Ein Reifenwechsel unter besonderen Bedingungen

ZDK-Kampagne war von langer Hand geplant – aber unter anderen Vorzeichen

| Autor: Doris Pfaff

Insgesamt 26 Lkw werben aktuell auf den bundesdeutschen Straßen mit einem Plakat für den Reifenwechsel.
Insgesamt 26 Lkw werben aktuell auf den bundesdeutschen Straßen mit einem Plakat für den Reifenwechsel. (Bild: Initiative Reifenqualität)

„Sommerreifen im Sommer! Winterreifen im Winter!“ Seit ein paar Wochen rollen 26 Lkw quer durchs Land und werben für den saisonalen Reifenwechsel. Die gemeinsame Plakataktion der Initiative Reifenqualität unter Beteiligung des Kraftfahrzeuggewerbes war lange vor der Corona-Krise auf den Weg gebracht, auch andere Werbeaktionen sind gestartet. Inzwischen stimmen die Temperaturen, das Geschäft mit dem Reifenwechsel könnte also auf Hochtouren laufen.

Keine Frage, bedingt durch die aktuelle Situation mit Kontaktverbot und Ausgangsbeschränkungen wird der Reifenwechsel diesmal zur Herausforderung für Kunden und Betriebe. Inzwischen haben die Werkstätten weitgehend freie Hand, sofern sie die Hygienemaßnahmen und den Mindestabstand einhalten können. Auch in Bayern dürfen Autofahrer mittlerweile zum Reifenwechsel – trotz der geltenden Ausgangsbeschränkung. Deshalb läuft in vielen Werkstätten der Betrieb unter den hygienischen Auflagen weiter, sofern Kurzarbeit sowie durch Krankheit oder Kinderbetreuung fehlende Mitarbeiter dies erlauben.

Ein verschobenes Geschäft

Alles in allem sind das nicht die Rahmenbedingungen, unter denen sonst die Kfz-Betriebe für Millionen von Autofahrern den Räderwechsel durchführen. „Es wird auch wieder anders werden und es gibt ein Licht am Ende des Tunnels“, sagt Arne Joswig vom ZDK-Vorstand. Das Reifengeschäft gehe der Branche schließlich nicht verloren. Es werde verschoben, denn viele Kunden hätten die Sommerräder in den Autohäusern und Werkstätten eingelagert. Wenn nicht im April, dann würden die Winterreifen notfalls noch Ende Mai gewechselt. Die Lkw-Plakataktion konnte der ZDK kostenfrei bis Mitte Mai verlängern.

Laut Joswig müssten die Werkstätten jetzt Prioritäten setzen: „Reparaturen sind vorrangig. Das erfordert aber eine vernünftige Kommunikation mit dem Kunden. Wenn Werkstätten Kapazitäten haben, sollten sie diese auch ausschöpfen und die Situation nutzen.“ Die forcierte Online-Kommunikation und der Kundenkontakt über Smartphone und E-Mail schaffe außerdem die Möglichkeit für die Betriebe, die Kundendateien zu aktualisieren. „So leicht wie jetzt kommt man nicht mehr an die Daten“, glaubt Joswig.

Räder-Samstage sind jetzt tabu

Derzeit nicht durchführbar seien etwa spezielle Räderwechsel-Samstage, wie es sie sonst gäbe. Wenn jetzt Termine ausgemacht werden, rät Joswig, ausreichend Zeit einzuplanen, um Warteschlangen zu vermeiden. Außerdem: „Mehr Zeit für den einzelnen Kunden bietet auch die Chance, ihn zum Freund zu machen. Wenn weitere Dinge am Fahrzeug nötig sind, dann ist das der Moment, sie mitzumachen oder Nachfolgetermine zu vereinbaren.“ In der Regel zeigten die Kunden Verständnis. Oftmals helfe es, ihnen Termine zu einem späteren Zeitpunkt zu geben, selbst wenn diese noch mal verschoben werden müssten. „Mit einem Termin, selbst wenn der weit im Voraus ist, sind die meisten Kunden schon zufrieden“, erklärt Joswig.

Ähnlich bewertet auch Bundesinnungsmeister Wilhelm Hülsdonk die Situation. „Beim Reifengeschäft geht uns jetzt nichts verloren. Es verschiebt sich einfach.“ Hierbei sehe er kein wirtschaftliches Risiko, wenn auch ansonsten die Situation prekär sei und von der Branche einen Spagat verlange. Einerseits wollen die Betriebe den Kundenkontakt, andererseits gilt es, den Kunden im Rahmen der Hygienevorschriften nun möglichst auf Abstand zu halten. Wenn Betriebe kontaktarm Sommerreifen aufziehen könnten und nicht ausgelastet sind, dann sollten sie das auch tun“, meint Hülsdonk.

„Aber wir müssen uns auch klar machen, dass die Kfz-Betriebe in der jetzigen Situation privilegiert sind und Verantwortung für das öffentliche Leben tragen“, betont er. Die Werkstätten dürften nicht ihre Kapazitäten für Reifenwechsel voll ausschöpfen, sondern müssten weiterhin auch wichtige Reparaturen durchführen können. „Sonst würden wir auch unsere Glaubwürdigkeit verlieren“, so der Bundesinnungsmeister.

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