Fahrbericht DS 4 Ein Franzose aus Deutschland

Autor / Redakteur: sp-x / Marie Lücke

Mit dem DS 4 will die PSA-Edeltochter französisches Flair in die Premium-Kompaktklasse bringen. Dabei helfen viele Assistenten und vielleicht auch der Produktionsstandort.

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DS glaubt fest an eine erfolgreiche Rolle des DS 4 in der kompakten Autowelt.
DS glaubt fest an eine erfolgreiche Rolle des DS 4 in der kompakten Autowelt.
(Bild: DS)

DS greift mit dem aufwendig gestylten Neuling DS 4 in der umkämpften Golf-Klasse an. Der Fünftürer zeigt außen wie innen viel Liebe zum Detail und will auch dank seines prallen Pakets an bestellbaren Assistenzsystemen die Lücke zur Premiumklasse schließen. Das gilt auch für die Preise von 28.900 bis hin zu 52.500 Euro für den 165 kW/224 PS starken Plug-in-Hybrid-Antrieb in der Top-Ausstattung La Premiere.

Der DS 4 endet nicht wie die meisten Kompakten mit einem mehr oder weniger steilen Heck, er kommt eher wie ein sorgfältig gezeichnetes SUV-Coupé mit schmalem Rückfenster daher. Falze und scharfe Karosserielinien entfalten erst mit etwas optischem Abstand ihre stimmige Wirkung. Deutlich glatter dagegen die Front mit dem dreidimensionalen Grill im Diamanten-Look, den steil abwärts ragenden Tagfahrleuchten und den schmalen LED-Matrix-Augen.

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Ein unverwechselbares Auto wollten die Pariser Blechkünstler auf die bis zu 20 Zoll großen Räder stellen. Allerorten können pfiffige Details entdeckt werden, wie das Heckfenster, das dank Emaillierung im Siebdruckverfahren je nach Blickrichtung ein Rautenmuster erkennen lässt. Oder die versenkten Türgriffe, die sich bei Berührung nach außen schieben. Und ein DS-Logo, dass sich in der schwarzen Verkleidung der C-Säule versteckt.

Im Innenraum ziehen sich gesteppte Nähte durchs Nappa-Leder, Zierleisten aus Eschenholz oder Lüftungsdüsen, die durch eine an ein liegendes Schwert erinnernde Leiste verdeckt werden. Zwei optisch ineinander übergehende Bildschirme im Armaturenbrett werden durch einen kleinen Monitor ergänzt, auf dem per Wischbewegung mit den Fingerspitzen das Infotainment-Paket und mehr gesteuert werden kann.

Drei Benziner, ein Diesel und ein Hybrid

Der DS4 lebt bis auf eine Ausnahme noch in der alten Welt der Verbrenner. Zur Wahl stehen drei Benziner von 96 kW/130 PS bis 165 kW/224 PS. Hartnäckige Diesel-Fans dürfen sich über einen 1,5-Liter-Diesel mit 96 kW/130 PS freuen. Unser Test-DS aber passt sich dem Zeitgeist seines futuristischen Ambientes an und setzt zumindest teilweise aufs Elektrische.

Beim ersten Druck auf den Startknopf bleibt es still, elektronische Anzeigen flimmern die Startbereitschaft. Beim Losfahren surrt ein Elektromotor los und sorgt sofort für das E-typische, ruckfreie Fortkommen. Eine vertraute Klangkulisse liefert der DS erst, wenn das rechte Pedal Druck bekommt und sich der 1,6-Liter-Turbobenziner mit seinen 133 kW/181 PS in die Antriebsarbeit einmischt.

Im Stadtverkehr läuft das Wechselspiel der beiden Herzen automatisch ab, je nach Stimmung oder Zeitdruck des Menschen hinterm Lenkrad. Die 12,4 kWh-Batterie versorgt den E-Motor und ermöglicht nach Knopfdruck rein elektrisches Fahren. Für bis zu 55 Kilometer kann er das bei sanftem Umgang auch außerhalb eines Prüfstandes durchhalten.

Wenn es dann außerorts flotter zur Sache geht, paktieren beide Kraftquellen und bieten eine Systemleistung von 165 kW/225 PS. Aus dem DS wird ein sportlicher Kompakter, der sich auf freier Strecke sogar auf bis zu 233 km/h bringen ließe. Hetzerei fordert aber die Batterie so heftig, dass sich das saubere Fahren schnell erledigt. Also werden alte Hybrid-Hasen statt Bleifuß eher der Gelassenheit frönen. Und dabei über die vielen technischen Leckerbissen staunen.

Großes Angebot an Extras

Mit seinem dicken Paket an Assistenzsystemen schiebt sich der DS 4 in die Spitzengruppe der Kompakten, ist damit zumindest in dieser Disziplin schon beim Premium angekommen. Ob ein Infrarot-Nachtsicht-System, das 200 Meter vorausschaut, oder ein Head-Up-Display, das Informationen und Warnungen deutlich größer als gewohnt in die Windschutzscheibe spiegelt.

Bisher nur aus teuren Karossen bekannt ist das nach vorne schauende Radarauge, das Unebenheiten wie Bodenwellen oder asphaltierte Tempobremsen aufspürt und dem elektronischen Fahrwerk befiehlt, die Dämpfer jedes Rades auf abrupte Stöße und Schläge einzustellen. Als Mercedes vor Jahren dieses System bei der S-Klasse eingeführt hat, wurde es mit einem Fahrgefühl wie auf einem „fliegenden Teppich“ beschrieben. Auf die Stuttgarter Luftfederung muss man im DS 4 naturgemäß aus Kostengründen verzichten. Bei ihm sorgt Feinarbeit am Abstandsradar und an der aktiven Spurhaltung jetzt dafür, dass halbautomatisches Fahren in bestimmten Situationen möglich ist.

Die firmeneigenen Verkäufer stehen jetzt in der Pflicht, ihren Kunden all diese Highlights zu erklären und sie damit zum entsprechenden Häkchen in der Preisliste zu verleiten. Das Problem dürfte sein, dass sich viele der gepriesenen Extras in Paketen und diversen Ausstattungslinien verstecken und dadurch Dutzende Möglichkeiten von Kombinationen offerieren. Das Ganze kann schnell preislich ausufern, wenn die Begehrlichkeiten zur Freizügigkeit animieren. Den alten Trick der Premiumhersteller mit dem Überangebot an Extras hat jetzt auch der Emporkömmling aus Paris für sich entdeckt.

Made in Germany

Letztlich wird mit Ausnahme des Einstiegsmodells (Dreizylinder-Benziner, 96 kW/130 PS) fast jeder DS 4 die Marke von 40.000 Euro ins Visier nehmen, bei voller Bestückung noch deutlich darüber liegen. Ob die klassischen Kunden eines 4,40 Meter langen Kompaktmodells da mitgehen? DS glaubt fest an eine erfolgreiche Rolle des Adonis im Haifischbecken der kompakten Autowelt. In Deutschland könnte das „Made in Germany“ mithelfen. Der DS 4 läuft in Rüsselsheim beim Stellantis-Partner Opel vom Band und soll wie der neue Astra ab 2024 auch mit den Segnungen eines reinen E-Antriebs geweiht werden.

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