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Einseitiger Fokus auf E-Mobilität kostet Milliarden

Autor: Christoph Baeuchle

Trotz der derzeitigen Vorfahrt für die E-Mobilität sind die Vorteile der Brennstoffzelle nicht von der Hand zu weisen. Eine unabhängige Untersuchung fordert nun, beim Ausbau der Tank- und Ladestellen zweigleisig zu fahren.

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Laut einer Studie könnte durch den Ausbau von Wasserstoff Milliarden eingespart werden.
Laut einer Studie könnte durch den Ausbau von Wasserstoff Milliarden eingespart werden.
(Bild: Daimler)

Statt den Fokus zu sehr auf die Elektromobilität zu richten, sollte die Politik gleichzeitig den Ausbau der Wasserstoffinfrastruktur vorantreiben. Denn so lässt sich bei der Verkehrswende kräftig sparen: Um bis zu sechs Milliarden Euro könnten die Infrastrukturkosten sinken, wenn die bis 2050 geplanten rund 40 Millionen Nullemissions-Pkws je zur Hälfte mit Batterien und Brennstoffzellen betrieben werden.

So lautet ein Ergebnis einer von der ADAC-Stiftung geförderten Studie, die das Fraunhofer-Institut gemeinsam mit der Ludwig-Bölkow-Systemtechnik verfasst hat. Demnach sind für die Kosteneinsparungen vor allem Größenvorteile entscheidend: Für batteriebetriebene Fahrzeuge müssten viele einzelne Ladepunkte eingerichtet werden. Das Tanken von Wasserstoff wäre dagegen an weniger, dafür aber größeren und kosteneffizienten Tankstellen möglich.

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Eine offene Frage ist zudem, ob unsere Stromnetze der Zusatzbelastung standhalten können und wo in die Infrastruktur investiert werden muss. Denn Elektromobilität soll nicht nur in Ballungsräumen möglich sein, sondern auch in Kleinstädten und im ländlichen Raum.

„In Kleinstädten, den großstädtischen Speckgürteln und im ländlichen Bereich muss mehr investiert werden. Hier wird die Zunahme des Strombedarfs durch Batterie-Pkw noch stärker spürbar sein“, erläutert Werner Zittel, Vorstand der Ludwig-Bölkow-Stiftung, ein Ergebnis der Studie. Eine Vielzahl an Berufspendlern, für die E-Mobilität attraktiv sein dürfte, werde zudem das Netz mehr als bisher in Anspruch nehmen. Zudem sind die Netze in der Peripherie und auf dem flachen Land schwächer ausgebaut, da hier Betrieben mit großem Tagesstromverbrauch oft fehlen.

Die Brennstoffzelle ist der Studie zufolge eine perfekte Ergänzung zur Batterie-Technologie, weil diese Technologie zusätzliche Engpässe im Stromverteilnetz vermeidet. Der Hauptausbaubedarf für Stromverteilnetze würde durch den parallelen Ausbau und die Nutzung von Wasserstoff zeitlich nach hinten verschoben und verringert werden, so Zittel weiter. Die Studie empfiehlt daher den Ausbau der Infrastruktur für Strom und Wasserstoff rechtzeitig und koordiniert voranzutreiben.

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