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Eurotax-Studie: Alternative Antriebe sind nicht zu bremsen

Redakteur: Gerd Steiler

Laut einer aktuellen Eurotax-Studie wird bis zum Jahr 2020 fast jeder vierte Pkw auf Deutschlands Straßen von einem Hybrid- oder Elektromotor angetrieben.

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Alternative Antriebe werden im kommenden Jahrzehnt stark an Bedeutung gewinnen. Bis zum Jahr 2020 werden laut EurotaxSchwacke in jedem jahr rund drei Millionen Neufahrzeuge auf Deutschalnds Straßen kommen. Fast jeder vierte Pkw wird 2020 von einem Hybrid- oder Elektromotor angetrieben (Details siehe Bildergalerie). Dies ist das Ergebnis der Studie „Alternativ angetriebene Fahrzeuge in Europa“, die von EurotaxSchwacke und dem Prognoseinstitut BDW Automotive am Donnerstag in Berlin vorgestellt wurde.

Den Expertenschätzungen zufolge wird der Anteil von Vollhybriden und Elektromodellen an den Neuzulassungen in Deutschland von derzeit einem Prozent (27.000 Einheiten) auf über zwölf Prozent (370.000 Einheiten) bis 2015 und sogar 23 Prozent (671.000 Einheiten) im Jahr 2020 steigen. Damit sei das Ziel der Bundesregierung, bis 2020 eine Millionen Fahrzeuge mit Elektroantrieb auf die Straßen zu bringen erreichar – eine wesentliche Bedingung dafür sei allerdings die in Deutschland bisher fehlende staatliche Förderung.

Bildergalerie

Bis zu 400.000 Vollhybrid-Autos sollen in zehn Jahren auf dem deutschen Markt verkauft werden. Damit stiege deren Marktanteil von derzeit mageren 0,2 Prozent auf bis zu 14 Prozent im Jahr 2020. Bezogen auf die Stückzahl würden die meisten Hybrid-Modelle im Segment der Unteren Mittelklasse (123.000 Einheiten) verkauft. Den höchsten Verkaufsanteil von bis zu 82 Prozent erreiche der Vollhybrid-Antrieb bis 2020 allerdings im Sportwagensegment. Insgesamt rechnen die Marktexperten mit einer relativ hohen Akzeptanz dieses alternativen Antriebskonzeptes in Deutschland im Vergleich zu anderen europäischen Ländern.

E-Autos: Über 10 Prozent Marktanteil

Der Marktanteil von Elektrofahrzeugen in den fünf großen europäischen Automärkten wird der Studie zufolge innerhalb der nächsten zehn Jahre auf etwa neun bis 13 Prozent steigen. Das wären insgesamt zwischen 1,0 und 1,6 Millionen Fahrzeuge. Dieses Wachstumsszenario sei allerdings nur dann realistisch, sofern entsprechende Garantien und Leasinglösungen von Herstellern vorlägen und die nationalen Regierungen den Kauf von E-Autos nachhaltig subventionierten.

„Deshalb empfiehlt EurotaxSchwacke den Herstellern von E-Autos, ihre Kunden durch Garantie- und Leasinglösungen mindestens acht Jahre lang sorgenfrei fahren zu lassen“, heißt es. Dadurch würden die finanziellen Risiken eines Batterieaustausches (Kosten rund rund 10.000 Euro) deutlich minimiert, die Restwerte der Elektro-Flitzer gesteigert und die Marktakzeptanz beim Kunden weiter gefestigt. General Motrors hat bereits angekündigt, eine solche Achtjahresgarantie für die Akkus des Volt zu geben.

Die jährlichen Zulassungszahlen von E-Autos in Deutschland sollen nach Expertenschätzungen bis 2015 auf etwa 100.000 Einheiten anwachsen, ab 2020 könnten dann zwischen 250.000 und 375.000 Elektrofahrzeuge pro Jahr in Deutschland verkauft werden. Laut Studie werden dann etwa 26 bis 39 Prozent aller Minis von einem Elektromotor angetrieben. In der unteren Mittelklasse werde der Verkaufsanteil von Elektroautos mit etwa sechs bis neuen Prozent zwar deutlich niedriger liegen. Das absolute Verkaufsvolumen sei mit bis zu 160.000 Einheiten jährlich allerdings höher als im Mini-Segment.

