Fiat-Händler klagen gegen den Importeur

Autor Stephan Richter

Ein Differenzbetrag von zirka zwölf Millionen Euro für Transportkosten von Neuwagen aus dem Jahr 2009 sowie Schikanen seitens des Importeurs bei den neuen Händlerverträgen. Händlerverbands-Chef Wilfried Blöbaum hatte bei der jüngsten Tagung viel mit seinen Kollegen zu besprechen.

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(Foto: Richter)

Es reicht dem Fiat-Händlerverband: Bei der außerordentlichen Tagung der Vertriebs- und Servicebetriebe haben sich die Mitglieder einstimmig für eine eventuelle Sammelklage gegen ihren Importeur ausgesprochen.

Anlass dafür ist die Transportkostenregelung des Fiat-Konzerns. Diese ergibt laut einer Kalkulation des 2. Vorsitzenden Karl Kleba für das Jahr 2009 einen Differenzbetrag von zirka 86 Euro pro angeliefertem Fahrzeug – zusammen zirka zwölf Millionen Euro. „Fiat legt die Transportkosten nicht gänzlich offen. In der Mischkalkulation ist u.a. ein Posten über 200 Euro für den Transportweg in Italien genannt. Dabei kommen aber nicht alle unsere Fahrzeuge von dort. Hier nimmt man uns vermeidlich Geld weg“, sagte Kleba.

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Ende 2012 verjährt der Anspruch

Bevor der Anspruch der Händler am 31.12.2012 verjährt, haben die anwesenden Händler dem Verband eine Vollmacht erteilt, die Transportkosten detailliert für die Fabrikate Fiat, Alfa Romeo, Lancia und Fiat Professional zu prüfen und einzufordern. „Bislang sind alle vier Mandate Teil der Mischkalkulation. Grundsätzlich sind sie aber Bestandteil unterschiedlicher Vertragswerke. Das müssen wir ebenfalls hinterfragen“, sagte Kleba.

Die Werte für 2010 und 2011 habe der Fiat-Verband noch nicht kalkuliert, man rechne aber mit einem Betrag von 50 bis 80 Euro pro Fahrzeug, erklärte der 2. Vorsitzende. Prof. Dr. Christian Genzow von der Kanzlei Friedrich Graf von Westphalen prophezeite gute Erfolgsaussichten für dieses Vorhaben: „Fiat ist rechtlich dazu verpflichtet, die Kosten genau offenzulegen. Es darf hier keine geheimen Dokumente geben.“

Deckungsbeiträge II nicht zufriedenstellend

Befeuernder Grund für diese Überprüfung sind eine Erhöhung der Transportkosten sowie die schlechte Ertragssituation des Händlernetzes bei Neuwagen. Im Durchschnitt erwirtschaften die Fiat-Händler pro Pkw einen Deckungsbeitrag von 185,71 Euro. Bei Abarth sind es 567,08 Euro, bei Lancia 638,56 Euro, bei Alfa Romeo 809,36 Euro und bei Fiat Professional 962,47 Euro. „Diese Werte sind nicht erstrebenswert. Da können wir die Tür ja gleich zumachen“, sagte Kleba. Selbst die ertragsstärkeren Fiat Transportern hätten im Laufe des Jahres einen deutlichen Margenverfall verzeichnet, erklärte Vorstandsmitglied Wilhelm Wolters.

Generell übe der Fiat-Konzern aktuell eine undurchsichtige Kommunikationspolitik aus, beschreibt der 1. Vorsitzende Wilfried Blöbaum. So habe Fiat in den Entwürfen der kommenden Verträge die Änderungen nicht farblich markiert, Änderungswünsche des Verbands übersehen und einige Informationen erst sehr kurzfristig versandt. Daher habe der Verband gemeinsam mit seinem Anwalt Prof. Genzow jede Seite Wort für Wort lesen müssen.

Veränderte Boni für Kundenzufriedenheit

Dennoch habe der Verband bei einigen Punkten der neuen Verträgen einlenken können. So setzten die Verantwortlichen durch, dass die reine Teilnahme am Kundenzufriedenheitsprogramm den Fiat-Partner Bonuszahlungen einbringt – unabhängig vom Ergebnis. Fiat pochte jedoch darauf, dass mindestens 50 Prozent der Autohaus-Kunden daran teilnehmen müssen.

Auch in puncto Schulungsteilnahme, Spezialwerkzeug sowie bei weiteren Standards sind die Verträge noch nicht festgelegt: „Wir konnten aus vielen Pflichtpunkten eine Empfehlung machen. Das spart unseren Händlern viel Geld. Ein großer Punkt sind noch die Garantierichtlinien. Daran arbeiten wir noch“, sagte Blöbaum. Die neuen Verträge treten frühestens am 1. Januar 2014 in Kraft.

Teilnahmequote von 70 Prozent

Blöbaum zeigte sich zufrieden mit dem Engagement der angeschlossenen Händler. So verzeichnet der Verband eine Rückmeldungsquote zur Tagung von 98 Prozent, erschienen waren 70 Prozent. „Ich ziehe den Hut vor unseren Händlern. Wir können bei Vertragsangelegenheiten nur gemeinsam Druck auf den Importeur ausüben. Vor allem bei den Transportkosten deute ich das Verhalten von Fiat so, dass sie genau wissen, dass da etwas nicht stimmt. Das wollen wir nicht hinnehmen“, lautet die einhellige Meinung der Vorstandsmitglieder.

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