ZDK-Wirtschaftstreff E-Mobilitätsförderung in der Kritik

Autor: Doris Pfaff

Durch die Pandemiebekämpfung des Bundes nimmt die Volkswirtschaft gerade schweren Schaden. Ökonomieexperte Michael Grömling informierte den ZDK über die Auswirkungen der Coronakrise und stellte die aktuelle Konjunkturpolitik infrage.

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Michael Grömling, Professor am Kölner Institut für Wirtschaft, informierte die Mitglieder des ZDK-Wirtschaftsausschusses und der Fachgruppe Fabrikatsvereinigung über die aktuelle Lage der globalen und nationalen Wirtschaft.
Michael Grömling, Professor am Kölner Institut für Wirtschaft, informierte die Mitglieder des ZDK-Wirtschaftsausschusses und der Fachgruppe Fabrikatsvereinigung über die aktuelle Lage der globalen und nationalen Wirtschaft.
(Bild: Pfaff/»kfz-betrieb«)

Mit den Auswirkungen der Coronakrise auf die deutsche Wirtschaft haben sich der ZDK-Ausschuss Wirtschaft und die Fachgruppe Fabrikate in einer gemeinsamen Onlinesitzung beschäftigt. Auf Einladung der Vorsitzenden Mark Scherhag (Ausschuss Wirtschaft) und Thomas Peckruhn (Fachgruppe Fabrikate) bot Michael Grömling vom Kölner Institut der deutschen Wirtschaft einen Überblick über die aktuelle Lage und einen Ausblick auf die Zukunft.

Der Leiter der Forschungsgruppe für gesamtwirtschaftliche Analysen und Konjunktur war nicht zum ersten Mal Gast in dieser Runde. Doch vor dem Hintergrund der aktuellen Corona-Beschlüsse wurde seine Einschätzung mit besonders großer Spannung erwartet.

Über die Erfahrungen, für Kunden nach Terminabsprache zu öffnen, konnte Mark Scherhag als Geschäftsführer eines Autohauses in Rheinland-Pfalz aus erster Hand berichten. „Es gab keinen Kundeneinfall aus anderen Bundesländern und keine Kundenschwemme“, sagte er. Aber erstmals seit Monaten konnten die Mitarbeiter überhaupt wieder jemanden im Autohaus begrüßen. Diese Möglichkeit habe für ein Aufatmen im Handel gesorgt. „Aber wir brauchen noch lange, um das Vorkrisenniveau zu erreichen. 2021 wird sicherlich kein Autojahr“, betonte Scherhag.

2021 wird kein Autojahr

Im Prinzip stimmte ihm Michael Grömling zu. Dieser erklärte, der pandemiebedingte Einbruch der Wirtschaft sei drastisch. Er treffe auf eine ohnehin schon bestehende Rezession. Deren Ursache sei der Strukturwandel, ausgelöst durch den Klimawandel, einer geänderten Energiewirtschaft, geopolitischen Spannungen, geografischen Entwicklungen, veränderte Geschäftsmodelle und digitalisierte Arbeitsprozesse. Die Coronakrise sei da obendrauf gekommen.

Dennoch, im Vergleich mit der Krise 2008/2009 habe sich 2020 zumindest die Weltwirtschaft laut Grömling diesmal erstaunlich schnell erholt. Nach der Finanzkrise habe sie 20 Monate gebraucht, um an das Vorkrisenniveau anzuknüpfen. Das sei diesmal trotz der noch anhaltenden Pandemie jetzt schon nach sechs Monaten geschafft worden.

Aber die gute Perspektive für die Weltwirtschaft für 2021 wirkt sich offenbar nicht in gleicher Weise auf die nationale Volkswirtschaft aus. „Wir erwarten keine baldige spürbare Verbesserung, wir müssen noch weite Wege gehen“, prognostizierte Grömling. Die Belastungen für die einzelnen Branchen seien zu unterschiedlich. Während sich die Industrie sehr viel schneller erhole, sei die Stimmung im Dienstleistungssektor, der 70 Prozent der deutschen Volkswirtschaft ausmache, sehr gedämpft.

Sorgen mache vor allem das Investitionsniveau, das ebenfalls eingebrochen sei und nur leichte Erholungstendenzen zeige. Bis an das Vorkrisenniveau auch bei der Produktion und beim Arbeitsvolumen angeschlossen werden könne, dauere es noch ein bis zwei Jahre. „Daran wird jetzt auch die Öffnungsstrategie nichts ändern“, machte Grömling keine Hoffnungen.

Grömling: Politik muss auch die volkswirtschaftlichen Auswirkungen im Blick haben

Der Wirtschaftswissenschaftler erkannte an, dass die bisherigen Maßnahmen der Politik Erfolge bei der Bekämpfung der Pandemie brächten. Aber die volkswirtschaftlichen Schäden seien enorm. Die dürfe die Politik bei ihren Maßnahmen nicht außer Acht lassen und müsse zweispurig fahren. Sie müsse Maßnahmen treffen, um die Pandemie einzudämmen und um der Wirtschaft zu helfen, den Strukturwandel erfolgreich vollziehen zu können.

Weil besonders die Autobranche unter dem Strukturwandel leide, bat Christoph Konrad, Leiter des ZDK-Hauptstadtbüros, den Wirtschaftsexperten um eine Einschätzung, ob das derzeitige Tempo der Politik, die Elektromobilität voranzubringen, sinnvoll sei. Die Antwort des Experten war deutlich: Eigentlich müsse eine Konjunkturpolitik die bestehende Wirtschaft stützen. Das sei aber in der Corona-Pandemie nicht passiert. Die Politik habe die Krise zum Anlass genommen, den Strukturwandel beziehungsweise die Energiewende durch massive Förderungen zugunsten der Elektromobilität zu beschleunigen. Grömling: „In einer Konjunkturkrise kann man nicht mit einer Maßnahme zwei Probleme lösen.“

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Über den Autor

 Doris Pfaff

Doris Pfaff

Redakteurin bei »kfz-betrieb«, Ressort Verbände & Politik