„Es wird keinen Golf-Gegner von Fiat geben“

Autor / Redakteur: Wolfgang Gomoll / Christoph Seyerlein

Fiat ist wieder auf Wachstumskurs. Konzern-Markenchef Olivier Francois offenbart seine Pläne für die Zukunft des italienischen Autobauers – insbesondere, wie er das Fabrikat von der Konkurrenz abheben will.

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Fiat-Markenchef Olivier Francois blickt optimistisch in die Zukunft.
Fiat-Markenchef Olivier Francois blickt optimistisch in die Zukunft.
(Bild: Fiat)

Die letzten Monate verliefen vergleichsweise gut für Fiat: Mit neuen Produkten wie dem lang erwarteten 124 Spider, dem Pickup Fullback oder dem Tipo gibt der Autobauer kräftige Lebenszeichen. Vor allem mit dem Tipo gelang den Italienern ein Befreiungsschlag, denn der Kompaktwagen findet in Europa viel Anklang. Der Kombi, der unlängst in den Kampf um die Geldbörsen der Kunden eingegriffen hat, soll die Bilanz noch verbessern.

Mit dem Kompaktwagen ist den Italienern ein Überraschungs-Coup gelungen, denn er schickt sich an, die Nische der Preis-Leistungs-Autos zu besetzen, die Skoda sukzessive verlässt. „Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass ich mit dem momentanen Geschäftsverlauf unzufrieden bin“, strahlt Fiat-Markenchef Olivier Francois.

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Trotzdem nehmen die Italiener gerade wieder etwas den Fuß vom Gas. Einen neuen Punto wird es nächstes Jahr nicht geben. Auch einem Italo-Golf erteilt der Manager eine Absage. „Wir sind Fiat, nicht Volkswagen. Wir müssen unseren Werten treu bleiben.“ Die Definition, welche das sind, bleibt Francois nicht lange schuldig: „Was Fiat speziell macht, ist die Fähigkeit, bezahlbare Autos anzubieten, die auf die Bedürfnisse der Kunden zugeschnitten sind.“ Auch eine große Mittelklasse-Limousine wird nicht am italienischen Horizont erscheinen. „Wir sind eine Klein- und Kompaktwagenmarke“, stellt der Fiat-Mann klar.

Das Symbol und gleichzeitig Verkaufsdauerbrenner dieses Bekenntnisses ist der Fiat 500. Doch bis eine neue Generation der Ikone die Herzen der Kleinwagenfreunde erwärmt, wird noch viel Wasser den Po hinunterfließen. Aller Voraussicht nach wird der neue Cinquecento erst 2019 im Scheinwerferlicht strahlen.

Emotion und Vernunft im Angebot

In Olivier Francois‘ Fiat-Welt sind die Produkte in schwarz und weiß unterteilt. Auf der dunklen Seite der italienischen Macht stehen die emotionalen Produkte, wie 124 Spider und der Fiat 500, von dem es auch eine Jet-Set-Version gibt, die Anleihen bei den schicken Riva-Booten nimmt – edles Mahagoni-Holz inklusive.

Zur weißen Seite zählen die Vernunftautos, wie eben der Tipo eines ist. Klingt alles ganz stimmungsvoll. Doch bei genauerem Hinsehen wird doch der eine oder andere Riss im Gebälk der Turiner Marken-Prachtvilla, die der Fiat-Chef illustriert, sichtbar. Bei der Qualität hakt es nach wie vor. „Fiat rangiert in unseren Qualitäts- und Kundenzufriedenheits-Studien im letzten Drittel“, stellt Axel Sprenger, Europachef des renommierten Marktforschungs-Institutes J.D. Power fest. Dass die Basis-Version des Tipo beim Euro-NCAP-Test mit lediglich drei von fünf Sternen abgeschnitten hat, ist ebenfalls kein Ruhmesblatt.

Schulden drücken Fiat nach wie vor

Finanziell lockern sich die Fesseln nur langsam. Auch wenn Fiat im letzten Halbjahr mehr Geld verdient hat, hemmen den FCA-Konzern doch nach wie vor Schulden – gerade bei der Entwicklung von Zukunftstechnologien. „Fiat hat im Bereich der alternativen Antriebstechnologien ein Problem. Bei der Innovationsstärke im Bereich E-Mobilität liegt der Konzern im Vergleich der 19 globalen Automobilkonzerne auf den hinteren Rängen. Auch in den wichtigen Zukunftsfeldern Connected Car und Elektromobilität fährt FCA hinterher“, stellt der Automobil-Experte Stefan Bratzel fest, dessen Institut Center of Automotive Management (CAM) die Innovationskraft der Automobil-Hersteller in regelmäßigen Abständen untersucht.

Doch da ist Oliver Francois nicht bange. Für Fiats Markenchef sind Autos wie der VW ID, der auf dem Pariser Autosalon die Besucher anzog, reine Zukunftsprotzerei. „Wir können diese Sachen auch und werden sie zeigen, wenn die Zeit reif dafür ist“, trommelt Francois und verweist auf den Fiat 500e und die Plug-in-Hybrid-Version des Familien-Vans Chrysler Pacifica, der in den USA verkauft wird. Für den Fiat-Mann ist klar, dass die Marke nur die Autos verkauft, die auch Profit versprechen. Bloße Prestigemodelle mit Strahlkraft müssen da hinten anstehen.

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