Elektromechanik unterbindet Wankimpulse

Neu entwickelter Wankstabilisator geht in Serie

| Autor: Thomas Günnel

(Bild: Continental)

Schaeffler und Continental haben einen elektromechanischen Wankstabilisator bis zur Serienreife entwickelt. Das System soll die bislang üblichen hydraulischen Stabilisatoren ersetzen, die in Kurven oder bei schnellen Ausweichmanövern die Wankbewegungen des Fahrzeugaufbaus reduzieren.

Wankstabilisatoren passen das Fahrwerk an jede Fahrsituation an. Dazu dienen in erster Linie aktive Stabilisatoren mit bislang hydraulisch betätigten Schwenkmotoren. Diese Motoren verdrehen die beiden Stabilisatorhälften gegeneinander und erzeugen so ein Torsionsmoment, das stabilisierend auf den Fahrzeugaufbau einwirkt. Obwohl die Wankstabilisierung in vielen Fahrsituationen wie Geradeausfahrten auf gut ausgebauten Straßen nicht eingreifen muss, erfordert die hydraulische Ausführung auch für den Stand-by-Betrieb stetig Energie: Um den Betriebsdruck des Hydrauliksystems aufrechtzuerhalten, ist eine kontinuierliche Pumpleistung erforderlich, die permanent Energie verbraucht.

Das elektromechanische System stellt stabilisierenden Momente bedarfsgerecht und ohne dauerhaften Energieeinsatz ein.
Das elektromechanische System stellt stabilisierenden Momente bedarfsgerecht und ohne dauerhaften Energieeinsatz ein. (Bild: Schaeffler)

Das elektromechanische System, laut Schaeffler das weltweit erste, soll die stabilisierenden Momente dagegen bedarfsgerecht und ohne dauerhaften Energieeinsatz bereitstellen. Der Schlüssel hierzu ist der Elektromotor, der nur dann Leistung aufnimmt, wenn sich der Schwenkaktor verdreht und dabei ein Moment aufbaut. Um das Moment zu halten, müssen lediglich die relativ geringen elektrischen Widerstandsverluste ausgeglichen werden. Den Komfort verbessert außerdem ein Entkopplungselement, das einseitig auftretende Störungen absorbiert. Dadurch werden Impulse auf die Karosserie weitgehend reduziert oder sogar komplett vermieden.

Die ECU (Electronic Control Unit), die Motorsteuerung und die Software-Plattform des Systems stammen von Continental. Für den Serienanlauf des neuen Systems hat Schaeffler an seinem Standort Schweinfurt komplett neue Fertigungseinrichtungen aufgebaut. Die einzelnen Anlagen sind modular ausgelegt. Dadurch sind weitere Serienanläufe und die Fertigung künftiger Generationen der Technik in den kommenden Jahren problemlos möglich.

An die Fahrsituation angepasst

Beim ersten Serieneinsatz in einer Oberklasse-Limousine wird der elektromechanische Wankstabilisator zum Beispiel so in den Systemverbund des Fahrzeugs integriert, dass er nicht nur die Fahrstabilität in der Kurve, sondern auch den Fahrkomfort auf gerader Strecke erhöht. Möglich wird dies durch eine permanente Kameraüberwachung der Fahrbahn vor dem Fahrzeug. Werden vorausliegende Unebenheiten erkannt, zum Beispiel ein Kanaldeckel, hebt das System das entsprechende Rad kurzzeitig an, so dass Karosserieerschütterungen fast vollständig unterbleiben.

Neben einem geringeren CO2-Ausstoß und verbesserter Fahrsicherheit sieht Prof. Peter Gutzmer, Vorstand Technologie bei Schaeffler, den Fahrkomfort als wichtiges Thema. Es gelte, „an Lösungen zu arbeiten, die den Komfort noch weiter steigern, weil die Fahrzeuginsassen beim automatisierten Fahren sensitiver auf Fahrzeugbewegungen reagieren werden. In letzter Konsequenz bedeutet dies für Zulieferer wie Schaeffler und Continental, das Fahrwerk der Zukunft systemisch mit dem Antrieb gemeinsam zu betrachten und zu entwickeln.“

Kommentare werden geladen....

Ihr Kommentar zum Thema

Der Kommentar wird durch einen Redakteur geprüft und in Kürze freigeschaltet.

Anonym mitdiskutieren oder einloggen Anmelden

Avatar
Zur Wahrung unserer Interessen speichern wir zusätzlich zu den o.g. Informationen die IP-Adresse. Dies dient ausschließlich dem Zweck, dass Sie als Urheber des Kommentars identifiziert werden können. Rechtliche Grundlage ist die Wahrung berechtigter Interessen gem. Art 6 Abs 1 lit. f) DSGVO.
  1. Avatar
    Avatar
    Bearbeitet von am
    Bearbeitet von am
    1. Avatar
      Avatar
      Bearbeitet von am
      Bearbeitet von am

Kommentare werden geladen....

Kommentar melden

Melden Sie diesen Kommentar, wenn dieser nicht den Richtlinien entspricht.

Kommentar Freigeben

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

Freigabe entfernen

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

copyright

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Kontaktieren Sie uns über: support.vogel.de/ (ID: 43587582 / Technik)

Plus-Fachartikel

Corona-Krise: Finanziell Luft verschaffen

Corona-Krise: Finanziell Luft verschaffen

Die Umsätze bleiben aus, die Kosten laufen aber weiter: Die Corona-Krise hat viele Unternehmen über Nacht in existenzielle Nöte gestürzt. Staatliche Hilfsprogramme sollen Insolvenzen verhindern. Wie Betriebe die Krise überbrücken können. lesen

Wellergruppe: Keine Tageszulassung mehr

Wellergruppe: Keine Tageszulassung mehr

Über das abgelaufene Autojahr 2019 äußert sich Burkhard Weller zufrieden. Weder Dieselquote noch E-Mobilität machen den Unternehmer nervös. Spricht er jedoch über das Zusammenspiel zwischen Hersteller und Handel, ist es mit der Ruhe vorbei. lesen