Corona Droht auch Autohäusern jetzt ein harter Lockdown?

Autor: Doris Pfaff

Werden die Showrooms der Autohäuser wieder schließen müssen? Die Frage treibt Autohändler um. Mehrere Länder hatten angekündigt, einen harten Lockdown zu erwägen, um die weiter steigenden Corona-Infektionszahlen in den Griff zu bekommen. Der aktuelle Stand aus Branchensicht.

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Im Frühjahr hatten Autohäuser ihre Verkaufsräume mehrere Wochen lang schließen müssen.
Im Frühjahr hatten Autohäuser ihre Verkaufsräume mehrere Wochen lang schließen müssen.
(Bild: Autohaus Liliensiek)

Kommt der harte Lockdown, ja oder nein? Und wenn ja, wen trifft es? Angesichts der weiterhin steigenden Infektionszahlen diskutieren Bund und Länder darüber, ob der bereits seit Wochen bestehende Lockdown light nicht in einen harten Lockdown überführt werden muss.

Die Angst und Sorge treiben deshalb so manchen Autohändler um, wie es Hans-Peter Lange, Präsident vom Landesverband-Berlin-Brandenburg beschreibt: „Die Situation ist absolut angespannt. Es gibt gar nicht so viele Couches und Psychologen, wie wir sie jetzt gerade bräuchten.“ Die Unsicherheit darüber, was nun kommt, sei sehr groß.

Entsprechende Ankündigungen zu einem harten Lockdown gibt es unter anderem bereits aus Sachsen und Bayern. Auch NRW erwägt diesen Schritt. Konkrete Beschlüsse gibt es bislang nicht, dafür viel Raum für Spekulationen. Am Mittwoch hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel im Bundestag dafür appelliert, dem Rat der Leopoldina zum harten Lockdown zu folgen. Geschäfte und Schulen sollten bis zum 10. Januar geschlossen bleiben. Der Ferienstart sollte auf den 16. Dezember vorgezogen und die Geschäfte ab Weihnachten geschlossen bleiben.

Sachsen schließt, aber nicht den Autohandel

Zuständig sind jedoch die Länder. Sachsen hat bereits angesichts seiner extrem hohen Infektionszahlen angekündigt, ab dem kommenden Montag, 14. Dezember, die Regeln zu verschärfen und Schulen, Kitas und große Teile des Handels zu schließen. Der Kfz-Handel darf geöffnet bleiben.

Es gibt gar nicht so viele Couches und Psychologen, wie wir sie jetzt gerade bräuchten.

Hans-Peter Lange

Die neue Verfügung mit den Details dazu will der Freistaat Sachsen am Freitag bekannt geben. „Es ist aktuell sehr verwirrend, weil noch nichts Schriftliches vorliegt. Wir hoffen, dass der Autohandel weiter offen bleiben darf“, sagt Ralf Herrmannsdorf vom Landesverband Sachsen. Er selbst habe zumindest in seinem Autohaus die Devise ausgegeben, alles, was noch zugelassen werden muss, möglichst diese Woche noch zu erledigen.

Bayern ruft Katastrophenfall aus, NRW erwägt Lockdown

Wie Sachsen hat auch die Landesregierung Bayern eine Verschärfung angekündigt, einen Zehn-Punkte-Plan vorlegt und den Katastrophenfall ausgerufen. Das öffentliche Leben soll eingeschränkt, die Geschäfte aber grundsätzlich weiterhin geöffnet bleiben. In sogenannten Hotspots mit Inzidenzzahlen von mehr als 200 könnten die Einschränkungen aber auch den Handel betreffen, der nicht zur Deckung des täglichen Bedarfs beiträgt. Als Zeitraum nannte Bayerns Ministerpräsident Markus Söder den 24. Dezember bis 10. Januar.

Auch NRW erwägt einen harten Lockdown. Ministerpräsident Armin Laschet hatte sich am Mittwoch gegenüber Medien für einschneidende Maßnahmen ausgesprochen. Nach Weihnachten bis zum 10. Januar „sollten wir alles herunterfahren“, so Laschet.

Ob der Autohandel diesmal ausgenommen bleibt, ist völlig offen. Im Frühjahr musste der Autohandel fast bundesweit seine Verkaufsräume zunächst schließen, Kfz-Werkstätten durften weiterarbeiten. Noch vor vielen anderen Einzelhändlern durften die Autohäuser aufgrund der großen Verkaufsräume und deshalb gering eingeschätzten Infektionsgefahr nach fast fünf Wochen wieder öffnen. Daran knüpft sich auch jetzt die Hoffnung der Autohändler.

