Pkw-Neuzulassungen Europäischem Automarkt fehlt ein Viertel des früheren Volumens

Autor Andreas Grimm

Die Zulassungszahlen haben sich im März und damit in vielen Ländern auch im gesamten ersten Quartal erholt. Von alter Stärke ist die Nachfrage aber weit entfernt. Die kurzfristige Prognose fällt recht verhalten aus.

Der Pkw-Neuwagenmarkt in Westeuropa hat im März deutlich angezogen und bleibt dennoch vergleichsweise schwach.
Der Pkw-Neuwagenmarkt in Westeuropa hat im März deutlich angezogen und bleibt dennoch vergleichsweise schwach.
(Bild: VW)

Der europäische Automarkt ist im März trotz anhaltenden Lockdowns in der Corona-Pandemie stark gewachsen. Nach Angaben des europäischen Herstellerverbands Acea vom Freitag, wurden im vergangenen Monat in den Staaten der EU, der Efta und in Großbritannien gut 1.387.924 Pkw neu zugelassen. Das waren 62,7 Prozent mehr als im Vorjahresmonat. Damals war der Automarkt allerdings am Beginn der Corona-Pandemie europaweit um 52 Prozent eingebrochen.

Beim länger zurückreichenden Vergleich zeigt sich, dass der Automarkt im März keineswegs auf Vorkrisenniveau ist: Im März 2019 zählte Acea noch 1,77 Millionen Neuwagen. Die aktuellen März-Neuzulassungen liegen gleichwohl deutlich über den Werten der beiden ersten Monate des Jahres. Der Verband sieht darin erstmals wieder eine Trendumkehr. Zu hoch sollte man die Erwartungen allerdings nicht hängen. „Die erhoffte Erholung auf dem EU-Neuwagenmarkt lässt weiter auf sich warten“, sagte Peter Fuß, Autoexperte der Unternehmensberatung EY. Er sieht allenfalls „zaghafte Erholungstendenzen“.

Betrachtet man das erste Quartal, weist die Acea-Statistik ein minimales Zulassungsplus gegenüber dem Startquartal 2020 aus. Aktuell wurden von Januar bis März 3,08 Millionen Pkw neu zugelassen – 0,9 Prozent mehr als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Auch hier gibt der Vergleich zum Startquartal 2019 wirklichen Aufschluss über die Krise: Damals waren 4,15 Millionen Neuwagen auf die Straßen gekommen. In diesem Vergleichshorizont hängen die Verkaufszahlen also noch ein Viertel zurück.

Mit Ausnahme der Niederlande legten im vergangenen Monat die Automärkte in allen von der Statistik erfassten Ländern zu. Vier der fünf größten Automärkte verzeichneten dabei erhebliche Zuwächse: Statistisch am besten sah es in Italien mit einem Plus von 497 Prozent aus, gefolgt von Frankreich mit plus 192 Prozent und Spanien mit 128 Prozent Zuwachs. In Deutschland betrug das Plus knapp 36 Prozent. In Großbritannien legten die Verkäufe nur 11 Prozent zu.

Zumindest kurzfristig dürften sich die Zulassungszahlen weiter erholen, da im Vorjahr die Zulassungen im April noch stärker eingebrochen waren als im März. Die weitere Entwicklung wird aber nicht zuletzt vom Fortlaufen der Corona-Krise und ihren weiteren konjunkturellen Auswirkungen, den Fortschritten bei den Impfkampagnen in den EU-Ländern und der Aufhebung der Lockdowns abhängen.

Vorerst werde die Lage kritisch bleiben, erwartet EY-Fachmann Fuß: „Der Anstieg der Infektionszahlen in vielen europäischen Ländern und die stockenden Impfkampagnen machen alle Hoffnungen auf eine kurzfristige Erholung des Neuwagenmarktes zunichte.“ Inzwischen drohten sogar neue, schärfere Einschränkungen. Er sieht frühestens zur Jahresmitte eine echte Normalisierung und Aufwärtsentwicklung. Unklar sei allerdings, zu welchen nachhaltigen strukturellen Schäden die Pandemie geführt habe. „Mittelfristige Wirtschaftsprognosen sind derzeit mit enormen Unsicherheiten behaftet – und das gilt auch für Prognosen in Bezug auf den Neuwagenmarkt.“

In den beiden anderen großen Pkw-Absatzregionen ist die Lage weniger dramatisch. Nach Angaben des Verbands der Automobilindustrie verzeichnen China und die USA jeweils ein Minus von nur 3 Prozent im Vergleich zum ersten Quartal 2019.

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