Fahrwerkstechnik: Schwarze Kunst legalisiert

Autor / Redakteur: Jan Rosenow / Jan Rosenow

Räder aus carbonfaserverstärktem Kunststoff rangierten in Deutschland bislang in einer rechtlichen Grauzone. Doch mit einer neuen Richtlinie ist es nun möglich, die schwarzen Leichtbauräder zuzulassen.

Auf der weltgrößten Radialflechtanlage fertigt Thyssen-Krupp Carbon Components die Felgenbetten für seine CFK-Räder.
Auf der weltgrößten Radialflechtanlage fertigt Thyssen-Krupp Carbon Components die Felgenbetten für seine CFK-Räder.
(Bild: TKCC)

Carbonfaserverstärkter Kunststoff eignet sich nicht nur für flächige Teile wie Außenhaut- oder Strukturelemente, sondern spielt auch in kompakten Formen seine Vorteile aus. CFK-Räder sollen beispielsweise 20 Prozent leichter und gleichzeitig 20 Prozent fester sein als Aluminiumräder. Diese erstaunlichen Vorteile sagte Porsche den ersten Rädern aus geflochtenen Kohlefasern nach, die der Sportwagenhersteller ab 2017 im Modell 911 Turbo S Exclusive Series optional anbot. Der Aufpreis für die Edelware verdeutlichte allerdings auch eine dritte wesentliche Eigenschaft von CFK: die hohen Produktionskosten. Porsche berechnete seinen Kunden für den 20-Zoll-Radsatz schmerzhafte 15.232 Euro.

Doch die Räderbranche beschäftigt sich schon viel länger mit der schwarzen Kunst der Kohlefaserverarbeitung. Im Jahr 2014 berichtete »kfz-betrieb« über die ersten Nachrüstprodukte. Und über die rechtlichen Hürden, die ihrem Einsatz noch entgegenstanden. Weil es keine Richtlinie zur Prüfung und Zulassung von Nachrüsträdern aus Carbonfasern gab, konnten diese in Deutschland nicht rechtssicher verwendet werden. Allenfalls die Erstausrüster – wie Porsche – hatten im Rahmen ihrer Produkthaftung die Möglichkeit dazu.