EY erwartet das Aus für einige Autobauer

Gewinne der Hersteller sacken um 58 Prozent ab

| Autor: dpa/gr

Covid-19 beschleunigt die Transformation der Hersteller – und kann für manche Hersteller das Ende und zahlreiche Fabriken die Schließung bedeuten.
Covid-19 beschleunigt die Transformation der Hersteller – und kann für manche Hersteller das Ende und zahlreiche Fabriken die Schließung bedeuten. (Bild: Volkswagen AG)

Die Auswirkungen der Corona-Krise dürften die Bilanzen der weltgrößten Autokonzerne im zweiten Quartal noch weitaus schlimmer abstürzen lassen als bisher. Die Branchenexperten des Beratungsunternehmens EY gehen in ihrer Analyse davon aus, dass die Mehrzahl der großen Hersteller im Juli rote Zahlen präsentieren muss. „Gerade Unternehmen, die vor allem auf dem europäischen Markt engagiert sind, wird es im zweiten Quartal hart treffen, denn hier war der Absturz besonders massiv“, sagte der Leiter des Bereichs Automotive & Transportation bei EY, Constantin M. Gall, am Donnerstag.

Schon in den ersten drei Monaten des Jahres hat die Krise riesige Löcher in die Kassen gerissen. Zusammengenommen verbuchten die weltweit 17 wichtigsten Hersteller im operativen Geschäft nur noch rund 7,5 Milliarden Euro Gewinn, wie EY in seiner regelmäßigen Branchenanalyse berechnet hat. Das ist ein Einbruch um 58 Prozent im Vergleich zum ersten Quartal 2019 und der niedrigste Stand seit 2009. Rund 40 Prozent der Gewinne entfielen dabei allein auf Toyota (3,2 Mrd. Euro).

„Im ersten Quartal haben wir nur die anfänglichen Auswirkungen der weltweiten Covid-19-Pandemie gesehen. Das zweite Quartal wird noch sehr viel schlechter ausfallen“, warnte Gall. Vier Konzerne aus den Reihen der 17 größten Autokonzerne der Welt hatten der Auflistung zufolge schon im ersten Quartal einen Verlust im operativen Geschäft vermeldet: Honda (-47 Mio. Euro), FCA (-112 Mio. Euro), Nissan (-789 Mio. Euro) und Ford (-834 Mio. Euro). Peugeot und Renault fehlen in der Aufstellung – sie hatten keine entsprechenden Zahlen vorgelegt. Für das zweite Quartal haben weitere Autobauer bereits Verluste in Aussicht gestellt.

Französische Autobauer taumeln

Die Verkaufszahlen gingen um 21 Prozent zurück. Auch in diesem Punkt konnte sich Toyota mit einem Rückgang um 11 Prozent am besten behaupten. Renault (-26 %) und PSA (-29 %) mussten dagegen heftige Absatzeinbußen hinnehmen. Der Gesamtumsatz der in der Analyse erfassten Autobauer sank dagegen nur um 9 Prozent. Doch auch hier zählen die französischen Hersteller PSA (-16 %) und Renault (-19 %) zu den Verlierern im Ranking.

Die Krise verstärke nun einen Abwärtstrend, der sich schon länger abgezeichnet habe, hieß es in der EY-Studie. Bereits im Jahr 2019 seien die Gewinne der Hersteller auf den niedrigsten Stand seit 2009 gesunken. Hohe Investitionen in Elektrifizierung und Digitalisierung, Handelsstreitigkeiten und eine schwache Konjunkturentwicklung hätten die Margen unter Druck gebracht. Nun stehe eine lange Durststrecke bevor, Investitionen müssten auf den Prüfstand, Überkapazitäten abgebaut werden.

„Diese Krise werden nicht alle Hersteller überleben“

„Und die Konsolidierung beschleunigt sich – diese Krise werden nicht alle Autohersteller überleben“, sagte Gall ohne konkrete Namen zu nennen. Die überlebenden Konzerne werden aus seiner Sicht näher zusammenrücken und sehr viel enger zusammenarbeiten als bisher. Angesichts bestehender Überkapazitäten seien Werksschließungen nicht mehr zu vermeiden, da eine Auslastung der Fabriken für lange Zeit nicht erreicht werde.

Hoffnung mache immerhin die schnelle Erholung in China, von der vor allem die deutschen Autobauer profitieren dürften. Die bisher vorliegenden Zahlen zum zweiten Quartal zeigen aber, dass sich die Situation in China erstaunlich rasch normalisiert: Im April lag der Absatz nur noch leicht unter dem Vorjahresniveau, im Mai sogar darüber.

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