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Elektro-Strategie: Nissan kündigt Händlern

Autor / Redakteur: Andreas Grimm / Andreas Grimm

In der Strategie von Nissan sind Elektrofahrzeuge ein wichtiger Baustein. Doch einige Händler wollen diesen Weg nicht mitgehen. Nun müssen sie aus dem Nissan-Vertriebsnetz ausscheiden.

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Das Nissan-Händlernetz muss auf 15 weitere Händler verzichten. Sie wollen die Elektrostrategie des Herstellers nicht mitgehen.
Das Nissan-Händlernetz muss auf 15 weitere Händler verzichten. Sie wollen die Elektrostrategie des Herstellers nicht mitgehen.
(Foto: Grimm)

Nissan Center Europe (NCE) trennt sich im Zuge der Intensivierung des Vertriebs von Elektromobilen von 15 deutschen Händlern. Sie wollten nicht in die vom Importeur geforderten Standards investieren, die derzeit für den Leaf-Vertrieb und generell für die kommenden Elektrofahrzeuge nötig sind. Die ordentlichen Kündigungen würden zum 1. Dezember ausgesprochen, so dass die Betriebe zum 31. Dezember 2014 aus dem Vertriebsnetz ausscheiden werden, sagte NCE-Geschäftsführer Vincent Wijnen am Freitag in einer Telefonkonferenz.

Dahinter steckt die Entscheidung von Nissan, den Leaf und die weiteren, noch kommenden Elektromobile – unter anderem die Elektrovariante des NV200 – als Kernkompetenz des Herstellers zu positionieren. Nissan setzt darauf, dass der Elektroantrieb signifikante Marktanteile erobern wird. „Wir wollen mit unseren Händlern darauf vorbereitet sein“, so Wijnen. Weltweit hat der Autobauer bisher 43.000 Leaf verkauft, davon 6.300 in Europa. Auf Deutschland entfallen davon 411 Einheiten, dahinter verbergen sich allerdings auch 250 Vorführwagen.

Die Umsetzung der Elektrostrategie hatte für heftige Diskussionen mit den Händlern und ihrem Verband gesorgt, da den Nissan-Partnern insbesondere die geforderten Investitionen zu hoch erschienen. „Wir haben in den vergangenen Monaten mit den Händlern gearbeitet“, beschrieb Wijnen die Gespräche, in deren Verlauf der Aufwand für den Handel deutlich gesenkt wurde.

Verband lobt Gesprächsbereitschaft

„94 Prozent der Händler haben inzwischen unterschrieben“, sagte Wijnen. Die 15 Partner, die jetzt die Kündigung erhielten, hätten sich dagegen entschlossen, nicht in die Elektromobilität zu investieren. Sie repräsentieren nach Angaben des Geschäftsführers 2,5 Prozent des Verkaufsvolumens in Deutschland. Die Gründe für die Verweigerung seien unterschiedlich gewesen, darunter auch Fragen der Zukunftsperspektive, wenn etwa kein Betriebsnachfolger in Sicht gewesen sei.

„Der Händlerverband hat immer gesagt, dass die Investitionen in die Elektromobilität auch eine unternehmerische Entscheidung ist, eine kalkulatorische Entscheidung“, sagte Peter Gerards, Präsident des Nissan-Händlerverbands, auf Anfrage von »kfz-betrieb ONLINE«. Tatsächlich habe der Importeur aber immer wieder das Gespräch mit den Händlern gesucht, die Frist zur Unterschrift mehrfach verschoben, Überzeugungsarbeit geleistet und individuelle Lösungen mit Vertriebspartnern getroffen, deren Investitionen sich absehbar nur über einen längeren Zeitraum amortisierten.

Die Basis-Investition für die Händler liegt bei etwa 6.000 Euro für zwei Ladestationen und Ersatzteile. Dazu muss jeder Händler einen Leaf als Vorführwagen abnehmen, der Wijnen zufolge aber zu günstigen Konditionen geleast werden kann. Da auch die Käufer die Elektrofahrzeuge überwiegend leasen würden, biete der Importeur gesicherte Restwerte für den Leaf, um dem Handel finanzielle Risiken abzunehmen.

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