Prüfstandserkennung bei Diesel-Fahrzeugen DUH befeuert Ermittlungen gegen FCA

Autor: Jens Rehberg

Der Verein Deutsche Umwelthilfe (DUH) will drastische Abgas-Grenzwertüberschreitungen bei zwei Wohnmobilen auf Ducato-Basis gemessen haben. Nahezu zeitgleich buhlen Anwälte um entsprechende Kundschaft unter den betroffenen Wohnmobil-Fahrern.

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Die DUH mit ihrem Geschäftsführer Jürgen Resch hat das Dieselthema seit jeher spektakulär in Szene gesetzt.
Die DUH mit ihrem Geschäftsführer Jürgen Resch hat das Dieselthema seit jeher spektakulär in Szene gesetzt.
(Bild: Robert Lehmann / DUH)

Bei Straßenmessungen an zwei Wohnmobilen auf Ducato-Basis will die DUH eine bis zu zehnfache Überschreitung des Euro-5-Grenzwertes für NOx ermittelt haben. In einer aktuellen Pressemitteilung richtet DUH-Chef Jürgen Resch dramatische Vorwürfe an Fiat-Chrysler: „Wer ein Wohnmobil erwirbt, ist in der Regel ganz besonders an einer intakten Umwelt und an sauberer Luft interessiert – umso perfider ist es, wenn der Hersteller eine im normalen Straßenbetrieb nicht funktionierende Abgasreinigung verbaut.“

Bemerkenswert: Kurz nachdem die DUH ihre Pressemitteilung herausgegeben hatte, folgten die Erklärungen zweier Anwaltskanzleien, in denen die „schockierenden“ Messergebnisse zitiert werden verbunden mit der unverhohlenen Aufforderung an betroffene Wohnmobilfahrer, Fiat-Chrysler wegen vorsätzlicher sittenwidriger Schädigung zu verklagen.

Tatsächlich ermittelt die Frankfurter Staatsanwaltschaft derzeit wegen des Verdachts des gewerbsmäßigen Betrugs gegen Verantwortliche der Autohersteller Fiat-Chrysler und Iveco. Es geht um den Vorwurf, dass unzulässige Abschalteinrichtungen in Dieselfahrzeuge eingebaut wurden.

Bei den jetzt von der DUH untersuchten Wohnmobilen handelt es sich um einen Fiat Ducato 150 Multijet, Pilote G700G mit Erstzulassung Mai 2016 sowie einen Fiat Ducato 150 Multijet, Dethleffs T7150 mit Erstzulassung Mai 2015. Der Grenzwert für die als leichte Nutzfahrzeuge nach Euro 5 zugelassenen Wohnmobile liegt laut DUH bei 280 mg NOx/km.

FCA: DUH-Anschuldigungen unbegründet

Das Dethleffs-Wohnmobil habe im Durchschnitt aller durchgeführten Messungen NOx-Emissionen von 2.779 mg/km aufgewiesen und den entsprechenden Grenzwert damit um fast das Zehnfache überschritten. Das Pilote-Wohnmobil liege mit durchschnittlich 1.926 mg/km um den Faktor 6,9 über dem Grenzwert. Einen Spitzenwert von 2.639 mg NOx/km zeige das Fahrzeug bei Kaltstart mit geringer Abgasrückführungsrate. Beim Dethleffs-Wohnmobil lagen die Außentemperaturen bei den Messungen zwischen 6 und 8 Grad Celsius, beim Pilote-Wohnmobil zwischen 10 und 15 Grad Celsius. Keines der Fahrzeuge habe bei den Messungen eine Fehlermeldung gesendet.

Während der Pilote in Italien typgeprüft wurde, stammt die Typzulassung des Dethleffs vom deutschen KBA. Die DUH zieht das Fazit: „Diese hohen Abgasemissionen sind nur durch Abschalteinrichtungen zu erklären.“

Auf Anfrage von »kfz-betrieb« bezog FCA Deutschland am Montag Stellung zu den Vorwürfen: Die Annahme, dass angeblich illegale Abschalteinrichtungen in den in Deutschland verkauften Fiat-Dieselmotoren verwendet würden, sei aus Sicht des Importeurs unbegründet. „FCA arbeitet selbstverständlich in Deutschland mit den zuständigen Behörden zusammen und ist der Ansicht, dass sich die anhängigen strafrechtlichen Verdachtsmomente nicht bestätigen werden“, sagte ein Sprecher. Bisher sei FCA weder ein gegen sie selbst eingeleitetes Ordnungswidrigkeits-Verfahren bekannt noch habe FCA eine verbindliche Anordnung für Rückrufe durch das KBA erhalten.

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Stellv. Chefredakteur und Ressortleiter Newsdesk des »kfz-betrieb«