Europäische Autoindustrie erwartet 2020 Absatzeinbruch um 25 Prozent

Autor: Andreas Wehner

Die im Frühjahr in der Corona-Krise erlittenen massiven Verluste auf dem europäischen Pkw-Markt lassen sich nach Einschätzung des Herstellerverbands Acea in diesem Jahr nicht mehr aufholen. Die Nachfrage müsse dringend angekurbelt werden, fordert der Verband.

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(Bild: Seyerlein/»kfz-betrieb«)

Die Autoindustrie rechnet in diesem Jahr mit einem Absatzeinbruch von 25 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Die Zahl der Neuzulassungen dürfte um etwa 3,2 Millionen Einheiten auf rund 9,6 Millionen Pkw sinken, wie der europäische Herstellerverband Acea am Dienstag mitteilte. Das wäre der niedrigste Wert seit 2013 – und entspräche gleichzeitig einem nie dagewesenen Einbruch.

Zwischen Mitte März und Mai waren die europäischen Pkw-Verkäufe massiv zurückgegangen. Im bisherigen Gesamtjahr steht somit ein Minus von 41,5 Prozent in der Bilanz. Mit den inzwischen in vielen europäischen Ländern eingeführten Lockerungen der Anti-Corona-Maßnahmen werde jedoch eine Entspannung erkennbar. Dennoch seien die Verluste nicht schnell wieder aufzuholen. Daher fordert Acea wirksame Maßnahmen der EU und der einzelnen Mitgliedsstaaten, um die Pkw-Nachfrage wieder anzukurbeln.

Einen Rückgang des europäischen Automarkts um etwa ein Viertel hatte zuvor schon das Beratungsunternehmen EY prognostiziert und gleichzeitig vor weiteren Auswirkungen der Krise über das Jahr 2020 hinaus gewarnt. „Wir werden in Europa mittelfristig mit massiven Überkapazitäten umgehen müssen, denn auch im kommenden Jahr wird die europäische Wirtschaft noch mit den konjunkturellen Nachwehen dieser Krise kämpfen – selbst wenn die Pandemie dann vorüber sein sollte“, so die Einschätzung des EY-Experten Peter Fuß. Eine hohe Arbeitslosigkeit, Insolvenzen und sinkende Unternehmensgewinne werden sich seiner Ansicht nach noch lange auf den Neuwagenmarkt auswirken.

Für den deutschen Markt erwarten die Berater im Gesamtjahr ein Minus von 20 Prozent – unter der Voraussetzung, dass es gelingt, die Ausbreitung des Virus weiter einzudämmen und eine mögliche zweite Welle zu verhindern. In Deutschland waren die Neuzulassungen in den ersten fünf Monaten 2020 verglichen mit dem Vorjahreszeitraum um 35 Prozent gesunken.

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Redakteur im Ressort Newsdesk bei »kfz-betrieb«