Doch selbst wenn der Autohandel ausgenommen wird, könnte der harte Lockdown zum Desaster bei den Fahrzeugzulassungen führen. Seit Wochen kämpft das Kfz-Gewerbe bei den einzelnen Behörden darum, ihre Ämter unbedingt auch zwischen den Jahren offen zu halten, damit die Berge der Zulassungen noch abgearbeitet werden können.

Unabhängig von der Corona-Pandemie ist die Lage in den Autohäusern auch wegen Eigenzulassungen aufgrund auslaufender Zulassungsfristen ohnehin angespannt. Wenn jetzt, wie im Frühjahr passiert, Ämter wegen eines Lockdowns wieder Wochen lang schließen, dürfte es sehr dramatisch werden.

Im Vergleich zu den Glühweinwanderwegen in den Kneipenvierteln der Städte sind unsere Autohäuser Oasen der Sicherheit

Jürgen Karpinski

Insbesondere das Auslaufen der Mehrwertsteuersenkung sorgt derzeit für Druck, weil die Kunden nur dann davon profitieren, wenn die Fahrzeugübergabe durch das Autohaus erfolgt. Dazu muss das Fahrzeug aber zugelassen sein.

Appell des ZDK zur Verlängerung der Mehrwertsteuersenkung ungehört

Um zumindest diesen Druck zu nehmen, hatte der Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) Ende November beim Bund um eine Verlängerung der Mehrwertsteuersenkung oder zumindest um Ausnahmeregelungen gebeten. So sollten noch bis einschließlich 31. Dezember 2020 bestellte Fahrzeuge auch dann noch mit dem geringeren Mehrwertsteuersatz belegt werden, wenn sie erst im neuen Jahr ausgeliefert werden können.

Händler und Kunden vertrauten darauf, dass diese Frist bis zum 31. Dezember genutzt werden könne. Bei einem faktischen Abbruch der Frist durch ein Verkaufsverbot für Autohäuser müssten sich Kunden und Betriebe durch die Politik massiv enttäuscht fühlen, erklärten ZDK-Präsident Jürgen Karpinski und sein Vizepräsident Thomas Peckruhn.

Schließlich sei die bis zum Jahresende befristete Absenkung der Mehrwertsteuer auf 16 Prozent gerade gegenüber dem Automobilhandel als Ersatz für die nicht gewährte Kaufprämie für moderne Verbrenner deklariert worden. Die ZDK-Bitte blieb bislang ungehört.

ZDK: Autohäuser sind keine Infektionsherde

In der Debatte über schärfere Lockdown-Maßnahmen mahnt der ZDK zur Besonnenheit. Autohäuser mit ihren vergleichsweise großen Verkaufsflächen und der verhältnismäßig geringen Zahl gleichzeitig anwesender Kunden trügen in keiner Weise zum aktuellen Infektionsgeschehen bei.

„Im Vergleich zu den Glühweinwanderwegen in den Kneipenvierteln der Städte sind unsere Autohäuser Oasen der Sicherheit“, so ZDK-Präsident Jürgen Karpinski. Die Mindestabstände zwischen Personen würden problemlos eingehalten, Hygieneregeln sorgfältig befolgt, es gebe hier weder Schlangestehen noch Gedränge an der Kasse.

Peckruhn: Aus den Fehlern des Frühjahrs lernen

Vizepräsident Peckruhn forderte, aus den Fehlern des Frühjahrs-Lockdowns zu lernen. Zwar seien auch damals die Kfz-Werkstätten zu Recht geöffnet geblieben, weil sie zur Aufrechterhaltung der Mobilität unverzichtbar und damit systemrelevant seien. Das gleichzeitig verhängte Verkaufsverbot habe aber in den Autohäusern bei Mitarbeitern und Kunden für großes Kopfschütteln gesorgt.

„Warum sich in ein und demselben Betrieb eine mit rot-weißem Flatterband gezogene Demarkationslinie zwischen dem Werkstattbereich und dem großen, gähnend leeren Verkaufsraum erstrecken muss, können Sie keinem Kunden erklären“, so Peckruhn. Die Diskussionen etwa darüber, ob Ersatzteile und Zubehör zwar eingebaut, aber nicht verkauft werden dürften, solle man nicht ohne Not erneut heraufbeschwören.

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Über den Autor

 Doris Pfaff

Doris Pfaff

Redakteurin bei »kfz-betrieb«, Ressort Verbände & Politik