Elektromobilität in China: Starke Bremsspuren

Autor / Redakteur: sp-x / Andreas Wehner

Oft schon schien es so, als wäre China der Motor der elektrischen Mobilität für die Welt. Doch die Realität holt die Chinesen inzwischen ein. Es hapert - wie anderswo auch - noch an vielen Ecken.

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BYD zeigt auf der Auto China den E6 in einer Taxi-Version.
BYD zeigt auf der Auto China den E6 in einer Taxi-Version.
(Foto: Newspress)

Fast teilen sie ihr Schicksal mit ihrem natürlichen Widerpart: Wie Pick-Ups, die abhängig von Benzinpreis und Konjunktur auf den Auto-Shows Amerikas schnell aus der vorderen Reihe ins letzte Eck der Präsentationsfläche und zurück wandern, wechseln Elektroautos in Jahresfrist gerne mal die Stellplätze auf den Messeständen der Hersteller.

Auf der Auto China in Peking (noch bis zum 2. Mai) ergeht es den Elektrowagen nun nicht anders. Noch im vergangenen Jahr auf der wichtigsten Automesse Chinas, die damals turnusgerecht weil alternierend in Schanghai gehalten wurde, war in den Augen vieler Aussteller nur schick, was elektrisch fährt. Nun werden sie wieder etwas verhaltener präsentiert.

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Zwar sind die Elektroflitzer lange nicht in der letzten Reihe angekommen, doch scheinen die Entwickler auch im Reich der Mitte die Markteinführungen von E-Autos realistischer zu sehen als noch vor Jahresfrist. Schwierigkeiten mit der Batteriekapazität werden ebenso angesprochen wie die hohen Kosten. Auch die Entschärfung von Produktionsengpässen, und die drohen beim gewaltigen Volumen des chinesischen Marktes mit Sicherheit, stellen eine Herausforderung dar. Denn dass eine halbwegs passable Reichweite nicht mit althergebrachten Blei-Akkus verwirklicht werden kann, dessen ist man sich mittlerweile auch bei den chinesischen Autobauern bewusst.

Zwischen 120 und 160 Kilometer sollen die Elektrowagen schaffen, obligatorisch ist bei ihnen eine Lithium-Ionen-Batterie. Ob Geely, Chery, Dongfeng oder Great Wall, jeder der großen Hersteller hat mindestens ein E-Auto im Programm. Das Angebot reicht vom Kleinstwagen wie dem Geely EK über den viertürigen EV 530 von Dongfeng bis zum schmucken Chery ZX Coupé, das neben der konventionell motorisierten Version eine elektrische Alternative bieten soll.

Die deutschen Hersteller stehen da nicht hinten an und zeigen den VW E-Bugster, einen Beetle als Spider und mit einer 85 kW/115 PS starken E-Maschine als Asien-Premiere. Daimler hat natürlich den E-Smart im Gepäck und bei Audi gibt gar der A6L e-tron Concept als Weltneuheit sein Debüt.

Studie: China kein Leitmarkt für Elektromobilität

Doch auch wenn die Elektroautos auf der Messe die Kunden anlocken: gekauft werden sie nicht, wie ein Team um Axel Krieger von McKinsey in China ermittelte. Bislang können die Interessenten zwischen sieben batterieelektrischen Autos (BEV) und einem Plug-in-Hybrid (PHEV) wählen. Krieger: „Die Modelle liegen im Preis auf Mittelklasse-Niveau, bieten aber weder den Komfort noch das Design und die Zuverlässigkeit herkömmlicher Fahrzeuge dieser Klasse.“

Die von Krieger und seinem Team erstellte Studie zeigt den Status Quo von Chinas Elektromobilitäts-Plänen. Dazu haben sie vor Ort den Markt durchleuchtet und Entscheider aus Politik, Verbänden, Autoindustrie und Energiebranche befragt. Ihr Votum: Von einem „Leitmarkt China“ in Sachen Elektromobilität kann derzeit nicht die Rede sein. China muss seine Strategie neu ausrichten.

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