht. Aber mit der Alarmstufe wird die Testpflicht für Ungeimpfte wieder eingeführt, voraussichtlich schon im Laufe der nächsten Woche. Schnelltests sollen dann allerdings ausreichen. Die kann der Kunde mitbringen oder vor Ort durchführen.

Mit welcher weiteren Entwicklung rechnen Sie?

Beuß: Die vierte Welle ist nicht so schnell zu brechen, auch weil die Politik jetzt nicht mehr mit ganz harten Maßnahmen kämpft. Das wird uns sicherlich noch Monate begleiten. Im Landkreis Biberach haben wir aktuell die Alarmstufe erreicht. Ungeimpfte können dort im Prinzip nicht mehr am öffentlichen Leben teilnehmen. Das hat auch Folgen für die Betriebe. Der Zutritt in Betriebskantinen oder die Teilnahme an Weihnachtsfeiern ist Ungeimpften nicht mehr möglich. Zudem müssen wir davon ausgehen, dass es bundesweit eine 3-G-Regel am Arbeitsplatz gibt. Dann müssen sich Mitarbeiter testen lassen. Die noch ungeklärten Fragen dazu müssen der Bundesgesetzgeber und die Ministerpräsidentenkonferenz dringend regeln, beispielsweise das Fragerecht der Arbeitgeber nach dem Impfstatus von Beschäftigten oder zur Kostentragung bei täglichen Tests.

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