Dubai Motor Show: Im Glanz der Extravaganz

Autor / Redakteur: sp-x / Christoph Seyerlein

Elektromobilität, alternative Mobilitätskonzepte, Nachhaltigkeit: nette Ansätze, die auf der Dubai Motor Show nicht interessieren. Stattdessen darf es pompös, teuer und abgedreht sein.

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Mehr als „reines Spaßgerät“ bezeichnet Gründer und Firmenchef Rashid Alshaali seinen selbstkonstruierten Shaali N360.
Mehr als „reines Spaßgerät“ bezeichnet Gründer und Firmenchef Rashid Alshaali seinen selbstkonstruierten Shaali N360.
(Bild: SP-X/Michael Specht)

Wer abends in den gängigen Szene-Vierteln von Dubai entlang der unzähligen Restaurants und Geschäfte flaniert, dem reicht ein Blick auf die Straße, um zu erkennen: Das Geld sitzt locker und der Sprit ist günstig. Es wimmelt von Edelkarossen, egal ob hochpreisige Sport- und Luxuswagen oder schwere SUVs. Sparen? CO2-Ausstoß? Interessiert hier niemanden. Sogar die Polizei in Dubai ist fürstlich ausgestattet und dürfte Beamte in anderen Ländern nur in blankes Staunen versetzen.

Die jüngste Errungenschaft heißt Rolls-Royce Wraith, den die Dubai Police stolz auf der diesjährigen Dubai Motor Show präsentiert. Und es ist beileibe nicht der einzige Zwölfzylinder. Zur Flotte der Ordnungshüter gehören ebenso ein Bentley Bentayga und ein Lamborghini Aventador. Für abseits des Asphalts steht unter anderem ein 700 PS starker Brabus G 700 zur Verfügung. Insgesamt umfasst der Polizei-Fuhrpark 25 Luxusgefährte.

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Mit entsprechenden Erwartungen schlendert der Besucher durch die Messehallen hinter dem World Trade Center. Natürlich sind auch die deutschen Automobilhersteller vertreten, zu wichtig sind die Staaten im Nahen Osten, zu hoch ist deren Kaufkraft. Doch präsentiert wird, was auch nicht schon in Frankfurt auf der IAA gezeigt wurde, sogar inklusive Elektromobilität. Obwohl letzteres hier kein Thema ist, Dubai aber über 54 Ladestationen verfügen soll – gesehen haben wir keine einzige. Das Hauptproblem ist nicht die geringe Reichweite der Stromer, sondern der permanente und obligatorische Einsatz der Klimaanlage. Bei Temperaturen zwischen 25 bis 45 Grad Celsius, wie sie zwölf Monate im Jahr hier herrschen, würde sie den Akku in null-komma-nichts leerlutschen.

Also besser gleich ein dicker Achtzylinder, mit Abstand der Lieblingsmotor in dieser Region der Welt, egal ob im neuen Inifiniti QX 80, der hier seine Weltpremiere feiert oder in den riesigen SUVs von Lincoln, Ford, Chevrolet, Cadillac, Toyota und Nissan. Bei Benzinpreisen von umgerechnet 45 Euro-Cent pro Liter schmerzt ein Verbrauch von 20 bis 25 Liter nicht wirklich.

Teuer, stark und exotisch

Zur Höchstform laufen auf der Dubai International Motor Show die Nischenanbieter auf – mit zum Teil abenteuerlichen Konstruktionen. Den Vogel abschießen dürfte hier der Devel 60. So nennt sich eine Art Wüstenpanzer, der auch die Hauptrolle in einem Science-Fiction-Film spielen könnte. Sechs Räder, sechs Sitze, 700 PS und jeden erdenklichen Luxus. Gebaut wird das Gefährt in den USA. Die optisch einem Spähpanzer ähnelnde Karosserie besteht komplett aus Karbon. Ende 2018 soll es angeblich mit einer Kleinserie losgehen. Preis? Mehrere Millionen Dollar. Genauer wollte es Firmengründer und Autosammler – über 300 Stück aus 100 Jahren – Majid Al Attar nicht sagen.

Ähnliche Zukunftspläne schmiedet Nael Alieh von W Motors. Sein Supersportwagen Lykan, was Werwolf heißen soll, kostet 1,4 Millionen Dollar. 100 Exemplare sollen insgesamt innerhalb der nächsten vier Jahre gefertigt werden, zunächst in Turin, später in Dubai. Unter der Karbon-Karosserie steckt ein Sechszylinder-Boxer vom Porsche-Veredler Ruf.

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