E-Autos hängen Wasserstofffahrzeuge ab

Professor und Händler Sven Strube spricht bei der Innung Salzgitter

| Autor: Holger Zietz

Blick in die Zukunft: Prof. Sven Strube (li.) und Gerhard Kunze, Obermeister der Kfz-Innung Salzgitter.
Blick in die Zukunft: Prof. Sven Strube (li.) und Gerhard Kunze, Obermeister der Kfz-Innung Salzgitter. (Bild: Zietz/»kfz-betrieb«)

In fünf Jahren wird sich die automobile Welt gravierend verändern. Im Wettbewerb um alternative Antriebe wird die Elektromobilität das Rennen machen und die Brennstoffzelle hinter sich lassen. Diese Einschätzung begründete Prof. Sven Strube von der Universität Ostfalia im Rahmen der Mitgliederversammlung der Kfz-Innung Salzgitter mit zahlreichen Argumenten. Er kennt nicht nur die Theorie, sondern auch die Praxis: In Salzgitter ist er gemeinsam mit Helmut Strube für ein VW-Autohaus verantwortlich.

Wollen die Hersteller die aus Brüssel gesetzten Klimaziele erfüllen, führt an der Elektromobilität kein Weg vorbei. Entsprechend müssen sie in den nächsten Monaten und Jahren die E-Fahrzeuge in den Markt drücken. Auch wenn der Preis zum Teil noch hoch ist: Laut Strube sollen sie durch die großen Verbrenner subventioniert werden. Deren Preis werde steigen, um die Elektrofahrzeuge im Preis sinken zu lassen. Die Massenproduktion werde die Preise weiter nach unten drücken.

Nach Strubes Einschätzung wird sich der Wasserstoffantrieb dagegen nicht durchsetzen. Für ihn sei ein Tankstellennetz zwingend erforderlich. Doch die hohen Investitionskosten würden Tankstellenbetreiber abschrecken. Zumal niemand garantieren könne, dass sich diese Antriebsart etabliere. „Strom ist einfacher ins Auto zu bekommen als Wasserstoff“, so der Ostfalia-Professor. Wasserstoff sei als Zwischenspeicher geeignet: Kommt es in verbrauchsarmen Zeiten zu Stromüberschuss, kann dieser in Form von Wasser gespeichert werden und bei Bedarf wieder zurückgewandelt werden.

Das Elektrofahrzeug kommt ohne Tankstellennetz aus. Geladen wird zu Hause und am Arbeitsplatz. Damit kommt solch ein Modell zunächst nur für Autobesitzer mit festem Stellplatz in Frage, wo eine Lademöglichkeit installiert werden kann. Ladepunkte müssen an Autobahnen für den Fernverkehr stehen. Bei Einkaufszentren oder Freizeiteinrichtungen könnten diese schnell zum Werbeargument für einen Besuch werden. Dagegen hält Strube Ladeeinrichtungen bei Autohäusern für überflüssig, denn schließlich kommt kein Kunde zum Aufladen extra ins Autohaus.

Nach Einschätzung des Professors wirkt sich der Wandel zum Elektrofahrzeug spürbar aus, wenn der Bestand an E-Fahrzeuge zunimmt. „Dann geht das Servicegeschäft entsprechend zurück.“ Für bestimmte Ersatzteile und natürlich für Öl gebe es dann keinen Bedarf mehr. „Bis zu einem Prozent der Umsatzrendite kann ein Händler dadurch verlieren“, ist Strube überzeugt. Sein Rat: „Investieren Sie nur noch so, dass es sich in fünf bis sieben Jahren amortisiert.“

Was sich zunächst auf den Markenhandel auswirkt, bekommen drei bis vier Jahre später auch freie Werkstätten zu spüren. Mit sinkenden Umsätzen brauchen die Betriebe auch weniger Mitarbeiter. „Durchsichten beim Elektroauto sind kürzer als beim Verbrenner“, so Strube.

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