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Elektromobilität benötigt mehr Recycling

| Autor / Redakteur: dpa / Andreas Grimm

Ohne eine massive Verbesserung des Rohstoff-Recyclings wird die Elektromobilität nicht nachhaltig werden. Das Umweltbundesamt fordert deutlich höhere Recycling-Quoten. Die Autobauer sind bereits aktiv, weitgehend geschlossene Rohstoffkreisläufe aufzubauen.

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Um die Umweltbilanz von Autos und E-Autos aufzubessern, ist konsequentes Recycling der Materialien notwendig.
Um die Umweltbilanz von Autos und E-Autos aufzubessern, ist konsequentes Recycling der Materialien notwendig.
(Bild: gemeinfrei / Pixabay )

Die erwartete Zunahme von Elektroautos in Deutschland macht aus Sicht des Umweltbundesamts (UBA) auch einen Ausbau der Recycling-Kapazitäten notwendig – sowohl hinsichtlich des Volumens als auch in der Qualität. Derzeit reichten die Kapazitäten zum Recycling von Antriebsbatterien aus, sagte UBA-Experte Axel Strobelt der „Deutschen Presse-Agentur“. Es sei aber ein starker Anstieg der E-Mobilität zu erwarten, daher müsse der Ausbau künftig vorangetrieben werden. Zudem sei die Effizienz von Recyclingverfahren weiterzuentwickeln, weil damit teils kritische Rohstoffe wie Lithium, Neodym und weitere Seltenen Erden aus Elektromotoren zurückgewonnen würden.

Konkret schlug Strobelt „Separations- und Rückgewinnungsverpflichtungen“ für bestimmte Metalle vor, damit sie wieder verwendet werden können. Die rechtlich vorgeschriebenen Recyclingquoten würden für Altfahrzeuge und Altbatterien in Deutschland zwar „bei Weitem erreicht“, sagte er. Ein Teil des Materials gelte zwar als recycelt, werde aber „nur minderwertig“ verwertet, etwa zum Ausfüllen von Hohlräumen im Bergbau oder als Schlacke im Straßenbau. „Entsprechend ist eine Anpassung der Recycling-Definition zu empfehlen“, riet er.

VW baut Pilotanlage

Ein Problem sieht das Umweltbundesamt auch darin, dass aus Deutschland viele Gebrauchtwagen exportiert und im Ausland nicht immer fachgerecht entsorgt und recycelt werden. Das könne in diesen Ländern zu großen Umweltschäden führen, sagte Strobelt. Das nicht ordnungsgemäße Recycling von Bleisäurebatterien, die als Starterbatterien eingesetzt würden, sei seit Jahren ein großes Umweltproblem in Entwicklungsländern.

Dabei ist den Autoherstellern klar, dass die Akzeptanz für die E-Mobilität unter anderem an der Frage hängt, wie die gesamte Energie- und Rohstoffnutzung organisiert wird. Einerseits muss möglichst viel Strom aus erneuerbaren Quellen kommen, damit der Wagen nicht doch mehr CO2 freisetzt als spart. Andererseits muss mehr recycelt werden.

Volkswagen etwa baut in Salzgitter eine Pilotanlage dazu auf – es geht neben Aluminium, Stahl und Kupfer um Batteriematerialien wie Nickel, Mangan und Kobalt. Anstatt eines energieintensiven Nachschubs solcher Stoffe durch weiteren Bergbau und globale Transporte sollen sie aus Altteilen wiedergewonnen oder mit „Second-Life-Konzepten“ weitergenutzt werden. In der zweiten Jahreshälfte soll die Linie in Betrieb gehen. Sie wird Teil der geplanten VW-Batteriezellfabrik, die der weltgrößte Autobauer mit dem schwedischen Partner Northvolt baut.

Vorsichtiges Lob vom UBA

In Niedersachsen sollen 1.200 Tonnen Batterien pro Jahr recycelt werden. „Ziel ist es, möglichst viele Wertstoffe weiterzuverwenden, wenn Ende der 2020er-Jahre größere Mengen Batterie-Rückläufer aus dem Markt zurückkommen“, betont VW-Vorstandschef Herbert Diess hat im Konzern sogar eine Gesamtverantwortung von der Beschaffung über den Bau der Autos und Batterien bis zu deren Zweitverwendung ausgerufen.

BMW arbeitet ebenfalls mit Northvolt sowie mit der belgischen Firma Umicore zusammen. Die Münchner wollen eine „komplette, nachhaltige Wertschöpfungskette für Batteriezellen“ in Europa aufbauen, die sich von der Entwicklung über die Fertigung bis zum Recycling erstreckt – inklusive „umfassender Wiederverwertung der Rohstoffe“.

Vom Umweltbundesamt (UBA) kommt vorsichtiges Lob für die Unternehmen: „Unseres Erachtens ist die Branche in Bewegung geraten, steht allerdings noch am Anfang“, sagt Experte Strobelt. Automobil-Unternehmen hätten im vergangenen Jahr mehrere Fachleute für Rohstoffe und Lieferketten angeworben, auch die deutsche Metallindustrie bekomme die gestiegenen Anforderungen an Nachhaltigkeit zu spüren.

Recycling zur Ressourcen-Schonung

Wie für Benziner und Diesel gelte auch bei E-Autos, dass die Wahl des Fahrzeugs seine Ökobilanz beeinflusse: Kleinere und leichtere Fahrzeuge benötigten kleinere und leichtere Akkus, eine ausreichende, aber möglichst geringe Reichweite senke den Bedarf an Rohstoffen, erklärt Strobelt.

Auch an anderer Stelle setzt das Recycling zur Ressourcen-Schonung an: Der Zulieferkonzern Continental beschäftigt sich mit der Weiternutzung von Lkw-Reifen, 24 Prozent werden inzwischen mit neuen Laufflächen ausgestattet. Es geht auch um Techniken, wie sich Industrieruß recyceln lässt, der anschließend in die Reifenherstellung zurückfließt. Im November startete Conti ein Projekt mit der Firma Pyrolyx: Fünf Jahre lang sollen die Reifenwerke jährlich 10.000 Tonnen Ruß erhalten, der aus mehr als drei Millionen Altreifen stammt.

Beim Recycling von Elektronikteilen gilt ein „Gesamtverwertungsziel“ von 95 Prozent. Die Umsetzung wird dabei von Standort zu Standort überprüft, denn die Menge an Wertstoff-Abfällen und Art der Verwertungsketten kann lokal sehr unterschiedlich sein.

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