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„Fasching ist vorbei, der Wahnsinn geht weiter“

| Autor / Redakteur: Holger Zietz / Christoph Baeuchle

Politiker und Wirtschaft sorgen dafür, dass vieles im Kfz-Gewerbe in Schieflage ist. Das bot zahlreiche Themen für den traditionellen Automobilen Aschermittwoch in Bayern.

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Automobiler Aschermittwoch: Albert Vetterl (li.), Präsident des Kfz-Gewerbes Bayern, und Rudolf Angerer, stellvertretender Landesinnungsmeister Kfz-Gewerbe Bayern.
Automobiler Aschermittwoch: Albert Vetterl (li.), Präsident des Kfz-Gewerbes Bayern, und Rudolf Angerer, stellvertretender Landesinnungsmeister Kfz-Gewerbe Bayern.
(Bild: Zietz/»kfz-betrieb«)

Wenn im Rheinland der Karneval abebbt, geht es in Bayern erst richtig los. Bereits zum elften Mal fand der Automobile Aschermittwoch mit Unterstützung von »kfz-betrieb« als Gegenstück zum politischen Aschermittwoch statt. Neben Bier und Musik wurde im Weißbierstadl in Abensberg so manche verbale Spitze verteilt. Alle drei Aspekte kamen bei den rund 500 Gästen gut an.

Das Kfz-Gewerbe Bayern präsentierte sich stark, zuversichtlich, eigenständig und mit spitzer Zunge. „Die Automobilhersteller sind doch offensichtlich alle verrückt geworden“, frotzelte Rudolf Angerer, Vorstandsvorsitzender der Kfz-Innung Oberpfalz, Kreis Kelheim. Egal ob sie in München oder Ingolstadt säßen. Ständig hätten sie neue Ideen und Forderungen. „Und das Kfz-Gewerbe soll sie auch noch bezahlen.“ Aber das trifft nicht nur auf die bayerischen Hersteller zu, sondern auch auf alle anderen Fabrikate. „Wenn einer anfängt, dann zieht der andere wenige Wochen später nach.“

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Doch nicht nur die automobile Welt ist aus den Fugen geraten. Noch schlimmer sind die Politik und die Vorgaben, die sie der Branche machen. Im vergangenen Jahr wurde ein neuer Testzyklus eingeführt, der für mehr Transparenz bei Verbrauch und Emission sorgen soll. WLTP heißt das magische Kürzel – oder: Worldwide harmonized Light vehicles Test Procedure. Doch in Bayern steht die Abkürzung für etwas ganz anderes: „Weil leider Trottel praktizieren.“ Denn so viel Chaos, wie die Umstellung im Herbst im Kfz-Gewerbe verursachte, gab es bislang selten.

Was unterm Strich bleibt, sind hohe Kosten. Für viele Betroffene. So haben die Kfz-Betriebe unter der Umstellung gelitten und die Autofahrer unter höheren Gebühren. Dabei sollten ganz andere zur Kasse gebeten werden. „Bußgelder für Politiker und nicht für Autofahrer“, forderte der Vorstandsvorsitzende der Kfz-Innung Oberpfalz, Kreis Kelheim.

Das gilt auch in puncto Abgasemissionen. Bei dem Thema sparte Angerer nicht an Kritik gegenüber den „beiden Supernasen – Anton Hofreiter und Jürgen Resch“. Statt sich allein auf das Automobil zu konzentrieren, sollten sie den Fokus mal erweitern: Allein das jährliche Feuerwerk an Silvester sorge für so viel Feinstaub wie ein Sechstel des gesamten Straßenverkehrs in einem Jahr. Da schienen die Maßstäbe verschoben, wenn der Fokus auf dem Auto liege. Das gelte auch für den Schiffsverkehr: „Die 16 größten Containerschiffe auf den Weltmeeren stoßen so viel Schadstoffe aus wie alle 1,25 Milliarden Autos auf der Welt zusammengenommen“, stellte Angerer klar. Noch Fragen? Bei vielen Beteiligten scheine in letzter Zeit vor allem eines zu fehlen: der XMV – der „xunde Menschenverstand“, wie Angerer das Kürzel entschlüsselte.

Es bleibt also noch viel Arbeit für das Kfz-Gewerbe. Dazu gehört auch die Bekämpfung der beiden größten Plagen: „Der Abmahnverein und Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer“, so Albert Vetterl, Präsident des Kfz-Gewerbes Bayern. Der Erste sorgt mit seinen Klagen für Fahrverbote und verstärkt ihre Wirksamkeit durch die Verhinderung der Nachrüstung. „Das schadet dem Kfz-Gewerbe und den Autofahrern.“

Da scheint etwas aus den Fugen geraten. Für Angerer ist klar: „Der Fasching ist vorbei – der Wahnsinn geht weiter.“ Bis zum nächsten Automobilen Aschermittwoch, der in zwei Jahren stattfindet.

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