Wertminderung historischer Fahrzeuge

Emotionen statt Wissenschaft

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Die bereits vor zwei Jahren verfasste Bachelorarbeit von Michael Graf, damals Student an der Hochschule Landshut, trägt den Titel „Entwicklung einer Methode zur Ermittlung der merkantilen Wertminderung von historischen Fahrzeugen“. Die Betreuung übernahm TÜV Süd Auto Service. Einem größeren Kreis von Interessierten bekannt wurde die Bachelorarbeit während der 81. Fachtagung des Münchner Arbeitskreises für Straßenfahrzeuge (MAS) im Mai 2021, zu der Michael Graf seine Ergebnisse präsentierte.

Im Rahmen seiner Bachelorarbeit befragte der Student sowohl Fachleute als auch interessierte Laien, konkret öffentlich bestellte und vereidigte IHK-Sachverständige bzw. Mitglieder von Oldtimerclubs. Gefragt wurde u. a. nach dem monetären Wert bestimmter unfallfreier Oldtimer und baugleicher Fahrzeuge mit repariertem Unfallschaden sowie nach Meinungen zu möglichen Reparaturwegen. Insgesamt waren 23 Fragen zu beantworten, die sich größtenteils auf zwei Fallbeispiele bezogen. Zusammenfassung:

  • Sowohl Fachleute als auch interessierte Laien stimmen dem Preisunterschied zwischen einem unfallfreien und einem beschädigten historischen Fahrzeug und somit der merkantilen Wertminderung mit großer Mehrheit zu, schätzen diese aber unterschiedlich hoch ein – Laien höher als Fachleute.
  • Die Mehrheit der Befragten gesteht einem Fahrzeug mit lückenlos nachvollziehbarer Historie eine größere Wertminderung zu als einem Fahrzeug mit lückenhafter Historie – Fachleute nochmals deutlich mehr als Laien.
  • Ähnlich große Mehrheiten von Fachleuten und Laien betrachten den Erhalt historischer Substanz als wichtig und gestehen diesem auch höhere Reparaturkosten zu.

Resultierende Erkenntnis: keine Berechnungsformel erstellbar

Michael Grafs aus den Antworten resultierende Erkenntnis lautet: „Es wird klar, dass sich Schadensersatzfestlegungen bei historischen Fahrzeugen nicht verallgemeinern lassen. Aufgrund der großen Vielfalt der unterschiedlichen Einflussfaktoren sowie des emotionalen Einflusses, der bei Oldtimern immer eine Rolle spielt, gestaltet sich dies äußerst schwierig. Deshalb ist es nicht möglich, eine Berechnungsformel für den merkantilen Minderwert zu erstellen, wie sie für Neufahrzeuge angewandt wird. Eher denkbar ist ein Punkteplan, mit dem der Sachverständige die wichtigsten Einflussfaktoren abarbeiten kann.“

Letztlich entstand neben dem genannten Punkteplan ein weiteres Resultat: ein Textbaustein für die Gutachtenerstellung. Zu entnehmen sind beide Resultate der Bachelorarbeit, die Michael Graf auf Anfrage gern zur Verfügung stellt.

Nicht zu unterschätzen ist übrigens eine weitere aus der Bachelorarbeit resultierende Erkenntnis: Die Sachverständigentätigkeit auf dem Gebiet historischer Fahrzeuge lässt sich nicht vereinfachen. Wichtig zur Erstellung eines Schadengutachtens sind nach wie vor die Fähigkeit, den Markt einzuschätzen, und nicht zuletzt die Kenntnis handwerklich und historisch korrekter Reparaturwege sowie deren heutiger Zulässigkeit. Nach der Erfahrung des Redakteurs als leitender Sachverständiger einer Oldtimerversicherung hapert es gerade daran gewaltig.

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Über den Autor

 Peter Diehl

Peter Diehl

Fachredakteur Automobiltechnik und -reparatur, Vogel Communications Group GmbH & Co. KG