Generationswechsel Erich Sixt tritt ab

Autor / Redakteur: dpa / Andreas Wehner

Der Autovermieter Erich Sixt hat aus einem Kleinbetrieb einen Konzern geschmiedet. Ein halbes Jahrhundert stand er an der Spitze. Nun macht er Feierabend – und Platz für seine Söhne.

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Erich Sixt stand ein halbes Jahrhundert an der Spitze seiner Autovermietung.
Erich Sixt stand ein halbes Jahrhundert an der Spitze seiner Autovermietung.
(Bild: Sixt)

Generationswechsel an der Spitze von Deutschlands größtem Autovermieter: Mitten in der Corona-Krise übergibt der 76-jährige Vorstandschef und Großaktionär Erich Sixt das Steuer an seine Söhne Alexander und Konstantin. Das teilte das Unternehmen am Montag in Pullach bei München mit.

Nach der Hauptversammlung am 16. Juni, kurz vor seinem 77. Geburtstag, scheide Erich Sixt aus dem Vorstand aus und wolle anschließend den Vorsitz im Aufsichtsrat übernehmen, teilte das Unternehmen am Montag in Pullach bei München mit. Der Aufsichtsrat habe Alexander und Konstantin Sixt zu gemeinsamen Vorstandsvorsitzenden ab 17. Juni bestellt.

Mit ihnen übernimmt die vierte Generation der Familie Sixt die Unternehmensleitung. Alexander und Konstantin Sixt haben in London und Paris Betriebswirtschaft studiert und sind schon seit 2015 im Vorstand. Sie tragen die Verantwortung für die Konzernstrategie und für den Vertrieb und trieben die Zusammenführung und digitale Vernetzung von klassischer Autovermietung, Carsharing und Auto-Abo voran.

Erich Sixt hat das Unternehmen ein halbes Jahrhundert lang geführt. Schon als 25-Jähriger übernahm er für seinen erkrankten Vater 1969 die Leitung des damaligen Taxibetriebs mit 200 Mietwagen in München und machte ihn schließlich zu einem Konzern mit fast drei Milliarden Euro Umsatz, der sich mit dem französischen Konkurrenten Europcar als Nummer eins in Europa abwechselt und in den USA rasch wächst. Lockdowns und Reisebeschränkungen in der Corona-Krise ließen den Umsatz im vergangenen Jahr allerdings einbrechen - Erich Sixt stellte im November den ersten Jahresverlust in der Firmengeschichte in Aussicht. Die Bilanzzahlen will er am Dienstag vorlegen.

„Das Unternehmen ist mein Leben“

Zu Spekulationen über eine Einstieg von VW hatte der Firmenpatriarch klargestellt: „Das Unternehmen ist mein Leben. Das würde ich niemals verkaufen.“ Er habe immer Wert darauf gelegt, dass seine Familie die Kontrolle über das Geschäft behalte.

Bis zur Corona-Krise hatten Sixt-Hauptversammlungen etwas von Familienfeiern gehabt, wenn Vater und Söhne auf dem Podium saßen und Mutter Regine Sixt am Rednerpult für ihre Kinderhilfe-Stiftung warb. Weil er stets frei spricht, eine eigene Meinung und Spaß an der Provokation hat, waren sie auch recht unterhaltsam. Meist stellt er auch noch eine neue Werbeidee vor.

Erich Sixt hat seit 1969 schon viele schwere Krisen erlebt - schon in der Ölkrise mit Fahrverbot 1973 hat er nach eigener Aussage gedacht, das sei das Ende für das Unternehmen. Dieses sei jedoch kerngesund mit genug Eigenkapital ausgestattet, um selbst jahrelange Verluste zu stemmen, hatte Firmenchef Sixt zuletzt betont.

Gewinn durch Verkauf von Sixt Leasing

So hat Sixt das vergangene Jahr mit 81,5 Millionen Euro Verlust vor Steuern abgeschlossen – nach Steuern und mit dem Ergebnis aus dem aufgegebenen Geschäftsbereich Leasing aber noch 2 Millionen Euro Gewinn gemacht. Der Umsatz war wegen Reisebeschränkungen und Lockdowns in der Corona-Pandemie von 2,5 auf 1,5 Milliarden Euro eingebrochen.

Die weiterhin stabile Auslastung der Stadtbüros sowie die Bereiche Langzeitmiete und Auto-Abos hätten einen noch stärkeren Einbruch verhindert. Erich Sixt sagte, in Europa habe Sixt schwarze Zahlen erwirtschaftet und in den USA massiv investiert. „Mit dem Erwerb hochattraktiver Airport-Stationen in den USA haben wir unsere Internationalisierungsstrategie vorangetrieben“, sagte er. Das Auto-Abo-Angebot sei erfolgreich gestartet worden. Eine Prognose für das laufende Jahr gab er nicht. Er sei „vorsichtig optimistisch, dass wir nach dem Ende von Kontaktverboten und Reiserestriktionen wieder in einen Wachstumsmodus kommen werden“.

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