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EU will Abschaltung von Assistenzsystemen erschweren

Autor / Redakteur: Nick Luhmann / Jens Rehberg

Laut „Auto Motor und Sport“ schalten Autofahrer einzelne Funktionen der Assistenzsysteme immer häufiger ab. Darauf will die EU offenbar mit konkreten technischen Vorgaben reagieren.

(Bild: ProMotor/Volz)

Die EU will offenbar das einfache Abschalten von Assistenzsystemen per Tastendruck abschaffen. Darüber berichtet die „Auto Motor und Sport“ in ihrer aktuellen Ausgabe, die am Donnerstag erschienen ist.

Eigentlich sollen Assistenzsysteme den Straßenverkehr ja sicherer machen. Doch nach Beobachtung der Zeitschrift schalten Autofahrer einzelne Funktionen der Assistenzsysteme immer häufiger ab. Der Grund: Die Systeme greifen zum Teil gravierend ins Fahrgeschehen ein und irritieren den Fahrer. Spurhaltesysteme zerren unnötig an der Lenkung, Tempomaten übernehmen falsche Geschwindigkeiten, Pre-Safe-Programme schocken mit Fehlauslösungen.

Bei schlechten Fahrbahngegebenheiten, schlechtem Wetter und Dunkelheit nehmen fehlerhafte Eingriffe zu. Das zeigt ein Vergleichstest der Zeitschrift mit sechs Fahrzeugen. Getestet hat Auto Motor und Sport die Assistenzsysteme im Audi A6 Avant, BMW 3er, Kia Niro, Mercedes-A-Klasse, Porsche Cayenne und Volvo V90.

Das Ergebnis: Im Hellen, bei guten Wetter- und Straßenverhältnissen, guten Markierungen und übersichtlichen Beschilderungen kommen die Assistenzsysteme meist gut zurecht, wenngleich es auch da Schwächen gibt. So schaltet sich die aktive Lenkunterstützung des Volvo bei mehr als 130 km/h und in Kurven oft unvermittelt ab. Andere Systeme greifen beim Überfahren von Markierung recht harsch ins Fahrgeschehen ein oder müssen mit hohem Kraftaufwand vom Fahrer übersteuert werden.

Nicht zuverlässig funktioniert die Verkehrszeichenerkennung. Bei manchen Modellen wie dem Audi A6 wird die Kameraerkennung durch Cloud- und Navigationsdaten überstimmt, die aber nicht immer aktuell sind. Bei schwierigen Bedingungen werden Markierung oder Grenzsteine kaum oder gar nicht mehr erkannt, ebenso Verkehrsschilder.

In der A-Klasse von Mercedes steigt in starken Kurven die Lenkhilfe unvermittelt aus. Noch irritierender sind die Bremseingriffe, wenn das Fahrzeug die Spur verlässt. Dabei greift das Mercedes-System trotz gleicher Testbedingungen unterschiedlich ein. Manchmal erfolgt nur ein leichter Lenkeingriff, dann bremst der Wagen ab, beim nächsten Mal ignoriert das System die Abweichung. Kein Wunder also, dass Autofahrer zunehmend Teile der Assistenzsysteme nicht nutzen wollen.

Pauschalabschaltung soll unterbunden werden

Hier will Brüssel offenbar mit konkreten Maßnahmen gegensteuern – lässt sich dafür aber Zeit. Laut dem Bericht müssen Autofahrer in der EU ab dem 6. Juli 2022 die Abschaltung in neuen Modellen zusätzlich bestätigen, zwei Jahre später betrifft die Regeländerung alle neu zugelassenen Pkw.

Schlimmer noch: Diese Abschaltungen dürfen damit nicht mehr dauerhaft gelten, sondern müssen bei jeder Fahrt erneut eingegeben und bestätigt werden. Und auch die Abschaltung mehrerer oder gar aller Assistenten über einen Taster, wie das mehrere Hersteller anbieten, soll verboten werden. Künftig müssen alle unerwünschten Assistenten einzeln und nacheinander abgeschaltet werden.

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