Lockdown Ende der Ausgangssperre ist Zeichen für Öffnung des Autohandels

Autor / Redakteur: Nick Luhmann / Doris Pfaff

Das baden-württembergische Kraftfahrzeuggewerbe fordert angesichts der Aufhebung der nächtlichen Ausgangssperre ein Ende des Lockdowns im Automobilhandel. Auch das Kfz-Gewerbe Bayern warnt vor einer Verlängerung der Maßnahmen. Finanzielle Entschädigungen für die Kfz-Betriebe würden sonst unausweichlich.

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Albert Vetterl, Präsident des Kraftfahrzeuggewerbes in Bayern, fürchtet um die Existenz vieler Kfz-Betriebe, falls die Politik den Lockdown verlängert.
Albert Vetterl, Präsident des Kraftfahrzeuggewerbes in Bayern, fürchtet um die Existenz vieler Kfz-Betriebe, falls die Politik den Lockdown verlängert.
(Bild: Kfz-Gewerbe Bayern)

„Wir benötigen dringend ein Konzept, unter welchen Bedingungen der Automobilhandel wieder öffnen kann“, kommentierte Baden-Württembergs Verbandspräsident Michael Ziegler eine Eilentscheidung des Verwaltungsgerichtshofes Mannheim von Montag. Das Argument des Gerichtes, eine nächtliche Ausgangssperre sei aufgrund der gesunkenen Corona-Inzidenzwerte nicht mehr gerechtfertigt, müsse auch auf den Autohandel angewendet werden.

Ziegler wies erneut auf das Hygienekonzept der Autohäuser und ihre verhältnismäßig großen Verkaufsflächen hin: „Eine komplette Schließung des Automobilhandels in Präsenz ist aus unserer Sicht daher nicht mehr verhältnismäßig und den Betrieben, denen aktuell häufig rund die Hälfte ihrer Auftragseingänge fehlen, nicht mehr vermittelbar“, so Ziegler.

Die finanzielle Situation für die Unternehmen sei sehr angespannt. Jetzt bestellte Fahrzeuge würden in den nächsten Monaten ausgeliefert, teils erst im zweiten Halbjahr, so dass der Automobilhandel mit jedem weiteren Tag Lockdown immer stärker unter Druck gerate. Dazu komme, dass derzeit ab Juli keine staatlichen Unterstützungsleistungen mehr vorgesehen seien.

Vetterl: Der finanzielle Druck wird zum Existenzproblem

Auch Albert Vetterl, Präsident des Kfz-Landesverbandes Bayern, fordert jetzt eine Öffnung für den stationären Autohandel und Strategien für die Zukunft. Ohne eine konkrete Perspektive, wie der stationäre Autohandel möglichst bald zum geregelten Geschäftsbetrieb zurückkehren könne, werde der finanzielle Druck auf die rund 7.000 bayerischen Kfz-Innungsbetriebe zum existenziellen Problem, erklärt Vetterl.

Er appelliert an die politisch Verantwortlichen, den stationären Autohandel wieder zu öffnen. Das anstehende Frühjahrsgeschäft sei für die Branche absolut existenziell: „Als klassische Mittelständler haben unsere oftmals noch familiengeführten Betriebe grundsätzlich den Anspruch an sich selbst, sich wirtschaftlich über Wasser zu halten und ohne staatliche Hilfsgelder auszukommen. Aber ohne Öffnungsperspektive fährt die Politik den mittelständischen Autohandel an die Wand.“

Sollten sich die Ministerpräsidenten und Bundeskanzlerin Angela Merkel am kommenden Mittwoch dafür aussprechen, den Lockdown zu verlängern, werden aus Vetterls Sicht staatliche Entschädigungen für den Kfz-Handel erforderlich. Weil schon das vergangene Frühjahrsgeschäft weg- und im angelaufenen Jahr die Zahl der Neuzulassungen um fast ein Drittel eingebrochen seien, seien die Betriebe nun dringend auf die Einnahmen aus dem kommenden Frühjahr angewiesen. Schließlich liefen die Kosten für die Betriebe weiter. Auch würden die Hersteller weitere Neuwagen produzieren. Der Handel müsse die Fahrzeuge vorfinanzieren, ohne Chancen zu haben, sie zu verkaufen.

Allein in Bayern ein Minus im zweistelligen Milliardenbereich

„Jeder Tag, den ein Auto auf dem Hof steht, kostet den Händler rund 30 Euro. Das macht bei rund drei Monaten Lockdown rund 2.700 Euro – pro Fahrzeug“, rechnete Vetterl vor. „Wenn man das auf die rund 7.000 bayerischen Kfz-Innungsbetriebe hochrechnet, dann reden wir über einen Finanzdruck im zweistelligen Milliardenbereich – allein bei uns im Freistaat.“ Inzwischen ist nach Angaben des bayerischen Kfz-Gewerbes auch das Werkstattgeschäft rückläufig und kann die fehlenden Handelsumsätze nicht ausgleichen.

„Das Kraftfahrzeuggewerbe braucht die Umsätze aus dem Handelsgeschäft, sonst sind Arbeits- und vor allem auch Ausbildungsplätze akut in Gefahr“, stellt Vetterl fest. In der Kfz-Branche seien in Bayern immerhin rund 125.000 Mitarbeiter beschäftigt; zudem würden etwa 15.000 junge Menschen ausgebildet.

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