Pilotverhandlungen Einigung auf neuen Metall-Tarifvertrag

Autor / Redakteur: dpa / Andreas Grimm

Nach einigem Ringen haben sich die Tarifparteien in Nordrhein-Westfalen auf einen neuen Tarifvertrag in der Metall- und Elektroindustrie verständigt. Die Kfz-Branche hat zwar eigene Verträge, der Abschluss bannt aber die Gefahr größerer Ausfälle in der Warenbelieferung.

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Die Autoindustrie kommt wohl um gößere Streiks herum: In Nordrhein-Westfalen haben sich die Tarifparteien auf einen neuen Tarifvertrag geeinigt.
Die Autoindustrie kommt wohl um gößere Streiks herum: In Nordrhein-Westfalen haben sich die Tarifparteien auf einen neuen Tarifvertrag geeinigt.
(Bild: gemeinfrei / Pixabay )

Im Tarifkonflikt der Metall- und Elektroindustrie gibt es eine Einigung auf einen neuen Tarifvertrag. Arbeitgeber und IG Metall vereinbarten am Dienstagmorgen für die Betriebe in Nordrhein-Westfalen eine Corona-Prämie sowie jährlich wiederkehrende Sonderzahlungen, wie beide Seiten mitteilten. Die Einigung gilt als Pilotabschluss, dessen Kernbestandteile voraussichtlich in den anderen Regionen übernommen werden.

Den Angaben zufolge erhalten die rund 700.000 Beschäftigten in NRW im Juni 2021 eine einmalige Corona-Beihilfe von 500 Euro. Die neue Sonderzahlung wird erstmals im Februar 2022 in Höhe von 18,4 Prozent eines Monatsentgelts ausgezahlt. Zum Februar 2023 steigt diese Sonderzahlung auf 27,6 Prozent des Monatsentgelts und fällt dann jährlich an. Der neue Tarifvertrag gilt rückwirkend zum 1. Januar 2021, hat eine Gesamtlaufzeit von 21 Monaten und endet am 30. September 2022.

Namentlich in Nordrhein-Westfalen hat der Abschluss zunächst keine direkte Wirkung auf die Kfz-Werkstätten und Autohäuser. Dort hatten sich bereits im Februar die Arbeitgebervertreter des nordrhein-westfälischen Kfz-Gewerbes und die Christliche Gewerkschaft Metall (CGM) darauf verständigt, die Entgelte und Ausbildungsvergütungen ab März 2021 zu erhöhen. Ein Arbeitskampf in der Metall- und Elektroindustrie birgt aber immer die Gefahr gestörter Lieferketten für die Kfz-Branche, dass also Ersatzteile nicht verfügbar sind oder Autos verspätet produziert und geliefert werden.

Der nordrhein-westfälische Bezirksleiter der IG Metall, Knut Giesler, bezeichnete die Einigung als „richtungsweisendes Ergebnis“. Mit dem Abschluss bestehe die Möglichkeit, „eine Arbeitszeitverkürzung bei Beschäftigungsproblemen ohne wesentlichen Entgeltverlust zu finanzieren, wenn die Betriebsparteien sich darauf im Rahmen einer freiwilligen Betriebsvereinbarung verständigen“. Das Geld aus der Einmalzahlung und aus anderen Tarifelementen könnte dazu verwendet werden, die Arbeitszeit auf eine 4-Tage-Woche zu verkürzen.

Der Präsident des Verbandes der Metall- und Elektroindustrie Nordrhein-Westfalen, Arndt G. Kirchhoff, bezeichnete den Tarif-Kompromiss als „ein von Fairness, Vernunft und Weitsicht geprägtes Ergebnis in einer außergewöhnlich schwierigen Wirtschaftslage“. Für die Unternehmen sei wichtig, dass sie „wie schon im Jahr 2020 auch im Jahr 2021 keine Erhöhung der Tabellenentgelte verkraften müssen“. Zudem sei mit der IG Metall für das laufende Jahr erstmals ein automatisch wirksamer Entlastungsmechanismus für krisenbetroffene Betriebe vereinbart worden.

Ein weiterer Baustein des Verhandlungsergebnisses ist laut Gewerkschaft ein Tarifvertrag „Zukunft, Wettbewerbsfähigkeit und Beschäftigungssicherung“. Er schaffe einen Rahmen für firmenbezogene Verbandstarifverträge zur Gestaltung der Transformation in der Metall- und Elektroindustrie. Kirchhoff sagte, dieser Tarifabschluss biete den Firmen „einen unbürokratischen und einfach umsetzbaren“ tariflichen Rahmen für betriebliche Regelungen zur Beschäftigungssicherung und die Begleitung von Transformationsprozessen.

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