Green NCAP Elektroautos schneiden im Ökocheck am besten ab

Autor: Andreas Grimm

Wer mit einem ruhigen ökologischen Gewissen Auto fahren will, kommt an E-Autos nicht vorbei. Laut dem Green-NCAP-Test schneiden im Testfeld drei E-Autos mit Abstand am besten ab. Doch der Test hat eine methodische Schwäche.

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Die Elektrovariante des Hyundai Kona liegt im Ranking des Green NCAP ganz vorne.
Die Elektrovariante des Hyundai Kona liegt im Ranking des Green NCAP ganz vorne.
(Bild: Hyundai)

Seit drei Jahren nimmt die Sicherheitsinitiative Euro NCAP auch die Umweltfreundlichkeit von Pkw nach einheitlichen Standards unter die Lupe. 49 der meistverkauften Pkw in Europa sind seither dem Green-NCAP-Test unterzogen worden, nur drei davon konnten die Tester umfänglich überzeugen. Sie erhielten mit fünf Sternen die Höchstwertung – allesamt sind es rein batterieelektrisch betriebene Modelle.

Die Höchstwertung von 10,0 Punkten aus allen Einzeldisziplinen erreichen der Hyundai Kona Electric und Renault Zoe. Der Hyundai hat einen Stromverbrauch von 22,2 kWh pro 100 km und kommt mit dem im Testwagen verbauten 39,2 kWh großen Standardakku 202 Kilometer weit. Etwas weiter (319 Kilometer) fährt der Renault mit dem getesteten optionalen 52-kWh-Akku, bei einem Stromverbrauch von 22,3 kWh auf 100 km.

ID braucht viel Heizenergie

Green NCAP testet bei minus sieben Grad Celsius. Signifikant ist daher der Energieverbrauch zum Heizen der Kabine – weshalb der VW ID 3 „nur“ den dritten Rang belegt. Der Energieverbrauch des ID 3 fällt bei niedrigen Temperaturen deutlich höher aus als bei den Konkurrenten. Das ist nicht nur ineffizient, sondern sorgt im Winter auch für eine stark reduzierte Reichweite. Unter dem Strich bleibt die Gesamtwertung mit 9,9 Punkten nur knapp hinter den beiden Siegern zurück.

Allerdings liegen die E-Autos in der Öko-Bilanz des Green NCAP auch deshalb so weit vorn, weil die Organisation im Gegensatz zum ADAC Ecotest für Strom noch keine „Well-to-Wheel“-Betrachtung (von der Quelle bis zum Rad) anlegt, die auch die Schadstoffe oder Treibhausgase bei der Stromerzeugung einrechnet. Auch der CO2-Ausstoß bei Produktion und Entsorgung fehlt in der Analyse, wodurch die lokal emissionsfrei fahrenden E-Autos tendenziell besser abschneiden.

Toyota Prius ist Top-Modell mit Verbrenner

Auf Platz vier in Green-NCAP-Ranking folgt der Hyundai Nexo, das Brennstoffzellen-Auto aus Korea. Der Nexo kommt zwar auch noch auf fünf Sterne, erhält aber nur 9,1 Punkte, da er in der Teilwertung „Energieverbrauch“ (7,3 von 10 Punkten) deutlich hinter die Konkurrenten zurückfällt. Platz fünf im Gesamtranking geht an den Toyota Prius Plug-in Hybrid mit vier Sternen und 7,1 Gesamtpunkten. Damit schneidet der Prius jedoch deutlich besser als die meisten Autos mit Verbrennungsmotor.

Die Platzierungen der Plug-in-Hybride verdeutlichen, dass diese Technik für sich allein nicht besonders ökologisch sein muss. Entscheidend ist, dass auch der Verbrennungsmotor effizient und sauber sein muss. Das ist etwa beim Mitsubishi Outlander 2.4 PHEV nur unzureichend der Fall. „Er verbraucht mit knapp 1,9 Tonnen Gewicht in allen Fahrsituationen sehr viel“, schreibt der ADAC, der dem Green-NCAP-Konsortium angehört. Einen Partikelfilter hat der Outlander nicht, entsprechend hoch ist Partikelausstoß. Dafür gibt es nur zwei Sterne und einen Platz im unteren Drittel des Rankings.

Als erster Verbrenner platziert sich der Diesel Skoda Octavia 2.0 TDI Combi bereits auf Platz sieben (3,5 Sterne / 6,3 Gesamtpunkte), was laut dem ADAC an der eher unterdurchschnittlichen Leistung (110 PS), der sehr gut abgestimmten Schaltpunktanzeige und am Abgasreinigungssystem mit Doppel-SCR-Katalysator liegt. Zwei Plätze dahinter rangiert mit dem VW Golf 1,5 TSI der erste Benziner (3,5 Sterne / 6,1 Gesamtpunkte).

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Über den Autor

 Andreas Grimm

Andreas Grimm

Redakteur, Redaktion »kfz-betrieb«