„E-Autos kommen, aber nicht mehr bis 2020“

Autor / Redakteur: Andreas Grimm / Andree Stachowski

Der Durchbruch der E-Autos dauert noch, sagt Mobilitätsexperte Thomas Becker von Arthur D. Little. Dennoch sieht er einen Umdenkprozess, den der Handel nicht ignorieren darf.

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Thomas Becker ist Associate Director im Geschäftsbereich „Automotive and Mobility“ bei Arthur D. Little.
Thomas Becker ist Associate Director im Geschäftsbereich „Automotive and Mobility“ bei Arthur D. Little.
(Foto: ADL)

Redaktion: Die Bundesregierung hält das Ziel von einer Million Elektroautos im Jahr 2020 weiter hoch. Ist die Zahl noch realistisch oder nur eine politische Luftnummer?

Thomas Becker: Ziele sind nun einmal nicht dafür da, um regelmäßig nach unten korrigiert zu werden. Doch die Fakten sprechen für sich: Bis Ende 2014 wurden in Deutschland rund 24.000 Elektrofahrzeuge zugelassen. Im Soll standen zu diesem Zeitpunkt 100.000 Fahrzeuge, gemäß den Plänen der Nationale Plattform für Elektromobilität (NPE) zum Abschluss der „Marktvorbereitungsphase“. In den kommenden fünf Jahren müssten also pro Jahr etwa 200.000 Fahrzeuge hinzukommen. Das ist unter den gegebenen Rahmenbedingungen auch mit einer großen Portion Optimismus nicht leistbar.

Der Handel sieht sich von den Herstellern immer mehr genötigt, in die lahmende Elektromobilität zu investieren. Halten Sie das langfristig trotzdem für ein gut angelegtes Geld, sprich gibt es überhaupt eine Chance auf den Durchbruch der E-Mobilität und wann?

Man muss kein Umweltaktivist sein, um zu realisieren, dass das Zeitalter der Verbrennungsmotoren endlich ist. Elektromobilität aus grünem Strom ist die Zukunft der Mobilität. Beim Durchbruch der Elektromobilität ist es wie mit der Energiewende oder dem Autonomen Fahren – neben technischen Fragestellungen beeinflussen politische, rechtliche und wirtschaftliche Faktoren die Geschwindigkeit der Umsetzung. Daher ist es nicht möglich, eine verlässliche Vorhersage zur zeitlichen Realisierung zu treffen.

Ein Streitpunkt auf dem Weg zur Million ist die direkte finanzielle Förderung des E-Autokaufs. Sind finanzielle Anreize aus Ihrer Sicht richtig und notwendig?

Norwegen als Vorreiter in Europa hat gezeigt, dass durch zusätzliche Marktanreize die Elektromobilität sowohl bei Flottenkunden als auch privaten Kunden durchschlagen kann. Ein Preis von über 70.000 Euro für einen Tesla S schreckt den Norweger beispielsweise nicht von der Anschaffung dieses Elektromobils ab, wenn die Rahmenbedingungen wie Kaufanreize, Reichweite und Infrastruktur stimmen. In den Niederlanden hat der Staat ein Ladesystem mit einem einheitlichen Zugangssystem (Roaming) durchgesetzt. Das ist eine wichtige Voraussetzung, um als Kunde auch außerhalb der Ballungsräume an Strom zu kommen. China subventioniert die Anschaffung eines elektrischen Fahrzeugs mit bis zu 7.000 Euro.

Für die Städte und Metropolen sehen selbst Skeptiker einen nennenswerten Markt für E-Autos. Aber wie sieht die E-Zukunft im ländlichen Raum aus?

Das ist richtig. Die zunehmende Urbanisierung, ewige Staus, Lärm- und Abgasbelastung der Autos erfordern intelligente Mobilitätskonzepte in den Metropolen. In den Lösungskonzepten spielt die Elektromobilität eine bedeutende Rolle. Allerdings sind Reichweiten von 50 bis 80 km innerstädtisch völlig ausreichend. Auf dem Land braucht es ein flächendeckendes Netz an Ladestationen wie beim Ausbau der Mobilfunknetze in Deutschland. Tesla hat bereits 80 Schnellladestationen über Deutschland verteilt. Auch die Förderpläne der Bundesregierung sehen vor, Ladestationen entlang des deutschen Autobahnnetzes zu installieren. Für längere Distanzen könnten auch Brennstoffzellenfahrzeuge eine echte Alternative darstellen, da sie kurze Tankzeiten mit längeren Reichweiten kombinieren. Hier sind Energieeffizienz sowie Anschaffungspreise jedoch kritisch zu beurteilen.

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Über den Autor

 Andreas Grimm

Andreas Grimm

Fachredakteur Management & Handel, Redaktion »kfz-betrieb«