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Erholte Eigenzulassungen: Kehraus auf den Händlerhöfen

| Autor: Andreas Grimm

Hinter den miesen Neuzulassungszahlen vom Mai steckt bei näherem Hinsehen ein wenig Normalisierung. Die Autovermieter nehmen wieder deutlich mehr Neuwagen ab, und die Händler nutzen eine stabilisierte Privatkunden-Nachfrage, um Bestandsware abzuverkaufen.

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(Bild: Grimm / »kfz-betrieb«)

Der Rückgang des Neuwagengeschäfts hat im Mai weiterhin alle Zulassungskanäle betroffen. Wie aus einer Auswertung der Zulassungszahlen des Kraftfahrt-Bundesamts (KBA) hervorgeht, sanken die Neuanmeldungen in allen Segmenten um ungefähr 50 Prozent. Im Schnitt wurden im zurückliegenden Monat 49,5 Prozent weniger Neuwagen registriert als im Mai 2019.

Der geringste Rückgang im Vergleich zum Vorjahresmonat zeigte sich im Bereich des Fahrzeughandels. Die Kfz-Unternehmer brachten rund 29.500 Neuwagen zur Zulassung – der Rückgang um 45,6 Prozent ist der geringste aller Neuzulassungskanäle. „Möglicherweise sind die Händler nun dazu übergegangen, die ohnehin auf dem Hof stehenden Fahrzeuge im eigenen Namen anzumelden, um sie dann als Tageszulassungen abzuverkaufen“, heißt es dazu in der Dataforce-Marktanalyse.

Dafür spricht auch die Verdoppelung der Eigenzulassungen des Handels im direkten Vergleich zum Vormonat April: Die Fahrzeuge auf dem Hof sind sofort verfügbar und müssen nun möglichst schnell vermarktet werden, um Liquidität zu schaffen. Im Vergleich dazu haben die Eigenzulassungen der Hersteller und Importeure im Vergleich zum Vormonat April 2020 nur um etwa ein Sechstel zugelegt.

Ein Vorbote für eine gewisse Normalisierung des Neuwagenmarkts könnte die Entwicklung im Geschäft mit den Autovermietern sein. Zwar sank auch in diesem Zulassungssegment die Zahl der Erstzulassungen im Vergleich zum Vorjahresmonat um die Hälfte (-50,8 %). Im April war dieses Geschäft jedoch noch fast vollständig zum Erliegen gekommen (-85 %). Inzwischen scheint sich ein wieder steigendes Mobilitätsbedürfnis positiv auf die Größe der Vermietflotten auszuwirken.

„Die Situation in Deutschland entspannt sich weiter“

Die Unternehmensberatung EY sieht die Neuwagenbranche allgemein vor einer langsamen Erholung. „Die Situation in Deutschland entspannt sich weiter, es beginnt sich eine neue Normalität einzuspielen“, heißt es in der monatlichen Einschätzung der Lage. Allerdings werde sich eine weitere Entspannung erst ab Juli einstellen, wenn die Konjunkturmaßnahmen der Bundesregierung greifen. Die Neuwagenkäufer würden nun noch die Senkung der Mehrwertsteuer ab dem 1. Juli abwarten, auch wenn EY deren Wirkung insgesamt als eher gering einschätzt.

Stimmt diese Einschätzung, dürfte im laufenden Monat vor allem der Privatmarkt nochmals deutlich in die Knie gehen. Die Zulassungen von privat waren im Mai um 48,2 Prozent sogar leicht unterdurchschnittlich gesunken. Diese Entwicklung könnte aber ebenfalls das Ergebnis des Zulassungsstaus infolge vieler geschlossener Zulassungsstellen gewesen sein, so dass zahlreiche eigentlich im April gekaufte Neuwagen erste im Mai zugelassen werden konnten.

Definitiv in der wirtschaftlichen Depression gefangen ist derzeit das Gewerbe- und Flottenkundengeschäft. Wie schon im April sank die Zahl der echten gewerblichen Neuzulassungen im Vergleich zum Vorjahresmonat um knapp 50 Prozent. Eine kurzfristige Verbesserung ist in diesem Marktsegment nicht zu erwarten. Vielmehr dürfte sich im Flottengeschäft zunehmend eine zurückhaltende Ausgabenpolitik der Firmen auswirken. In einer Befragung von Dataforce hatte ein Teil der Fuhrparkleiter bereits einen Bestellstopp angekündigt.

Privatkunden stehen auf Transporter

Ein weniger eindeutiges Bild wie für den Neuwagenmarkt im Allgemeinen ergibt sich für das Transportergeschäft. Für diese Sonderauswertung betrachtet Dataforce die Zulassungszahlen für leichte Nutzfahrzeuge und Utilities wie die VW Transporter. In diesem Spezialsegment fiel der Rückgang im Mai mit 37,1 Prozent deutlich geringer aus – die Entwicklungen in den Absatzkanälen verliefen zudem deutlich verschieden.

Die geringsten Rückgänge verbuchten dabei die Neuzulassungen durch Privatpersonen (-27,2 %). Auch die Eigenzulassungen des Handels sanken weniger stark (-32,4 %) – hier dürfte sich ein ähnlicher Effekt wie im allgemeinen Neuwagenmarkt bemerkbar machen. Deutlich rückläufig sind dagegen weiterhin die Eigenzulassungen der Autobauer (-50,1 %).

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Über den Autor

 Andreas Grimm

Andreas Grimm

Redakteur, Redaktion »kfz-betrieb«