GW-Markt bleibt „skeptisch“

Modelle mit den alternativen Antrieben Erd- und Autogas konnten laut Studie in den vergangenen Jahren kaum höhere Gebrauchtwagenpreise erzielen als herkömmlich motorisierte Benzin- oder Diesel-Pkw. Gebrauchte Vollhybrid-Fahrzeuge, die bisher nur von Toyota (Prius) und Lexus (RX, GS) erhältlich waren, hätten es als dreijähriges Modell dagegen auf bis zu 4.800 Euro höhere Preise im Vergleich zu entsprechenden Benzinern gebracht. Wegen der höheren Listenpreise der Hybridmodelle lägen die prozentualen Restwerte jedoch nur maximal vier Prozentpunkte über denen vergleichbarer Benzinmodelle.

Die Studie zeigt auch, dass sich die Restwerte von Gasmodellen bis zum Jahr 2015 deutlich verbessern könnten. Hierfür gebe es vor allem zwei Gründe: erstens die Steuervergünstigung für Gasmodelle (zunächst bis 2018 befristet), zweitens die gegenüber Benzin und Diesel voraussichtlich weniger stark steigenden Kraftstoffpreise.

Erfolg nur bei staatlicher Unterstützung

Bei den Vollhybrid-Modellen erwartet EurotaxSchwacke die kontinuierliche Steigerung ihrer Restwerte bis zum Jahr 2020. Die effiziente Kombination von Diesel- und Elektromotor werde zu einem wesentlich geringerem Verbrauch führen und beschere so Vollhybrid-Dieselmodellen mittelfristig die höchsten Restwerte.

Reine Elektroautos dagegen würden wegen ihres „außergewöhnlich hohen“ Listenpreises, der bislang „fehlenden staatlichen Unterstützung beim Kauf“ und „geringer Reichweiten“ nicht annähernd das gleiche prozentuale Restwertniveau erreichen wie herkömmliche Benzin- oder Dieselmodelle. So prognostiziert die Studie bis zum Jahr 2015 für dreijährige Elektrofahrzeuge (Restwert 31 Prozent) gegenüber gleichaltrigen Benzinmodellen (Restwert 43 Prozent) einen um bis zu 28 Prozent niedrigeren Restwert.

„Die erreichbaren nominalen Gebrauchtwagenpreise für Elektromodelle sollten allerdings die aller anderen Antriebsarten übersteigen, da Elektrofahrzeuge die niedrigsten Betriebskosten aufweisen und Gebrauchtwagenkäufer deshalb auch bereit sein werden, einen Mehrpreis gegenüber dem durchschnittlichen Gebrauchtwagenpreis zu zahlen“, heißt es in der Studie abschließend.

E-Autos dürfen maximal zehn Prozent teuerer als Benziner sein

Die proognostizierten Zahlen für reine Elektroautos werden laut EurotaxSchwacke aber nur eintreten, wenn folgende Bedingungen erfüllt sind:

1. Der Neuwagenpreis von E-Fahrzeugen darf inklusive Batterie höchstens zehn Prozent über dem vergleichbarer konventioneller Pkw liegen. Dies kann nach Ansicht der Forscher am Anfang nur durch staatliche Subventionen von etwa 5.000 € pro E-Mobil erreicht werden.

2. Es muss genügend Schnellladestationen an Fernstraßen zum Weiterkommen geben, sowie Parkplätze mit Ladesäulen vor Hotels, Flughäfen, Einkaufszentren.

3. In der Alltagstauglichkeit dürfen die E-Mobile von ihren Nutzern keine Kompromisse abverlangen!

4. Unterhaltskosten und Wertverlust zusammen (Total Cost of Ownership) müssen auf dem Niveau der bisherigen Autos liegen.

Um die Ziele in Bezug auf die Zahl der Elektrofahrzeuge und auf die EU-Vorgaben bezüglich der CO2-Emissionen zu erreichen, werde der Bundesregierung gar nichts anders übrig bleiben, als in die Subventionstasche zu greifen, ist sich Michael Bergmann, EurotaxSchwacke-Geschäftsführer, sicher. Genauso sicher geht er davon aus, dass diese Subventionen fließen, sobald die deutschen Hersteller E-Mobile liefern können.

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