Europäischer Automarkt bricht im September ein

Autor: Andreas Grimm

Nach der WLTP-Umstellung ist der Neuwagenmarkt in Europa erwartungsgemäß abgesackt. Doch hinter den September-Zahlen verbergen sich weitere schlechte Nachrichten für das Diesel-Segment und für E-Fahrzeuge.

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In Deutschland ging die Zahl der Neuzulassungen im September um 30,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat zurück.
In Deutschland ging die Zahl der Neuzulassungen im September um 30,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat zurück.
(Bild: Grimm / »kfz-betrieb«)

Der europäische Automarkt hat im September in Folge der neuen EU-Abgasregeln einen starken Einbruch verzeichnet. Die Zahl der Neuzulassungen in den 30 Staaten der EU und der Efta sei im Jahresvergleich um 23,4 Prozent auf 1,12 Millionen Pkw gesunken, teilte der Branchenverband Acea am Mittwoch in Brüssel mit. In Europa gilt das neue Abgas- und Prüfverfahren WLTP seit dem 1. September.

Zusammengenommen sorgte die anhaltend hohe Nachfrage jedoch für ein Absatzplus in den ersten neun Monaten des Jahres. Seit Jahresanfang wurden 12,3 Millionen Autos abgesetzt, ein Plus von 2,3 Prozent. Besonders stark war in diesem Zeitraum das Wachstum in Osteuropa (+12 %), während es in den alten EU-Ländern nur um 1,6 Prozent aufwärts ging. In den drei Efta-Staaten Island, Norwegen und der Schweiz ist der Absatz sogar rückläufig (-3,6 %).

Zwar war der Einbruch vorherzusehen und ist durch die WLTP-Umstellung auch erklärbar, dennoch sieht Peter Fuß, Autoexperte der Wirtschaftsberatung EY, anhaltende Verwerfungen im Markt. „Die Flaute wird voraussichtlich auch im Oktober noch anhalten“, schreibt er in einer Analyse. Bis Ende des Jahres werde sich die Situation wieder normalisiert haben.“

Unter dem Eindruck der WLTP-Neuerung ging die Nachfrage im September in einigen osteuropäischen Ländern wie Rumänien besonders stark zurück. Aber auch in großen Märkten wie Spanien (-17,0 %) und Frankreich (-12,8 %) sank sie klar zweistellig. In Deutschland lag der Rückgang mit 30,5 Prozent über dem Durchschnitt.

Unter den deutschen Autobauern verzeichnete der Volkswagen-Konzern mit einem Minus von rund 48 Prozent besonders starke Einbußen. Bei der Marke Volkswagen fiel der Rückgang dabei konzernintern überdurchschnittlich stark aus. Die Marke Porsche sackte in den Zulassungen gar um mehr als zwei Drittel ab.

Die BMW Group büßte dagegen mit einem Minus von 8,8 Prozent nur vergleichsweise moderat ein, und für Daimler ging es 12,0 Prozent bergab. Für den vom französischen Hersteller PSA übernommenen Autobauer Opel wies der Branchenverband zusammen mit Vauxhall ein Minus von 11,6 Prozent aus.

Weiterhin problematisch ist die Situation des Diesels in Europa. Laut der EY-Analyse brachen die Diesel-Neuzulassungen im September in den fünf größten EU-Märkten (Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Italien und Spanien) um 40 Prozent ein. Der Gesamtrückgang des Marktes in diesen Ländern lag dagegen nur bei 22 Prozent. Der Diesel-Marktanteil rutschte damit auf nur noch 33,6 Prozent ab, nachdem er sich zuletzt bei rund 37 Prozent stabilisiert hatte.

Gleichzeitig hat die Wachstumsdynamik bei Elektrofahrzeugen spürbar nachgelassen: Waren die E-Neuzulassungen im ersten Halbjahr in den fünf großen Märkten noch um 33 Prozent gestiegen, schrumpfte das Plus im dritten Quartal auf 21 Prozent – im September waren es letztlich sogar nur 12 Prozent.

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Redakteur, Redaktion »kfz-betrieb«