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Fiat: So fährt der neue Zweizylinder

| Autor / Redakteur: Jan Rosenow / Jan Rosenow

Der Kleinwagenspezialist treibt das Downsizing auf die Spitze: Ein aufgeladener Zweizylinder mit 85 PS sorgt für sportliche Fahrleistungen im Fiat 500 – und soll der sparsamste Benziner überhaupt sein.

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Mit dem neuen Zweizylinder ist der Fiat 500 der sparsamste Benziner auf dem Markt.
Mit dem neuen Zweizylinder ist der Fiat 500 der sparsamste Benziner auf dem Markt.
( Archiv: Vogel Business Media )

Fiat treibt das Downsizing auf die Spitze: Nicht nur der Hubraum, sondern auch die Zylinderzahl erreichen mit dem neuen Twin-Air-Aggregat einen neuen Minusrekord für europäische Großserienfahrzeuge. Mit zwei Zylindern und 875 Kubikzentimetern soll es der sparsamste Benzinmotor auf dem Markt sein. Fiat verspricht Durchschnittswerte im EU-Zyklus von nur vier Litern auf 100 Kilometern und eine CO2-Emission von 92 Gramm pro Kilometer.

Der neue Twin-Air-Motor, den das Unternehmen gestern in Berlin vorstellte, ist der erste Zweizylinder im Automobil seit über zehn Jahren, hat aber mit den einfach aufgebauten Aggregaten des zuletzt hergestellten Fiat Cinquecento ED nur die Bauweise gemeinsam. Twin-Air ist nämlich ein Hightech-Zwerg. Die Fiat-eigene variable Ventilsteuerung Multi-Air und ein Turbolader verleihen dem Aggregat die Leistungswerte eines 1,5-Liter-Vierzylinders. Die erste Serienversion schickt 63 kW/85 PS und ein maximales Drehmoment von 145 Newtonmetern ins Getriebe.

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Damit wird der 500 zum City-Sportwagen par excellence. Mit einem unnachahmlichen, knurrenden Sound und durchaus spürbaren, aber nie störenden Vibrationen legt der Twin los und schiebt den über eine Tonne schweren „Cinquecento“ in elf Sekunden von Null auf 100 km/h.

Das Turboloch ist kaum spürbar, was aber auch daran liegt, dass sich der Zweizylinder bei niedrigsten Drehzahlen ohnehin unwohl fühlt. Konzeptbedingt braucht er mindestens 1.500 min-1, um rund zu laufen und fühlbar zu beschleunigen. Ein kurz abgestuftes Sechsganggetriebe würde besser zu dem Motor passen, doch leider bietet Fiat derzeit nur fünf Gänge an. Darin sind sich die Italiener mit anderen Herstellern einig, die ihre Fahrzeuge auf den EU-Fahrzyklus hin optimieren, in dem der sechste Gang nicht gefordert ist.

Ausgleichswelle bekämpft Schwingungen

Großen Aufwand hat Fiat betrieben, um die unvermeidlichen Vibrationen des Zweizylinderkonzepts in den Griff zu bekommen. Der Twin ist ein Gleichläufer, das heißt beide Kolben bewegen sich synchron auf und ab. Damit gehen erhebliche freie Massekräfte einher, die eine Ausgleichswelle erfordern. Diese und die massige Kurbelwelle machen den kompakten Motor schwer: Gegenüber dem Lowtech-Vierzylinder mit 1,2 Litern Hubraum, der derzeit den Einstieg in die Fiat-500-Welt darstellt, spart er lediglich sieben Kilogramm.

Doch der Erfolg der schwingungshemmenden Maßnahmen erweist sich bei der Probefahrt. Vibrationen sind zwar immer noch spürbar, doch sie äußern sich weniger als lästiges Gebrumme wie bei einem Vierzylinder, sondern als pulsierende Lebensäußerungen, die bestens zu dem sportlichen Kleinwagen passen und das Gasgeben noch animierender machen.

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