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Erste Ausfahrt im neuen VW Caddy

Autor / Redakteur: sp-x/cs / Christoph Seyerlein

Volkswagen hat sein Vielzweckauto Caddy nach vielen Jahren mit manchen Facelifts tatsächlich einmal komplett erneuert. Der auch bei Familien und Freizeitsportlern beliebte Hochdachkombi hat jetzt manche Ähnlichkeit zum Golf. Wir haben ihn getestet.

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Der neue VW Caddy startet bei 21.000 Euro (Cargo-Variante), respektive rund 25.000 Euro (Pkw-Version).
Der neue VW Caddy startet bei 21.000 Euro (Cargo-Variante), respektive rund 25.000 Euro (Pkw-Version).
(Bild: VW)

Mit so einem neuen Caddy hatte wohl niemand gerechnet. Die bisherigen Familien-Kombis oder Lieferwagen waren zwar stets überaus praktisch, galten aber gleichzeitig als seelenlose Langweiler. Stets fleißige Helfer auf dem Golf-Platz, die immer bereitstanden, auch Schweres zu schleppen, sich dabei aber unauffällig im Hintergrund hielten. „Caddys“ eben, der Name aus dem Sport wurde seit 1978 zum Programm.

Nicht falsch verstehen: Die Verkaufszahlen des Modells geben den VW-Strategen durchaus recht. Denn während andere Baureihen auch im Vertrieb schon mal unter Alterserscheinungen leiden, zeigt sich der aktuelle Caddy äußerst stabil. Die letzten vier Jahre war er immer für mehr als 30.000 Neuzulassungen in Deutschland gut, ohne große Ausschläge nach oben oder unten. Und auch im Corona-geplagten 2020 schlägt sich das Utility wacker: Per September registrierte das Kraftfahrt-Bundesamt 20.914 Neuzulassungen. Damit liegt der Caddy mit 6,7 Prozent vergleichsweise überschaubar hinter seinem Vorjahresniveau zurück.

Dennoch haben sich Ingenieure und Designer das kleinste Modell der Nutzfahrzeug-Abteilung von VW ernsthaft vorgeknöpft. Die erste echte Caddy-Premiere seit 17 Jahren, denn die Neuerungen seitdem waren eher Facelifts, vorsichtige Retuschen oder optische und technische Updates.

MQB macht Caddy zu einem völlig neuen Auto

Dem „MQB“ sei Dank: Der Unterbau mit Namen „Modularer Querbau-Kasten“, der zahlreiche Modelle des VW-Konzerns trägt, ist endlich auch im Caddy angekommen. Die Bauweise macht ihn zu einem völlig neuen Auto, bei dem die Freiheiten innen und außen voll ausgekostet werden.

Von vorne gesehen lächelt er schmallippig mit dem Grill von Golf und Co. Er blickt keck aus LED-Augen, präsentiert sich seitlich mit einer durchgehenden Gürtellinie, im unteren Bereich leicht nach innen gewölbten Türen und einem sanft gen Heck abfallenden Dach. Natürlich hat auch der Neue die beliebten hinteren Schiebetüren mit rahmenlosen Seitenfenstern. Besonders ins Auge sticht aber die große Heckscheibe, in der das VW-Logo scheinbar freischwebend eingebettet ist. Sie ist von den neuen Rückleuchten umrahmt, deren futuristische Gestaltung fast edel daherkommt.

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Schon das frische Erscheinungsbild weckt also Neugierde aufs Einsteigen und Losfahren. Von einem sachlichen Nutzfahrzeug ist die private Variante des Caddy auch im Innenraum so weit wie nie entfernt. Vertrautes Bild aus dem Golf 8 dank Digital-Cockpit, zentralem Monitor, dessen Bedienung manche bisherigen Tasten und Schalter überflüssig macht sowie eine zentrale Fläche links vom Lenkrad für Licht und Scheibenheizung. Weiterhin beeindruckend ist das Raumgefühl, obwohl der Caddy 2,5 Zentimeter flacher geraten ist. Was aber nicht weiter auffällt. Immer noch bietet der Caddy viel Kopffreiheit. Noch wichtiger dürfte vielen aber der Blick über die Schulter auf die Rücksitze sein. Dank Längenzuwachs von neun Zentimeter auf nunmehr 4.50 Meter genießen die Hinterbänkler üppige Beinfreiheit, da allein der Abstand zwischen den Achsen um sieben Zentimeter gestreckt wurde.

In unserem Test-Caddy werkelt die stärkere der beiden Dieselvarianten, mit denen der Neuling zunächst an den Start geht. 90 kW/122 PS mit modernster Abgastechnik, die per Druck auf den Startknopf erweckt werden. Kaum Dieselrasseln gelangt ans Ohr, die Dämmung scheint gelungen. Schon nach den ersten Metern fällt die neue Lenkung auf. Viel direkter als beim Vorgänger, ohne wilde Kurbelei auch um enge Ecken, leichtgängig und dennoch mit fühlbarem Kontakt zur Straße. Waren früher von Anschlag zu Anschlag drei volle Umdrehungen des Lenkrads nötig, kommt der neue Caddy mit einer halben weniger aus. Kleine Ursache, große Wirkung. Wer einen Benziner will, muss das 1,5 TSI-Triebwerk mit 114 PS nehmen. Später sollen noch Hybrid- und Erdgas-Varianten folgen.

Golf-Elemente auch bei der Hardware

Angenehm wie in einem normalen PKW ist auch die unauffällige Art, wie der Hochdach-VW Unebenheiten wegbügelt. Dabei ist er nach wie vor mit einer starren Achse unterwegs, die nun mal bei schweren Lasten nötig ist. Er dämpft aber jetzt anstatt mit robusten Blattfedern mit der zivileren Variante in Schraubenform, die Hinterachse übernahm zudem Elemente aus dem Golf.

Natürlich ist der Caddy vor allem wegen seiner Höhe kein Sportler, der den Kurven-Twist liebt. Wegen der wertvollen Nachwuchs-Fracht auf den Rücksitzen werden Papa und Mama wohl kaum den Hamilton oder die Flörsch in sich entdecken. Sollte es trotzdem mal für die nächste Biegung zu flott werden, greifen die zahlreiche Assistenten schnell ein. Im Datenblatt sind 19 verschiedene Systeme aufgezählt. Serienmäßig davon sind die Assistenten fürs Abbiegen, Spurhalten oder die Notbremsung.

Caddy setzt neue Maßstäbe

Ob im Stadtgewühl, der Fahrt ins Grüne über Landstraßen oder auf Autobahn-Langstrecke: Der Caddy des dritten Jahrzehnts des aktuellen Jahrhunderts wird wohl als angenehmes Reiseauto ebenso genutzt wie als Umzugshelfer oder Transporteur von allerlei Sportgerät. Stellt man fünf der möglichen sieben Sitze auf „Flach“ passen bis zu 2.556 Liter in den Raum hinter den Vordersitzen. Bald erscheint aber auch die Maxi-Version mit einem nochmals längeren Radstand und dem äußeren Gardemaß von 4,85 Metern. Sie hat auch breitere Schiebetüren, durch die sogar eine weitere Europalette passt.

Unterm Strich setzt der neue Caddy, der bei 21.000 Euro in der Cargo-Variante und rund 25.000 Euro in der Pkw-Version starten wird, wohl neue Maßstäbe in einer Klasse, die trotz des SUV-Booms nach wie vor gefragt ist. Nützlich war er schon vorher, musste aber optisch den durchaus stylischen Rivalen von Citroen oder Renault den Vortritt lassen. Jetzt setzt er zum Überholen an.

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