Europäer an E-Fahrzeugen interessiert

Redakteur: Johannes Büttner

Eine Studie der Commerz Finanz GmbH sieht gute Marktchancen für Elektrofahrzeuge. Deutsche Kfz-Betriebe könnten von höherer Kundenbindung und großem Vertrauen in ihre Servicekompetenz profitieren.

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Europäische Autofahrer zeigen prinzipiell ein großes Interesse an E-Fahrzeugen.
Europäische Autofahrer zeigen prinzipiell ein großes Interesse an E-Fahrzeugen.
( Archiv: Vogel Business Media )

Europäische Autofahrer sind von den Vorteilen elektrisch angetriebener Pkw überzeugt: 56 Prozent von ihnen zeigen ein grundsätzliches Kaufinteresse. Als Hemmschwellen erweisen sich allerdings noch die hohen Anschaffungspreise und die begrenzte Reichweite der E-Fahrzeuge. Zu diesem Ergebnis kommt das Europa Automobilbarometer 2012 der Commerz Finanz GmbH, in deren Auftrag das Marktforschungsunternehmen BIPE 6.000 Verbraucher aus zehn europäischen Ländern befragt hat.

60 Prozent der Europäer sind laut Studie davon überzeugt, dass der Elektroantrieb ökologische Vorteile biete. Skeptischer sind in diesem Punkt die Deutschen: Nur 48 Prozent von ihnen glauben, dass ein E-Auto umweltverträglicher ist als eines mit konventionellem Antrieb. Kaum umstritten ist die Tatsache, dass die Stromer wesentlich leiser unterwegs sind. 94 Prozent der Europäer (87 Prozent der Deutschen) versprechen sich von E-Fahrzeugen eine niedrigere Lärmbelästigung und damit verbunden ein höheres Fahrvergnügen und weniger Stress. Allerdings befürchten zwei Drittel der Deutschen, dass dies mit einer größeren Gefährdung von Fußgängern einhergehe, die sich auf Verkehrsgeräusche verlassen.

Zu den ökonomischen Pluspunkten eines elektrischen Pkw zählen aus Sicht der Verbraucher geringere Nutzungskosten und weniger Wartungsarbeiten im Vergleich zu Pkw mit Verbrennungsmotor. Fast zwei Drittel der Europäer sind der Meinung, dass Elektroautos diese Kosten senken. Dagegen erwarten nur 45 Prozent der Deutschen, dass die Nutzungskosten von E-Autos niedriger sind.

Reichweite der Batterie entscheidend

Bevor sich Elektroautos europaweit durchsetzen können, muss noch an zwei Stellschrauben gedreht werden. Eine davon ist die Reichweite der Batterien. Auch wenn die Europäer generell Kurzstreckenfahrer sind, ist die Angst vor dem Stehenbleiben ausgeprägt. Über die Hälfte (55 Prozent) der Europäer ist erst dann bereit, sich ein Elektroauto anzuschaffen, wenn die Reichweite der Batterie über 250 Kilometer beträgt. Die Deutschen sind hier besonders anspruchsvoll: Obwohl drei Viertel von ihnen im Alltag nur Kurzstrecken unter 50 Kilometern fahren, fordern 70 Prozent der Befragten eine Reichweite von mindestens 250 Kilometern. Außerdem lehnen sie lange Ladezeiten ab.

Die zweite Stellschraube sind die hohen Anschaffungskosten. Knapp zwei Drittel der Europäer (in Deutschland sogar 68 Prozent) gehen von höheren Preisen aus; aber 49 Prozent (Deutschland: 54 Prozent) akzeptieren persönlich keine Mehrkosten. Einen Ausweg aus diesem Dilemma könnten Subventionen durch die öffentliche Hand bieten: 61 Prozent der Bundesbürger sind der Meinung, der Staat sollte Elektromobilität stärker fördern.

Veränderungen für Handel und Service

Erheblich verändern dürfte sich langfristig das Berufsbild des Automobilverkäufers. „Das Interesse der Verbraucher an elektrischer Mobilität wächst. Da Motor und Funktionsweise deutliche Unterschiede zu herkömmlichen Pkw aufzeigen, verändern sich die Erwartungen an den Handel. Dieser muss die Autoverkäufer schulen, um das Konzept der Elektromobilität und das Prinzip des E-Autos kompetent zu erklären“, sagt Bernd Brauer, Bereichsleiter Caravan, Auto, Motorrad der Commerz Finanz GmbH. Die umfangreiche Beratungsleistung der Verkäufer dürfte sich laut Studie für die Autohäuser in einer höheren Kundenbindung niederschlagen. 85 Prozent der Deutschen erwarten, dass E-Autos die Markenbindung der Kunden steigern.

Großes Vertrauen setzen die Deutschen in die Qualität ihrer Kfz-Fachwerkstätten: Drei Viertel gehen davon aus, dass die derzeitigen Servicebetriebe künftig in der Lage sein werden, auch E-Autos zu warten – der absolute Spitzenwert im internationalen Vergleich. Im europäischen Durchschnitt vertreten nur 49 Prozent der Befragten diese Ansicht.

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