Euro-NCAP testet leichte Transporter „Erhebliche Defizite bei der Sicherheitsausstattung“

Autor / Redakteur: Jens Rehberg / sp-x / Jens Rehberg

Das Gefahrenpotenzial von Trapos ist wegen ihrem Gewicht und ihrer steiferen Struktur höher als bei Pkw. Daher sind serienmäßige Assistenzsysteme – nicht nur für die Fahrer, sondern auch im Hinblick auf mögliche Unfallgegner – eigentlich unverzichtbar. Nun sind sogar einige vollausgestattete Modelle bei einem Test durchgerasselt.

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Der ADAC hat einen halbbeladenen Nissan NV400 offset auf einen Nissan Juke losgelassen. Beide waren 50 km/h schnell.
Der ADAC hat einen halbbeladenen Nissan NV400 offset auf einen Nissan Juke losgelassen. Beide waren 50 km/h schnell.
(Bild: ADAC/Uwe Rattay)

Euro-NCAP und der ADAC haben gemeinsam die Sicherheit von Kleintransportern bis 3,5 Tonnen untersucht. 19 Modelle, die 98 Prozent des Marktes abdecken, wurden unter die Lupe genommen. Dabei offenbarten einige Probanden „erhebliche Defizite“ bei der Sicherheitstechnik.

Ein exemplarisch mit Nissan NV400 und Nissan Juke durchgeführter Crashtest zeigte, dass der Zusammenstoß mit einem Transporter vor allem für die Pkw-Insassen gravierende Folgen hat. Sie waren im Vergleich zu einem „normalen“ Pkw-Crash einem deutlich erhöhten Risiko für Brust, Becken, Oberschenkel, Knie und die unteren Extremitäten ausgesetzt. Aber auch Fahrer und Beifahrer des fast doppelt so schweren Transporters hatten ein hohes Verletzungsrisiko für Brust, Becken, Oberschenkel und Knie zu tragen.

Furparkleiter sparen bei der Ausstattung

Grundsätzlich seien Transporter in der Regel nur spartanisch mit passiven Sicherheitssystemen wie Airbags oder Gurtstraffern ausgerüstet. Denn Fuhrparkleiter, die ein knappes Budget verwalten müssen, sparten sich bei der Bestellung schon mal den entsprechenden Haken in der Ausstattungsliste.

Deshalb fordert der ADAC, dass Kleintransporter serienmäßig mit aktiven Sicherheitssystemen wie Notbremsassistenten aufgerüstet werden sollten, die Unfälle verhindern oder Unfallfolgen mindern können. Jedoch sind viele Sicherheitssysteme bei Kleintransporter-Baureihen gar nicht verfügbar – manche arbeiten zudem nicht so gut, wie es die Tester vom Pkw-Bereich her kennen.

Für ihre Testreihe zur Bewertung der Sicherheitstechnik von Transportern hat sich der ADAC ein neues Label (von „Bronze“ bis „Platin“) ausgedacht. Bei einem Vergleich der Transporter auf Vollausstattungsniveau konnte keiner der Kandidaten die höchste Wertung erreichen. Mit Mercedes Vito, VW Transporter und Ford Transit erhielten drei Modelle die Goldmedaille. Silber gab es für Mercedes Sprinter, Opel Vivaro, Peugeot Expert, Ford Transit Custom und VW Crafter. Bronze bekamen Citroen Jumper und Jumpy, Peugeot Boxer, Toyota Proace, Fiat Ducato und Iveco Daily.

Nissan, Renault, Fiat und Opel rasseln durch

Aufgrund erheblicher Lücken bei den Sicherheitssystemen fielen Nissan NV400, Renault Trafic und Master, Fiat Talento sowie der Opel Movano sogar aus der Medaillenwertung und wurden selbst mit Vollausstattung mit „nicht empfohlen“ benotet. Bei einer Bewertung der Standardausführungen der untersuchten Transporter hätten sogar alle Modelle im Test mit „nicht empfehlenswert“ bewertet werden müssen.

Das Potential der Assistenten hat auch die EU-Kommission erkannt, die deshalb ab 2022 viele Systeme für neue Fahrzeugtypen als Serienausstattung fordert. Die Hersteller fordert der ADAC jedoch schon jetzt dazu auf, Umfang und Leistung der Systeme auf Pkw-Niveau zu heben. Käufer der Kleintransporter sollten zudem darauf achten, nur Fahrzeuge mit Notbremsassistent zu wählen.

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