Finanzaffäre um Ghosn: Renault bekommt kommissarischen Chef

Autor / Redakteur: dpa / Jakob Schreiner

Der Verwaltungsrat des französischen Autobauers hat Thierry Bolloré vorläufig an die Spitze des Unternehmens gestellt. Der Vize-Generaldirektor ist nach Ghosn die Nummer zwei im Konzern.

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Thierry Bollore, Chief Operating Officer (COO), übernimmt vorläufig die Führung des französischen Autobauers.
Thierry Bollore, Chief Operating Officer (COO), übernimmt vorläufig die Führung des französischen Autobauers.
(Bild: Renault)

Nach der Verhaftung von Renault-Nissan-Chef Carlos Ghosn in Japan hat der französische Autokonzern Renault seine Spitze vorläufig neu strukturiert. Die Weichen wurden bei einer Verwaltungsratssitzung am Dienstagabend gestellt. Die operativen Geschäfte werden künftig von Thierry Bolloré gesteuert, wie das französische Unternehmen mitteilte. Bolloré war bisher als Vize-Generaldirektor nach Ghosn die Nummer zwei im Konzern. Ghosn bleibt als Vorsitzende vorerst im Unternehmen, Bolloré wird künftig dieselben Befugnisse wie er haben.

Das Unternehmen äußerte sich am Dienstagabend nicht weiter zu den Vorwürfen. Die jetzigen Maßnahmen sollen die Interessen der Gruppe wahren und Kontinuität sicherstellen. An der Börse in Japan gerieten die Aktien von Nissan und Mitsubishi Motors im Zuge der Affäre unter Druck. Dem Vernehmen nach kann Ghosn nicht an der Spitze des Unternehmens bleiben, wenn sich die Vorwürfe gegen ihn bestätigen sollten.

Ghosn war am Montag wegen mutmaßlicher Verstöße gegen Börsenauflagen verhaftet worden. Internen Ermittlungen zufolge sollen er und ein weiterer Manager ihre Geldbezüge in offiziellen Berichten an die japanische Börse falsch dargestellt und in Ghosns Fall zu niedrig beziffert haben. Medien hatten berichtet, Ghosn habe seit 2011 über einen Zeitraum von fünf Jahren insgesamt fünf Milliarden Yen (rund 40 Mio. Euro) Einkommen zu wenig angegeben.

Mitsubishi stellt Allianz infrage

Für Aufregung sorgt der Fall Ghosn unterdessen auch beim dritten Bündnispartner neben Renault und Nissan, dem japanischen Autobauer Mitsubishi. Dort hatte sich Nissan 2016 nach einer Krise infolge eines Abgasskandals großflächig eingekauft.

Die Allianz werde ohne den derzeit inhaftierten Renault-Chef Carlos Ghosn schwer zu managen sein, sagte Mitsubishi-Chef Osamu Masuko am Dienstag. Der Verwaltungsrat von Mitsubishi werde sich wohl in der kommenden Woche mit der Angelegenheit befassen.

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