Elektrifiziertes London-Taxi soll europäische Metropolen erobern

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Bis Ende 2020 sollen 9.000 Londoner Taxen diesen Anspruch erfüllen und den Gesamt-Londoner Stickoxidausstoß um 3,5 Prozent senken, während die Feinstaubbelastung um 4,5 Prozent abnehmen soll. 50 Kilometer elektrische Reichweite – das ist mit der Plug-in-Hybridtechnik möglich, doch daran wollte sich Englands klassischer Taxiproduzent nicht beteiligen. Nachdem Geely die London Taxi Company übernommen hatte, sei intensiv über den richtigen Weg der Elektrifizierung nachgedacht worden. 300 Millionen Pfund flossen in die Neukonstruktion des Wagens und in eine neue Fabrik, und nun steht da – eigentlich eine alte Idee.

Erfolgreicher E-Antrieb braucht Infrastruktur

Tatsächlich wurde schon 2009 bei General Motors ein Elektro-Pkw mit sogenanntem Range Extender vorgestellt. Genau wie in den damaligen Schwestermodellen Chevrolet Volt und Opel Ampera ist auch im neuen London Taxi TX5 neben dem Elektromotor ein Benzinmotor untergebracht. Der 1,5 Liter große Dreizylinder von Volvo treibt nicht das Taxi selbst an, sondern einen Generator, der wiederum unterwegs die Batterien laden kann. Die Kraft für die Fahrt stellt allein der Elektromotor bereit, der mit 110 kW/150 PS Höchstleistung und 255 Newtonmetern Drehmoment aufwartet.

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„Auf diese Weise kann das Taxi unter voller Beladung 130 km/h schnell fahren und ist damit absolut langstreckentauglich“, sagt Carl-Peter Forster. Im Taxi-Alltag ist diese Eigenschaft wichtig, wenn man mal einen Fahrgast aus der City zum Flughafen Heathrow zu bringen hat. Je nach Strecke sind das 50 bis 80 Kilometer für Hin- und Rückweg, und dann wäre die Elektro-Reichweite von 130 Kilometern schon zu einem guten Teil aufgezehrt.

Überzeugen wollen Forster und Chris Gubbey, Vorstandschef des Taxi-Bauers, die Taxi-Unternehmer über den Preis. Erstens muss das Elektrotaxi nicht alle 12.000 Kilometer zur Inspektion, sondern alle 25.000. Zweitens gibt es eine Fünfjahres-Garantie auf die Akkus, ohne Kilometerbegrenzung. Und drittens, so Chris Gubbey, „spart man im Monat etwa 450 Euro Kraftstoffkosten“. Das ist allerdings auf englische Strompreise bezogen, für Deutschland mit seiner vergleichsweise teuren Energiewende muss die Rechnung noch angestellt werden.

Trotzdem hat das Konzept noch einen Haken: Die Elektro-Taxis brauchen, sofern sie ihren Besitzern Freude machen sollen, ein dichtes Netz aus Schnellladestationen. Für London fordert der Taxi-Hersteller 150 solcher Ladepunkte bis Ende dieses Jahres und 300 bis 2020. „Nur eine solche Dichte“, heißt es in einem LCEV-Prospekt, „würde es TX-Fahrern erlauben, den Elektroantrieb eine ganze Schicht lang zu nutzen.“ Außerdem verlangt LCEV einheitliche Ladegeräte sowie ein ebenso einheitliches Bezahlsystem. Beteiligen will sich der Hersteller am Aufbau dieser Infrastruktur allerdings nicht, das bleibe Aufgabe der Stromkonzerne oder der öffentlichen Hand.

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