Expertenfazit: „Mehr Getriebe, mehr Reichweite“

Getriebebranche bereitet sich auf die E-Mobilität vor

08.12.2011 | Autor: Jan Rosenow

Alljährlich Anfang Dezember treffen sich die Getriebetechniker aus Auto- und Zulieferbranche beim Internationalen Getriebesymposium in Berlin. Rund 900 Teilnehmer aus aller Welt tauschten sich über die aktuellen Trends aus, wobei das dominierende Thema einmal mehr der Weg in die elektrische Mobilität war – und was das für die herkömmliche Antriebstechnik bedeutet.

Eines vorweg: Die Zeiten, in denen die Getriebetechniker den Elektroantrieb als Feindbild sahen, weil er ihnen angeblich die Beschäftigungsgrundlage raubt, sind vorbei. Zum einen, weil sich das Fahren mit Strom nicht einmal ansatzweise so schnell und flächendeckend durchsetzen wird, wie manche Blütenträume anfangs vorspiegelten. Und zweitens, weil selbst ein Elektromotor noch effizienter arbeitet (und damit die Batterie etwas länger hält), wenn er mit einer Schaltbox zusammenarbeiten darf. „Mehr Getriebe im E-Auto – das bedeutet mehr Reichweite und weniger CO2-Emissionen“, rief Rolf Najork, Leiter Getriebeentwicklung beim Autozulieferer Schaeffler, den Teilnehmern zu.

Kein Showdown zwischen den Antrieben

Zwar kommt der Elektromotor prinzipiell sehr gut ohne Wechselgetriebe und Kupplung aus. Doch Untersuchungen von Schaeffler zeigen, dass schon eine simple Zweigangbox die Reichweite mit einer Batterieladung um acht Prozent steigern kann. Bei der begrenzten Energiedichte heutiger Batterien ist das ein echter Fortschritt. Und nicht zuletzt macht die zusätzliche Übersetzung es möglich, kleinere und leichtere E-Motoren zu verwenden, die noch dazu mit weniger oder ganz ohne Metalle der Seltenen Erden auskommen. Der Preis dieser Werkstoffe ist bekanntlich starken politischen Einflüssen ausgesetzt.

Die Zukunft, so führte Rolf Najork weiter aus, werde also keinen Showdown zwischen rein elektrischen und konventionellen Triebsträngen bringen, sondern viele Mischformen und eine gegenseitige Befruchtung zwischen beiden Welten.

Hier pflichtete ihm sein Kollege Dr. Stefan Kampmann, Leiter Elektro- und Hybridantriebe bei Bosch, zwar bei – er rief die Branche und vor allem die Autohersteller aber gleichzeitig auf, die Anzahl der Antriebskonzepte und vor allem die Vielfalt der Komponenten zu verringern. „Nur Standardisierung kann die Kosten für die E-Mobilität drücken“, sagte Kampmann. „Auch wenn es Kompromisse erfordert: Wenn wir das Thema in die Breite bringen wollen, müssen wir Standards entwickeln.“ Dadurch würden die Stückzahlen der einzelnen Komponenten deutlich steigen und die Produktionskosten sinken; Laut Kampmann ließen sich die Kosten für eine neue Technik beim ersten Generationswechsel um 30 und beim zweiten um weitere 20 Prozent senken.

E-Motoren und Zahnräder sinnreich kombinieren

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