Alternative Antriebe Elektromodelle drängen Autogas ins Abseits

Autor: Andreas Grimm

Lange galt Autogas (LPG) als alternativer Kraftstoff. Doch der Boom war weniger dem Umweltgedanken als finanziellen Vorteilen zu verdanken. Mit dem nahenden Ende der Steuervorteile schwindet das Interesse an LPG, Neuzulassungen und Bestand sinken.

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Die Betankung von LPG-Fahrzeugen unterscheidet sich in der Handhabung kaum von der Befüllung mit Benzin und Diesel.
Die Betankung von LPG-Fahrzeugen unterscheidet sich in der Handhabung kaum von der Befüllung mit Benzin und Diesel.
(Bild: Opel)

Im Antriebsmix der deutschen Neuwagen spielt Autogas (LPG) inzwischen eine verschwindend geringe Rolle. Zwar erlebte die Technik im Oktober einen plötzlichen „Boom“ mit 872 Neuzulassungen – das reichte für einen Marktanteil von 0,3 Prozent. Im Jahresverlauf ist der Absatz nach Angaben des Kraftfahrtbundesamts im Vergleich zum Vorjahrszeitraum allerdings um 41 Prozent gesunken. 4.150 Neuzulassungen verbuchte das Amt bis Ende Oktober. Die Diesel-Neuzulassungszahlen sanken im gleichen Zeitraum um „nur“ 30 Prozent, Benziner um 27 Prozent.

Die Entwicklung dieses Jahres reiht sich damit ein in einen jahrelangen Abstieg des einstigen alternativen Kraftstoffes. Zum Jahresstart 2014 wies das KBA einen Bestand von knapp über 500.000 LPG-Fahrzeugen aus. Bis Anfang dieses Jahres war der Bestand dann auf 371.000 Einheiten geschrumpft. Zum Vergleich: Die Zahl der Hybridfahrzeuge (inklusive Plug-in-Hybride) stieg im gleichen Zeitraum von 85.500 auf 540.000 Einheiten.

Der Deutsche Verband Flüssiggas (DVFG) stemmt sich gegen den Bedeutungsverlust des Kraftstoffes. Zum zweiten internationalen Autogas-Tag Anfang November wies der Vorsitzende Rainer Scharr Anfang November darauf hin, dass „in anderen Staaten der Autogas-Antrieb gerade wieder verstärkt als Chance entdeckt wird“. Seit vielen Jahren gilt hierzulande für Autogas eine Steuerbegünstigung, weshalb der Kraftstoff viele Jahre finanziell attraktiv war. Sie war nach langen Verhandlungen 2017 nochmals verlängert worden, bis Ende 2022 werden die Steuervorteile nun allerdings schrittweise zurückgefahren.

Die Zahl der LPG-Neuzulassungen selbst schwankt dabei stark. Waren es 2012 noch knapp 11.500 Einheiten, sank die Zahl bis 2016 auf 3.000 Stück, um dann aus als Folge der verlängerten Steuervorteile bis zum Vorjahr wieder auf 7.256 anzusteigen. Die Schwankungen erklären sich daneben durch Veränderungen im Modellangebot. Zuletzt ist die Auswahl an LPG-Neuwagen wieder deutlich gesunken. Derzeit haben nur Renault, Dacia und Fiat LPG-Modelle im Programm. Dacia setzt sogar offensiv auf LPG-Fahrzeuge, um seine CO2-Bilanz aufzubessern.

Der Rückgang im Bestand geht nicht allein auf rückläufige Neuzulassungen zurück, sondern vor allem durch die seltenere Umrüstung von klassischen Benzinern auf Autogas. Diese kostet je nach Modell und Umrüstsatz nach Angaben des ADAC zwischen 1.800 und 3.500 Euro – bislang amortisierte sich die Investition über die Laufzeit des Fahrzeugs durch die günstigeren Kraftstoffkosten. Im Gespräch mit der Fachzeitschrift »kfz-betrieb« hatte DVFG-Hauptgeschäftsführer Andreas Stücke vor einigen Monaten eingeräumt, dass die Umrüstung moderner direkteinspritzender Benzinmotoren „technisch offensichtlich nicht trivial“ sei.

Flüssiggas besteht aus Propan, Butan und deren Gemischen und wird bereits unter geringem Druck flüssig. Der Energieträger setzt bei der Verbrennung etwa 15 Prozent weniger CO2 frei als Benzin. Die Emissionen enthalten zudem weniger aromatische Kohlenwasserstoffe.

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 Andreas Grimm

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Redakteur, Redaktion »kfz-betrieb«