Europäischer Gerichtshof schmettert Pkw-Maut in Deutschland ab

Autor / Redakteur: dpa / Christoph Seyerlein

Die Pkw-Maut kann in ihrem jetzigen Entwurf in Deutschland nicht wie geplant im Oktober 2020 eingeführt werden. Der EuGH hält das ausgearbeitete Konzept für rechtswidrig. Besonders für die CSU ist das Urteil ein derbe Schlappe.

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(Bild: Aktion gegen die Pkw-Maut vor dem Reichstag / Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen / CC BY 2.0)

Die Pkw-Maut in Deutschland ist nach einem Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) rechtswidrig. Sie sei mit europäischem Recht unvereinbar, erklärten die obersten EU-Richter am Dienstag in Luxemburg. Die Einführung der Maut nach dem jetzigen Modell ist damit nicht möglich.

Die Maut war vor allem ein Prestigeprojekt der CSU in der Bundesregierung. Sie sollte auf Bundesstraßen und Autobahnen ab Oktober 2020 kassiert werden. Inländische Autobesitzer sollten im Gegenzug für Mautzahlungen durch eine geringere Kfz-Steuer komplett entlastet werden. Fahrer aus dem Ausland sollen nur für Autobahnen zahlen.

Die Maut war in Deutschland 2015 beschlossen worden. Die EU-Kommission gab ihre Bedenken nach langem Ringen und leichten Änderungen 2016 auf. Österreich gab sich damit jedoch nicht zufrieden und zog vor Gericht. Die Alpenrepublik argumentierte, die sogenannte Infrastrukturabgabe diskriminiere verbotenerweise ausländische Fahrzeugbesitzer, weil inländische Autobesitzer über die Kfz-Steuer voll entlastet würden. Bei der Klage wurde Österreich von den Niederlanden unterstützt.

Richter halten Vorhaben für diskriminierend

Die Luxemburger Richter führten nun weiter an, die Abgabe sei diskriminierend, weil ihre wirtschaftliche Last praktisch ausschließlich auf den Haltern und Fahrern von in anderen EU-Staaten zugelassenen Fahrzeugen liege. Sie verstoße zudem gegen die Grundsätze des freien Warenverkehrs und des freien Dienstleistungsverkehrs im EU-Binnenmarkt.

Nach Abzug der Kosten sollte die Maut laut Verkehrsministerium etwa 500 Millionen Euro pro Jahr für Investitionen in die Verkehrsinfrastruktur einbringen. An den Zahlen gab es allerdings Zweifel.

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) bezeichnete das Urteil als „herben Rückschlag“, Horst Seehofer (CSU) nannte es „schade“. Man müsse Gerichtsurteile akzeptieren, aber nicht verstehen, so der Bundesinnenminister weiter. Scheuer bildete unmittelbar nach der Entscheidung eine Task Force zur Bewältigung der finanziellen und organisatorischen Folgen. Sein Ministerium hatte sich aus der Maut Zusatzeinnahmen von einer halben Milliarde Euro jährlich versprochen.

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