Fiat 500 L: Gelungene Zitatensammlung

Autor / Redakteur: sp-x / Andreas Wehner

Der neue Minivan von Fiat muss einen Spagat schaffen: Der 500 L ersetzt fast ein halbes Dutzend anderer Modelle, soll hohen Nutzwert haben – und dabei noch gut aussehen.

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Der Fiat 500 L basiert auf dem Panda.
Der Fiat 500 L basiert auf dem Panda.
(Foto: Fiat)

Die Strada della Manta im Turiner Vorort Lingotto ist wahrscheinlich eine der unansehnlichsten Pisten, die es in Bella Italia gibt: Der Reisende rumpelt über notdürftig geflickten Asphalt, kurvt um knöcheltiefe Schlaglöcher, links und rechts verrotten trostlose Industriebrachen hinter beschmierten Betonwänden. Dass hinter der nächsten Ecke rund 200 kreative Köpfe Tag für Tag am Auftrag arbeiten, um mehr Schönheit zu schaffen? Kaum zu glauben. Aber wahr.

Hinter den Glastüren eines tristen Flachbaus befindet sich das Centro Stile, der Design-Tempel des Fiat-Konzerns. Gleich im Eingangsbereich stehen zur Inspiration der Designer zwei automobile Ikonen der Italiener: ein Ur-Cinquecento von 1957 – und das Holzmodell des 600 Multipla von 1956. Diese Fahrzeuge haben die Massen dort nach dem zweiten Weltkrieg mobil gemacht – und an diesen Klassikern orientiert sich Roberto Giolito.

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Der Chef des Fiat-Designs betont allerdings: „Orientieren heißt für uns zwar zitieren – aber nicht rückwärtsgewandtes Retro-Styling.“ Das nämlich werde schnell öde, wie etwa der PT Cruiser der neuen Schwestermarke Chrysler belege. Seine neuen Fahrzeuge wie der Minivan 500 L dürfen darum nicht einfach nur im alten Gewand daherkommen. Giolitos 200-köpfiges Team hat vielmehr vorher die Ahnengalerie studiert und sich dann daraus munter bedient. Sehr munter.

Die Mischung ist gelungen. Der 500 L hat die exzellente Raumausnutzung des Urahnen 600 Multipla, die Front des kleineren 500 aus beiden Generationen. Vom neuen 500 übernimmt der Minivan die bunten Farben im Innenraum und das lackierte Armaturenbrett der Einstiegsvariante Pop und vom frisch geschlüpften Schwesterchen Panda gibt es das leicht eckige Lenkrad sowie das kleine, aber beim Rückwärtsfahren höchst nützliche Fensterchen im C-Holm. Und bei alledem wirkt die Schöpfung weder wie ein Sammelsurium noch wie eine Kopie.

Das war in den ersten Entwürfen von Giolitos Team noch etwas anders: Da sah der 500 L noch wesentlich mehr wie der Ur-Multipla aus – die Windschutzscheibe hing wie bei seinem Ahn knapp über dem Front-Stoßfänger. Das „L“ im Namen stand eher für rundgelutscht. Doch zu nah an einem der bisherigen Konzepte der Fiat-Geschichte darf der Neue eben nicht sein.

Nachfolger für gleich mehrere Modelle

Schließlich muss das 4,14 Meter kurze, 1,75 Meter hohe und 1,66 Meter breite Fahrzeug ja einen Spagat schaffen: Der 500 L soll nicht nur den etwas lustlos gestalteten Mini-Minivan Idea und dessen baugleichen Bruder Lancia Musa ersetzen. Auch der bis 2010 gebaute Sechssitzer Fiat Multipla hat den 500 L als Nachfolger. Zudem muss der neue Fiat wohl mittelfristig auch den Part des kleinen SUV übernehmen. Denn der Sedici wird nach dem Ende der Partnerschaft mit Suzuki von dieser Seite keine Geburtshilfe mehr erhalten. Von Jeep wird da ein neuer Allradantrieb die B-Plattform bewegen.

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