Fiat-Verträge: Händler und Importeur steuern auf Gegenkurs

Autor / Redakteur: Julia Mauritz / Andreas Grimm, Andree Stachowski

Die außerordentliche Versammlung des Fiat-Händlerverbands endete mit dem Aufruf an den Frankfurter Importeur, die Diskussionen mit dem Händlerverband aufzunehmen.

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(Foto: Fiat)

Die neuen Vertriebs- und Serviceverträge sowie das neue Margensystem von Fiat Deutschland treffen weder im Vorstand des Händlerverbands noch bei den Mitgliedern auf Gegenliebe. Das wurde auf der außerordentlichen Mitgliederversammlung am Mittwoch in Frankfurt deutlich. Die von der Fiat Group Automobiles Germany (FGA) einseitig gestalteten Verträge sollen zum 1. März 2016 in Kraft treten.

Der Importeur hatte die Notwendigkeit von neuen Verträgen mit einem einheitlichen, angemessenen Markenauftritt in Autohäusern und Servicebetrieben begründet, einer höheren Belohnung für gute Leistungen und einer größeren Flexibilität, um auf Marktveränderungen zu reagieren. In den neuen Verträgen ist nur eine Grundmarge von maximal 12 verankert, alle anderen Elemente werden gesondert vom Vertrag in so genannten Side-Lettern festgehalten und können vom Importeur jährlich angepasst werden.

Auch wenn der FGA-Vorstandsvorsitzende Eric Laforge mit einem früheren Gespräch mit »kfz-betrieb« versichert hatte, von dieser Möglichkeit nicht Gebrauch machen zu wollen und zugesagt hatte, die variablen Boni bis Ende 2017 nicht zu verändern, äußerte sich der Vorstand des Verbands skeptisch: „Mit den neuen Verträgen entzieht FGA seinen Vertriebs- und Servicepartnern jegliche Kalkulationsgrundlage“, lautete das Fazit in Frankfurt.

Mit dem Plenum sollten vor allem die Auswirkungen des neuen Margensystems und die Servicestandards in den neuen Fiat-Händlerverträgen detailliert analysiert werden. Die Vertriebsstandards liegen dem Händlerverband bislang noch nicht vor.

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„Der Handel hat nur Pflichten und keine Rechte“, brachte Wilfried Blöbaum, die Auswirkungen der Änderungen auf den Punkt. Sein Stellvertreter Karl Kleba führte den knapp 300 teilnehmenden Händler klar vor Augen, dass „die neuen Verträge grundlegende Veränderungen nach sich ziehen“.

Auf Ablehnung des Händlerverbands stößt vor allem, dass sich der Importeur im neuen Regelwerk die Möglichkeit einräumt, den Grund- und Leistungsrabatt im Margensystem mit jeder Modelländerung willkürlich zu verändern. Was genau eine Modelländerung ist, kann FGA dabei selbst bestimmen.

Erschwerte Kalkulation

Laut Kleba würden die Fiat-Partner durch das neue Margensystem in Summe betriebswirtschaftlich zwar nicht zwingend schlechter gestellt. Zugleich gab der stellvertretende Verbandschef jedoch zu bedenken, dass einige ehemals fixe Margenelemente nun durch Boni ersetzt würden, die eine freiwillige Leistung des Importeurs seien. „Die Boni sind stark volumenorientiert. Alles in allem ist das schwer zu kalkulieren“, bemerkte Antje Woltermann, Geschäftsführerin des Alfa-Romeo-Händlerverbands.

Ein weiterer strittiger Punkt: Wenn der Frankfurter Importeur künftig seine Vertriebs- und Servicestandards ändern will, genügt es, wenn er im Vorfeld ein Gespräch mit dem europäischen Händlerverband führt. „Fiat schafft sich damit faktisch freie Hand für jeglichen Vertriebsstandard“, gab Branchenanwalt Prof. Dr. Christian Genzow zu bedenken. „Betriebswirtschaftlich kann man die Verträge in der jetzigen Form nicht empfehlen“, fasste Woltermann zusammen. Dieses Fazit hatten am Vortag bereits die Delegierten auf einer Versammlung gezogen.

Bei einer anonymen Befragung unter den Mitgliedern des Händlerverbands, die während der Veranstaltung durchgeführt wurde, gaben 87,6 Prozent an, dass der Vertrag in der aktuellen Form einschließlich der Standards nicht akzeptabel sei. 7,4 Prozent akzeptieren zwar den Service-, nicht aber den Vertriebsvertrag. Nur 2,2 Prozent sind mit beiden Verträgen einverstanden.

Abschließend sprachen sich die Händler dafür aus, dass Fiat die Erörterung angemessener Verträge mit dem Händlerverband aufnimmt.

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