Fiat lenkt in der Modellpolitik um

Autor / Redakteur: sp-x / Andreas Grimm, Andreas Grimm

Der italienische Autobauer fällt derzeit vor allem mit markigen Sprüchen von Konzern-Lenker Sergio Marchionne auf - und heftigen Verkaufseinbußen in Europa. Bei genauem Hinsehen werkelt Fiat aber an seiner globalen Aufstellung.

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(Foto: Fiat)

Mit einer Flut an Sonder-Editionen und Spezialvarianten erweitert die Fiat Group derzeit ihre Palette. Hinzu kommen zwar neue Modelle wie der Microvan Fiat 500L, aber das ist nur ein Vorgeschmack auf wichtige Neuheiten der kommenden Jahre, die Fiat gemeinsam mit der Chrysler Group LLC lancieren wird.

„Wohl dem, der einen starken Partner hat“, denkt sich vermutlich derzeit mancher Mitarbeiter wie Manager des italienischen Autobauers. Obwohl Fiat, wie fast alle großen europäischen Massenhersteller, durch die Krise in den südlichen Euroländern unter Absatzproblemen leidet, scheint der Konzern gut aufgestellt für die Zukunft. Das ist nicht zuletzt ein Verdienst der Chrysler Group LLC mit den Marken Dodge und Chrysler, an der Fiat nach der großen Krise der US-Autobauer von 2009 Mehrheitseigner wurde.

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Nachdem in diesem Jahr bereits wichtige Modelle - aktuell der Fiat 500L - präsentiert wurden, stehen ab 2013 grundlegende Änderungen bevor. „Es geht um die Frage“, so ein Fiat-Sprecher, „welche Marke wir künftig am besten wo für welche Märkte produzieren“. Zugleich finde ein tiefgreifendes Umdenken in der Plattformstrategie statt.

Als Nachfolger des Alfa Romeo 159 entsteht die Mittelklasse-Limousine Giulia künftig auf der Plattform CUS Wide – jener erweiterten C-Plattform der Giulietta, die bereits dem US-Modell Dodge Dart und dem in China gefertigten Fiat Viaggio als Grundlage dient. Von der 4,70 m langen Stufenheck-Limousine Viaggio entstehen künftig für den chinesischen Markt jährlich 170.000 Exemplare.

Der Alfa Romeo 4C als leichtes, leistungsstarkes und agiles Sportcoupé soll kommendes Jahr das Aushängeschild für Alfas Rückkehr auf den US-amerikanischen Markt sein. Gefertigt werden jährlich 2.500 Exemplare vom 4C allerdings in Italien, in einem ehemaligen Bertone-Werk nahe Turin. Die Giulia dagegen wird möglicherweise in den USA gebaut. Für den Wiedereinstieg der italienischen Traditionsmarke in USA könnte eine vor Ort produzierte neue Giulia eine ideale Ergänzung zur Speerspitze 4C sein, denn als sportliche Mittelklasse verkörpere sie den Marken-Kern von Alfa Romeo, heißt es bei Fiat.

Die künftige Aufteilung zwischen Fiat Group und Chrysler Group LLC könnte in Zukunft lauten: Kleinwagen bis hinauf zur CUS Wide-Plattform kommen aus Europa, darüber ist USA zuständig. Dazu stellt sich die Frage, wie sich die Zusammenarbeit zwischen Fiat und Mazda sowie Suzuki im Hinblick auf boomende Asien-Märkte weiterentwickelt. Seit Jahren liefert Fiat 1,3-Liter-Dieselmotoren an Suzuki, und der nächste Alfa Romeo Spider wird auf der Architektur des Mazda MX-5 basieren und in Japan gefertigt werden.

Bevor die neuen Plattformstrategien zwischen Fiat Group, Chrysler Group LLC und strategischen Partnern die Märkte Europa, Amerika und Asien derart vernetzen, stehen weitere Neuheiten bevor. In Paris wird Fiat neben dem 500L die Allradversion des Panda zeigen, bevor 2013 eine längere, siebensitzige Version des 500L kommt. Dazu gesellt sich der 500L Tracking – zwar noch kein Allrad-SUV, jedoch mit robuster Offroad-Optik.

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